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Hurrah! Hurrah! Pumuckls Bäuchlein bleibt da

Aktuell beschäftigen die Körpermaßen eines der frechsten Medienstars die Blätter und Blogs: kein Model oder Popstar, sondern Pumuckl und seine neue schlankere Figur standen am Pranger. Die Tochter der Zeichner hat nun bestätigt, dass Pumuckl sein Bäuchlein behalten soll.

Zum 95. Geburtstag von Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut sollte der Kobold einen frischen, modernen Look bekommen, um auch neue Generationen anzusprechen. Hierzu wurde er laut zuständigem Illustrator dynamischer und somit eben auch sportlicher. Die weggefallene, auch Stück weit charakteristische Wampe der rothaarigen Kinderfigur fiel diesem Plan zum Opfer und entrüstet nicht nur Fans in sozialen Medien sondern auch den deutschen Feuilleton. Dabei beteuert der Zeichner, Pumuckl nicht bewusst auf Diät gesetzt zu haben. Vielmehr habe er sich an seinen sportlichen Söhnen orientiert.

Uschi Bagnall, die Tochter von Ellis Kaut, hat die Rechte an dem Kobold, zusammen mit der ersten Pumuckl-Zeichnerin Barbara von Johnson und ihrem Mann Brian Bagnall, der den Pumuckl später gestaltete. Nun bestätigte sie, es werde nur dieses eine Buch mit der dünnen Figur geben. Für künftige Produktionen gilt wieder eine traditionelle Vorlage. Der neue alte Pumuckl ist bereits entworfen, er sieht aus wie eh und je.

Animierter Schlankheitswahn

Gegen sportliche Vorbilder für Kinder ist prinzipiell nichts einzuwenden – fairerweise muss auch gesagt werden, dass Pumuckl noch nicht Anzeichen einer Unterernährung aufweist. Doch ist hier ein Trend zu beobachten und verfielen schon Biene Maja, Heidi und Bob der Baumeister einer animierten Entschlackung. Beunruhigendes fand bereits vor Jahren eine Studie zu Figuren in Kindermedien heraus: Demnach entsprächen drei von vier Mädchenfiguren in Zeichentricksendungen einem Körper, der bereits unter dem Maßen einer Barbiepuppe liegt.

Körperkult in den Medien

Zwar kann nicht pauschal von direkten Effekten auf das Körpergefühl von Kindern geschlossen werden, doch gibt es bereits wissenschaftliche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen persönlicher Unzufriedenheit mit dem Körper und hohem Medienkonsum, wobei gerade Modelshows wie Germany‘s Next Topmodel eine Rolle spielen.

Das Problem ist die mediale Normierung der Bilder: Für Kinder wirken die vielen (zu) schlanken Körper als das, was sozial akzeptiert und nachahmenswert erscheint. Das gilt dann nicht nur für Zeichentrickfiguren, die eine leichtere Distanz zum eigenen Ich ermöglichen, sondern gerade auch für Formate mit echten Darstellern.

Zweifelhafte Vorbilder

Da Heranwachsende in Ihrem Körperbild noch nicht stark gefestigt sind, suchen Sie sich oft Vorbilder und Orientierungshilfen und greifen hier stark auf die Medienwelt zurück. Dies gilt für Stars der Unterhaltungsindustrie, vor allem in Castingshows und Scripted Reality, aber auch für Schmink-Tutorials auf YouTube, die den Fokus auf äußerliche Merkmale verstärken und den Körperkult in den Medien unterstützen.

Inszenierung in sozialen Medien

Gerade soziale Medien wie Facebook und Instagram bieten zahlreiche Möglichkeiten, den Stars nachzueifern, etwa über Selfies oder Sexting. Eine selektive Auswahl und der Einsatz von Bildbearbeitungsprogrammen schaffen dann eine verzerrte Konstruktion von Körperidealen.

SCHAU HIN! empfiehlt, mit Kindern offen über Körperbilder in den Medien zu reden, auch mal bei den Lieblingssendungen der Kinder mitzuschauen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, damit sie Inszenierungen kritisch reflektieren und sich von kruden Vorbildern distanzieren.

Kinderhelden im Magerwahn

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