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„Ich werde YouTube-Star!“

Der Lehrer und Autor Florian Buschendorff schreibt Jugendromane über Themen wie Cybermobbing und Handysucht. In seinem neusten Buch „Ich werde YouTube-Star!“ widmet er sich dem bei Jugendlichen mit Abstand beliebteste Internetangebot.

„Schreiben Sie doch mal einen Roman über YouTube!“, schlug mir mein Verlag vor. Kein Problem, dachte ich, schließlich bin ich YouTube-Kenner. Vielleicht nicht mehr als die meisten, aber als Lehrer habe ich beste Kontakte zu den wirklichen YouTube-Experten.

Studien zur Mediennutzung ermitteln bei Jugendlichen einen durchschnittlichen YouTube-Konsum von rund einer Stunde pro Tag. Meine Schüler räumten hingegen ein, sich am Wochenende auch gern mal 5 bis 8 Stunden Videos anzuschauen. Ihre Lieblingsvideos heißen zum Beispiel „In 100 Meter Klebeband eingewickelt“, „Kopfsprung geht schief“ oder „Dinge, die Mädchen tun, wenn sie sich unbeobachtet fühlen“.

Die Fragestunde zu den Lieblingskanälen meiner Schüler verließ ich mit einer langen Liste an Vorschlägen, was ich mir auf jeden Fall anschauen müsste. BibisBeautyPalace, Dagi Bee, Gronkh, DieLochis sowie eine Reihe weniger bekannter YouTuber und unbedingt den Kanal von Kenneth aus der Parallelklasse.

Die erfolgreichsten deutschen YouTuber

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Nach einer Recherchenacht mit Bibi, Dagi, den Außenseitern und Co waren mir zwei Dinge klar. Erstens: Auch bei YouTube steigt das Niveau nicht mit den Einschaltquoten. Zweitens: Ein Romanmanuskript über nächtelangen Konsum schwacher Videoproduktionen wird mir der Verlag wegen fehlender Handlung um die Ohren hauen. Man könnte das Thema auch mit dem Vermerk „jugendliche Zeitverschwendung“ beiseite legen, würde nicht ständig der spätkapitalistische Reflex gegen subtilen bis offensichtlichen Kommerz aktiviert werden.

 

Auch bei YouTube steigt das Niveau nicht mit den Einschaltquoten.

Während Dagi Bee ihren Zuschauerinnen Schminktipps anvertraut, hält sie einen Schminkspiegel mit Firmenlogo vor die Kamera. So funktioniert Produktwerbung noch richtig gut; anders kann man sich die fünf- bis sechsstelligen Monatseinkünfte der populären YouTuber nicht erklären. Ganz zu schweigen von denen der Agenturen, die hinter den Von-Jugendlichen-für-Jugendlichen-Produktionen darüber wachen, dass die Unbedarftheit dieser hochwerbewirksamen Kinderzimmer-Authentiztät auch ja erhalten bleibt.

Da sollte doch ein Roman bei meinen 12- bis 14-jährigen Lesern das Bewusstsein anbahnen: Deine Idole wollen doch wieder mal nur eins: dein Taschengeld! Aber für solche Botschaften sollte ich wahrscheinlich keinen Roman schreiben, sondern besser einen eigenen YouTube-Kanal aufmachen. „Vorsicht vor YouTubern, die es nur auf dein Taschengeld abgesehen haben!!!“ Könnte das laufen? – Man müsste wahrscheinlich noch dran feilen.

Aber der charmante Mitmach-Appell aus den Anfangszeiten von YouTube durchwittert immer noch das Portal: Eine Kamera und eine gute Idee genügen! Werde erfolgreicher YouTuber! Berufswunsch YouTube-Star? Nur wenige trauen sich, das ihrem Berufsberater zu sagen. Von meinen Schülern weiß ich: viele liebäugeln tatsächlich damit. Dabei wären Kamera und eine Idee nur die kleinere Hürde, die größere heißt: Raus aus dem Konsum, anfangen aktiv zu werden!

Raus aus dem Konsum, anfangen aktiv zu werden!

Leon, Felix und Anita, die Protagonisten des Romans, wollen jedenfalls ihren Traum verwirklichen, in der Welt, wo das Individuum zwischen Berieselung und Bedeutungslosigkeit untergeht, etwas Besonderes zu sein. <klickzahlen></klickzahlen>

Zum Buch: Felix und Leon haben ihren eigenen YouTube-Kanal. Doch noch fehlt ihnen die richtige Idee, um erfolgreiche YouTuber zu werden. Bei Any, einem coolen Mädchen aus Ihrer Schule, läuft es da deutlich besser: Die YouTuberin macht angesagte Beauty-Videos und wird dafür von vielen Mädchen bewundert. Angeblich soll sie sogar Geld mit Ihrem Kanal verdienen. Das spornt Felix und Leon an. Doch der Weg zum YouTube-Star ist steinig und zeigt den beiden bald auch seine Schattenseiten… Geeignet von Klasse 7 bis 10 Wir verlosen fünf Exemplare unter allen, die uns folgende Frage bis 12. Mai richtig beantworten: Wie viel Prozent der Jugendlichen nutzen laut JIM-Studie 2016 Youtube täglich? Einsendungen bis 12. Mai an service(at)schau-hin.info (Stichwort: Verlosung)

 

 

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