Vermischtes

Jugendpolitiktage: Wie drückt sich Jugendkultur im Internet aus?

Die Bandbreite der Themen, die an den Jugendpolitiktagen vom 5. bis 7. Mai in Berlin diskutiert werden, ist sehr groß: von Bildung, über Ungleichheit bis zur digitalen Teilhabe. Wir haben dazu mit den Organisatoren im Bundesfamilienministerium gesprochen.

Sind so komplexe Themen an einem Wochenende zu stemmen?

Es geht natürlich um Fragen, die besonders relevant sind für die junge Generation. Und da ist die Themenvielfalt auch ziemlich groß. Wir haben sechs Themenforen, sechs Themenwerkstätten und 18 Arbeitsgruppen im Programm. Alles ist gut vorbereitet, die Expertinnen und Experten und vor allem die jungen Teilnehmenden sind hoch motiviert. Wir sind sicher, dass zu allen Themen fundierte „junge Positionen“ entwickelt werden. Die jugendpolitische Debatte ist mit den JugendPolitikTagen (JPT) auch nicht abgeschlossen.

Wie wurden die 450 Teilnehmenden ausgewählt?

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der JPT sind Jugendliche und junge Erwachsene aus Jugendparlamenten, Jugendforen, Jugendbeiräten, Schüler*innen- und Studierendenvertretungen und Jugendverbänden aus allen Bundesländern. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich für die Teilnahme an den JPT selbst beworben.

Es geht uns um eine Politik für, mit und von Jugend.

Warum ist es wichtig, dass Jugendliche sich politisch beteiligen?

Es geht uns um eine Politik für, mit und von Jugend. Dafür ist es unerlässlich, die Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu kennen. Durch Beteiligung erleben Jugendliche und junge Erwachsene Selbstwirksamkeit und machen auf diese Weise wichtige Erfahrungen, die Ihnen helfen, sich selbst zu positionieren und selbstbewusst ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Und wenn sie erfahren, dass ihr Engagement gewollt und gebraucht wird, dann werden sie auch künftig eher bereit sein, sich einzubringen und mitzugestalten. Das ist auch für unsere demokratische Gesellschaft unverzichtbar. Uns ist es wichtig zu zeigen: Jugendbeteiligung ist notwendig und sie ist machbar!

Uns ist es wichtig zu zeigen: Jugendbeteiligung ist notwendig und sie ist machbar!

Eines der Themenforen dreht sich um digitale Chancen. Worum geht es dabei?

Zentral geht es um Folgendes: Wie drückt sich Jugendkultur im Internet aus? Und wodurch kann jugendliches Engagement in einer zunehmend digitalen Gesellschaft gestärkt werden? Die AG „#postfaktisch, fake news, hate-speech“ beschäftigt sich mit der Rolle des Internets bei Populismus und Extremismus und wie man gegen Radikalisierungstendenzen im Internet vorgehen kann.

Können Jugendliche zwischen Freizügigkeit und Datenschutz im Netz abwägen?

Datenschutz ist eines der zentralen Themen der Digitalisierung. Kinder und Jugendliche wachsen heute ja als „digital natives“ auf und haben spätestens als Teenager ein Smartphone in der Tasche. In der Lebensphase, in der sich Jugendliche befinden, ist es natürlich, sich in Medien austauschen und präsentieren zu wollen. Für die Entwicklung der persönlichen Identität haben digitale Medien deshalb eine ganz wichtige Funktion.

Wie Jugendliche mit persönlichen Daten umgehen, ist eine Frage ihrer Medienkompetenz und persönlichen Reife.

Wie Jugendliche dabei mit persönlichen Daten umgehen, ist eine Frage ihrer Medienkompetenz und persönlichen Reife. Der Gesetzgeber schätzt die Einsichtsfähigkeit Minderjähriger beim Datenschutz im Vergleich zu Erwachsenen als geringer ein und sieht deshalb Altersgrenzen für die Einwilligung der Eltern zur Verarbeitung personenbezogener Daten vor. Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung z.B. hat die Altersgrenze bei 16 Jahren festgelegt. Die Bundesregierung hat die Möglichkeit, die Altersgrenze im Wege nationaler Gesetzgebung zu senken.

Ein jugendgerechter Datenschutz ist aber nicht nur eine Frage von Altersgrenzen. Medienangebote für Jugendliche sollten auch in ihrer Datenschutzpolitik jugendgerecht sein: Datensparsamkeit und Transparenz für die Erhebung und Verwertung personenbezogener Daten sind hier wichtig. Konkret bedeutet das z.B. auf die Erhebung unnötiger Daten zu verzichten, Jugendliche nicht zur Preisgabe persönlicher Daten zu ermuntern, Datenschutzrisiken anzusprechen und Datenschutzbestimmungen in einer für Jugendliche verständlichen Sprache zu formulieren. Hier sind Medienanbieter in der Pflicht, sich auf junge Nutzerinnen und Nutzer einzustellen.

Ein anderes Thema, das bei der digitalen Teilhabe eine Rolle spielt, ist die Benachteiligung etwa von Hauptschülern oder behinderten Jugendlichen. Wie kann man die Probleme angehen?

Das ist ein ganz wichtiges Thema. Denn auch bei der Digitalisierung geht es um Gerechtigkeit. Entscheidend ist, dass Digitalisierung nicht in eine neue digitale Ungleichheit führt, indem sie bestehende soziale Ungleichheit verstärkt. Voraussetzung für digitale Teilhabe sind gute Angebote zur Teilhabe für alle Jugendlichen und die Förderung der individuellen Medienkompetenz. Auch die Jugendpolitiktage selbst sind ein Angebot zur Teilhabe.

Gerade in der Medienbildung hat Deutschland im internationalen Vergleich noch Entwicklungspotentiale. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unterstützt die Medienerziehung in der Familie mit den Angeboten der Initiative „Gutes Aufwachsen mit Medien“.

Auch bei der Digitalisierung geht es um Gerechtigkeit.

Was passiert mit den Forderungen der Jugendlichen im Anschluss an die Veranstaltung?

Die Positionen und Forderungen werden zunächst einmal vom BMFSFJ veröffentlicht. Geplant ist auch eine Veröffentlichung auf jugendgerecht.de, der Seite der Koordinierungsstelle „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft. Die beteiligten Organisationen werden die „jungen Positionen“ sicherlich auch intern und extern kommunizieren.

Die Journalistinnen und Journalisten von politikorange (Jugendpresse Deutschland) und vom Pressenetzwerk für Jugendthemen werden berichten und die Positionen bekannt machen. Bundesjugendministerin Manuela Schwesig wird darüber hinaus den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Heimatorte der Teilnehmenden die jungen Positionen übermitteln. Und wir werden im Bundesjugendministerium die Positionen dazu nutzen, um unsere jugendpolitische Agenda mit den Anliegen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen abzugleichen und so unsere Jugendstrategie noch besser zu machen. 

Die JugendPolitikTage finden vom 5. bis 7. Mai 2017 in Berlin statt. Sie sind ein Projekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und werden gemeinsam mit der Jugendpresse Deutschland e.V. organisiert. 450 Jugendliche aus ganz Deutschland werden dabei mit jugendpolitischen Expertinnen und Experten über den 15. Kinder- und Jugendbericht diskutieren, der Anfang 2017 unter dem Titel „Zwischen Freiräumen, Familie, Ganztagsschule und virtuellen Welten – Persönlichkeitsentwicklung und Bildungsanspruch im Jugendalter“ vorgelegt wird. Weitere Informationen unter jugendpresse.de/jugendpolitiktage-2017 

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