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Kinder im Rampenlicht: Castingshows begleiten

Bei der Castingshow „The Voice Kids“ werden Kinder zu Stars. Die Jury ist fair, doch müssen die Jüngsten auch hier der Inszenierung gewachsen sein und mit öffentlicher Enttäuschung umgehen können.

©sat.1
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Schön sein wie die Models und singen können wie die Stars - den Wunsch dazu wecken nicht zuletzt Casting- und Reality-Shows im Fernsehen. Ein gerade bei Kindern beliebter Ableger startet in diesen Tagen auf SAT.1: Die Gesangstalentshow "The Voice Kids" (ab 5.2.) bringt Kinder von acht bis 14 Jahren auf die Bühne und macht sie zu vermeintlichen Stars.

Mitfiebern und Mitfühlen

Im Gegensatz zu den Erwachsenen-Castingshows schafft die Sendung durch junge Talente gerade für Kinder bessere Identifikationsfiguren zum Mitfiebern und Mitfühlen. Am Ende zählt die Stimme der Nachwuchskünstler, denn die Jury sitzt mit dem Rücken zu den Kandidaten und kann sie erst nach der Entscheidung sehen. Wohltuend ist auch die Tatsache, dass niemand Spott oder gemeine Bemerkungen befürchten muss, auch wenn etwas mal nicht so gut klappt.

Jedoch nährt auch "The Voice Kids" den Traum vieler Mädchen und Jungen, beliebt, berühmt und erfolgreich zu sein. Kinder möchten von anderen Bestätigung erfahren, was in der digitalen Feedback-Kultur zunehmend zu beobachten ist.

Was Kinder zudem meistens nicht mitbedenken: Als vermeintliches Talent im Studio zu stehen, ist auch mit enormen Druck und möglichen Enttäuschungen verbunden. Zwar pflegen "The Voice Kids" wie auch sein Erwachsenen-Ableger "The Voice of Germany" einen im Vergleich zu anderen Castingshows eher fairen Umgang mit den Kandidaten, dennoch kann die große öffentliche Aufmerksamkeit junge Teilnehmende gerade angesichts ihres Alters überfordern. Flimmo, die TV-Programmberatung für Eltern empfiehlt "The Voice Kids" daher eher für ältere Kinder zwischen 11 und 13 Jahren.

Inszenierungen spielerisch erklären

Vor allem jüngere Kinder vor dem Bildschirm können den suggerierten Traum vom schnellen Ruhm als realistische Perspektive missverstehen und nehmen Jurymitglieder oder Kandidaten unreflektiert als Vorbilder wahr. Älteren ist es eher möglich, eine kritische Haltung einzunehmen. Deshalb empfiehlt sich das Sehen solcher Formate erst ab etwa zwölf Jahren, wenn viele diese Kompetenz bereits entwickelt haben. Dabei empfiehlt es sich, dass Eltern sie zumindest anfangs begleiten, wichtige Aspekte herausgreifen und mit ihrem Kind diskutieren.

Hilfreich ist etwa ein kleines Ratespiel, welche Rolle den Kandidaten zugeschrieben wird, oder das Erkennen von Gestaltungsmitteln wie dramatische Musik und Aufnahmen begeisterter Fans, um die Emotionen bei den Zuschauern anzuheizen. Dies alles sind Gesprächsanlässe, um sich über die Ziele einer Sendung und die darin vermittelten Botschaften zu unterhalten. Dabei geht es weniger darum, Heranwachsenden den Spaß am Schauen solcher Sendungen zu verderben. Vielmehr ist es wichtig, bei ihnen eine kritische Sichtweise zu fördern, damit sie einen kompetenten Umgang mit medialen Inszenierungen sowie den eigenen Wünschen und Rollenvorstellungen entwickeln.

Werbung bewusst machen

Darüber hinaus können Eltern mit ihrem Kind darüber sprechen, wie diese Sendungen auch über das Fernsehen hinaus vermarktet werden. Dazu gehören etwa die aktive Bewerbung und Begleitung im Internet durch Backstageberichte, Ausschnitte, Bildergalerien, Interviews und Chats oder Fanseiten in sozialen Netzwerken. Diese Dialogangebote dienen oft dazu, dass sich die Zuschauer persönlich mit den Kandidaten identifizieren und ihren Favoriten auch aktiv in der Zuschauerabstimmung über kostenpflichtige SMS oder Anrufe unterstützen.

Kreativität fördern

Castingshows können bei zuschauenden Kindern und Jugendlichen die Lust zu wecken, selbst Musik zu machen, zu tanzen oder sich zu schminken und so eigene Talente zu entdecken oder auszubauen. Das kann eine Bereicherung sein, viel Spaß machen und das Selbstbewusstsein stärken. Möchten ihre Kinder zeigen, was in ihnen steckt, können Eltern ihre Kinder bei einer Gesangs- oder Theatergruppe vor Ort anmelden oder einen Wettbewerb im eigenen Kreis nachstellen.

Weitere Tipps und Meinungen finden Sie in unserem Schwerpunkt zu Castingshows. Eine Alternative zu kommerziellen Angeboten ist die Sendung "Dein Song" im Kinderkanal.

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