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"Lese-Apps erleichtern das Kopf-Kino"

Digitale Formate können den Zugang zum Lesen erleichtern. Wichtig ist, dass die Formate zum Alter passen, interaktiv sind und die Geräte gesichert, so Dr. Sigrid Fahrer, Leiterin Entwicklungsbereich „Digitales Lesen“, des Kooperationspartners Stiftung Lesen.

Stiftung Lesen

Kinderbuch-Apps und E-books liegen im Trend. Wo liegen die besonders prägnanten Unterschiede zum analogen Lesen?

Die digitalen Leseformate wecken natürlich die Neugier. Da man einem E-Book nicht gleich seine Seitenstärke ansieht, trauen sich in der Tat auch die „Wenigleser“ mal an umfangreichere Inhalte. Bei vielen digitalen Leseangeboten können Schriftgröße und Informationsmenge an das eigene Leseniveau angepasst werden, was natürlich dem Textverständnis zu Gute kommt. Und sie motivieren nachweislich besonders die Väter, ihren Kindern mehr vorzulesen und als männliche Lese-Vorbilder in Erscheinung zu treten.

Digitale Leseformate motivieren nachweislich besonders die Väter, ihren Kindern mehr vorzulesen.

Welche Vorteile gibt es etwa im Hinblick auf Interaktion und leseferne Kinder?

Die Vorteile von Geschichten-Apps gegenüber gedruckten Büchern liegen natürlich in den interaktiven und multimedialen Elementen wie kleinen Animationen, Mini-Spielen, der integrierten Vorlesestimme oder den Aufnahmemöglichkeiten. Sie sind besonders für Kinder hilfreich, die Schwierigkeiten haben das Gelesene in Gedankenbilder umzusetzen.

Die Geräusche oder Filmsequenzen setzen bei den ungeübten Lesern leichter das „Kopf-Kino“ in Gang setzen und ermöglichen so, in die Erzählung einzutauchen. Allerdings nur, wenn diese Elemente sinnvoll mit der Geschichte verbunden sind, die Kinder z. B. der Hauptfigur bei ihrem Abenteuer helfen können. Bleiben die interaktiven Features bloßes Ornament, lenken sie die Kinder eher von der Geschichte ab. Eltern sollten interaktive E-Books und -Apps vor dem gemeinsamen Betrachten auf diesen Aspekt hin genauer unter die Lupe nehmen.

Geräusche oder Filmsequenzen setzen bei den ungeübten Lesern leichter das 'Kopf-Kino' in Gang.

Welche Formate sind besonders für Kleinkinder, Vor- und Grundschulkinder sowie Jugendliche geeignet?

Für Kleinkinder gibt es schöne Kinderbuch-Apps, die gemeinsam mit den Eltern entdeckt werden sollten, etwa „Die Schnecke Milli“ (Mixedvision digital). Eltern nutzen diese Angebote besonders gerne auf Reisen, oder um Wartesituationen zu überbücken. Vor- und Grundschulkinder sind besonders von interaktiven Geschichten-Apps begeistert, die Lesen und Gaming verbinden. Das gibt es sogar für Märchen wie „Aschenputtel“ (Carlsen), die so in einem neuen Licht gezeigt werden. Sie machen Spaß und motivieren, in Geschichtenwelten einzutauchen.

Für Jugendliche gibt es spannende Formate, die ihre Medienwelt aufgreifen z. B. den Chatroman „One Button Travel“ (TheCodingMonkeys). Zudem ist es wichtig Jugendlichen ins Gedächtnis zu rufen, dass sie tagtäglich die digitalen Medien zum Lesen nutzen. Denn das Lesen im Internet und in den sozialen Medien ist auch Lesen. Mit diesem Wissen können sich Jugendliche als Teil der Lesekultur wahrnehmen, was ihr Selbstbewusstsein in Bezug auf das Lesen stärkt.

Das Lesen im Internet und in den sozialen Medien ist auch Lesen.

Wie finden Eltern das passende Angebot?

Bei der Auswahl geeigneter Produkte würden wir Eltern empfehlen, besonders auf den Kindermedienschutz zu achten: Gibt es Werbung in der App? Oder sogar ungeschützte Links zu Onlinestores oder Social-Media-Kanälen? Ist das der Fall, sollten Sicherheitsvorkehrungen am Gerät vorgenommen werden. Auch die Altersangaben der Apps sind oftmals nur Richtwerte. Eltern kennen ihr Kind am besten und wissen, was geeignet ist. Deshalb raten wir Eltern sich erst einmal selbst ein Bild vom Angebot zu machen, bevor sie dieses an ihre Kinder weitergeben. Lesetipps der Stiftung Lesen für Kinderbuch-Apps und Co. können Eltern auch auf unserer Seite digitale-lesewelten.de finden.

Sie erproben im Moment, wie Virtual Reality für die Leseförderung genutzt werden kann. Wie gehen Sie dabei vor?

VR-Reality-Anwendungen wie Google Expeditions üben eine große Faszination auf Kinder und Jugendlich aus. Dieses Interesse wollen wir für die Leseförderung nutzen. Google Expeditions sind sphärische Fotos von Sehenswürdigkeiten, Naturphänomenen und Ausstellungsräumen, die mit einer VR-Brille betrachtet werden können. Die Kombination aus Cardboard und einsetzbarem Smartphone macht Räume aus einer Kugelperspektive sicht- und erlebbar.

Ganze Klassen können so an Orte reisen, die sie nicht oder nur schwer erreichen können: den Mond, das Frankfurter Senckenberg-Museum, den menschlichen Körper, fremde Planeten oder vergangene Epochen. In unseren Begleitmaterialien werden wir Szenarien entwickeln, die eine Brücke zur Nutzung von Lesemedien schlagen. Denn über die Begeisterung für virtuelle Realitäten wird der Forschergeist der Schülerinnen und Schüler angeregt. Zudem werden wir eng mit den Bibliotheken kooperieren und die Expeditions auch dort zugänglich machen.

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