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Medien machen brav

Wenn Jugendliche bei Facebook abhängen, sind sie weniger kriminell. Das vermuten Forscher aus Dänemark und unterstreichen den „beruhigenden“ Effekt der sozialen Medien.

© carballo / Fotolia
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Wenn es darum geht, wie sich digitale Medien auf Jugendliche ausüben, ist die öffentliche Meinung oft einhellig: Surfen macht dumm und aggresiv.

Experten in Dänemark führen nun ein anderes Argument ins Feld. Angesichts einer historisch niedrigen Kriminalitätsrate im Jahr 2016 behauptet der dänische Rat zur Kriminalitätsvorbeugung DKR dort: Das Internet beruhigt die Jugendlichen und macht sie weniger kriminell. Statt wie früher vor Einkaufszentren zu lungern und Mist zu bauen, sitzen viele Jugendlichen in ihrer Freizeit lieber zuhause vor den Bildschirmen, so die dänischen Experten. „Die Veränderung des Lebensstils, die im Umzug des Jugendlebens von der Straße in den Cyberspace liegt, ist die größte Ursache [beim Rückgang der Deliktrate]“, sagt DRK-Kriminologe Flemming Balvig.

In der Studie untersuchten die Forscher das Verhalten der Jugendlichen im Alter von 14- und 15 Jahren. Für die Senkung der Kriminalzahlen sei neben der Digitalisierung des Alltags auch die engere Beziehung zu den Eltern oder der verschärfte Druck auf dem Karrieremarkt verantwortlich.

Wunsch nach Entschleunigung und Kontrolle

Dass die Jugendlichen heute von Provokation eher wenig halten, ist auch Ergebnis der aktuellen Sinus-Studie. Provokante Subkulturen gebe es heute kaum mehr, fassen die Autoren der Studie dort zusammen: "Eine Mehrheit der Jugendlichen ist sich einig, dass gerade in der heutigen Zeit ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten muss, weil nur er das 'gute Leben', das man in diesem Land hat, garantieren kann."

Gleichzeitig beklagen Jugendliche den Wunsch nach Entschleunigung und Kontrolle im digitalen Alltag.  Die bislang als jugendtypisch eingeordnete, bedingungslose Faszination ist geschwunden. Jugendliche kennen die Risiken (z.B. Überwachung, unkontrollierte Datennutzung) und möchten digitale Medien nicht nur nutzen, sondern auch verstehen. Deshalb wünschen sie sich von der Schule weniger gefahren-zentrierten Unterricht und mehr Hilfestellungen, wie sie sich sicher und trotzdem frei im Netz bewegen können.

Konflikte mit den Eltern gibt es in puncto Mediennutzung kaum mehr, denn auch die hängen dauernd am Smartphone. Dass Offline-Kontakte unter der massiven Smartphone-Nutzung leiden, beklagen auch die Jugendlichen.

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