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Medienkompetenz der Eltern beeinflusst ihre Medienerziehung

Ein Großteil der drei- bis achtjährigen Kinder surft bereits regelmäßig im Internet. Wie Eltern sie dabei begleiten hängt besonders von ihrer eigenen Medienkompetenz ab. Das belegt die Studie "Kinder in der digitalen Welt". Wir stellen die Ergebnisse kurz vor und bieten Tipps zum Thema.

© OJO Images / Getty Images

Die Digitalisierung des Alltags ist in den Familien und damit auch bereits bei kleinen Kindern angekommen – fast alle von ihnen wachsen heute umgeben von digitalen Medien auf. Ab wann und wie sie das tun, zeigt die U9-Studie, die Bundesfamilienministerin Schwesig mit dem Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) und dem Sinus-Institut vorgestellt hat. Im Fokus stehen dabei Kinder zwischen drei und acht Jahren. Die Wissenschaftler befragten dazu 1.800 Eltern und Erziehende von Drei- bis Achtjährigen sowie 1.000 Kinder in diesem Alter.

Die Wissenschaftler befragten dazu gut 1800 Eltern von Drei- bis Sechsjährigen sowie gut 1000 Sechs- bis Achtjährige.

Studie zum Internetverhalten von Kindern: Dreikäsehoch und gut vernetzt | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/national/dreikaesehoch-und-gut-vernetzt-article1663206.html

Die Wissenschaftler befragten dazu gut 1800 Eltern von Drei- bis Sechsjährigen sowie gut 1000 Sechs- bis Achtjährige.

Studie zum Internetverhalten von Kindern: Dreikäsehoch und gut vernetzt | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/national/dreikaesehoch-und-gut-vernetzt-article1663206.html, Erzieher und Lehrer, aber auch die Kinder selbst.

Schwesig: Medienkompetenz der Familien fördern

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Medienkompetenz der Eltern und ihre Einstellung zu digitlane Medien großen Einfluss auf ihre Medienerziehung haben. "Wir müssen die Medienkompetenz der Familien fördern, damit Bildungs- und Teilhabechancen allen Kindern und Jugendlichen gleichermaßen offen stehen", forderte dazu Ministerin Schwesig, die auch auf Beratungsangebote wie SCHAU HIN! verwies.

Eltern leben in unterschiedlichen digitalen Welten

Die Studie identifiziert sieben Typen, was den Umgang mit dem Internet betrifft:

  • Digital Souveräne (26 %)
    Ein frühes Erlernen des Umgangs mit digitalen Medien ist aus ihrer Sicht unumgänglich und Grundvoraussetzung für die Zukunft und die Teilhabechancen ihrer Kinder. Viele Eltern
    sehen die Zukunft ihrer Kinder gänzlich digitalisiert und gehen davon aus, dass der Umgang mit digitalen Medien schon bald so selbstverständlich dazugehören wird „wie das Zähneputzen“.

  • Effizienzorientierte Performer (19 %)
    Leistungs- und Effizienzsteigerung sind aus Sicht der Eltern die dominanten Chancen und Vorteile
    digitaler Medien und des Internets für Kinder. Eine kompetente Nutzung des umfassenden Informationsangebots im Netz verspricht sowohl ein „schnelleres Lernen“ als auch Zeitersparnis.

  • Unbekümmerte Hedonisten (18 %)
    Das Internet dient vor allem Unterhaltungszwecken; Insbesondere actionorientierte Unterhaltungs- und Spielangebote stehen hoch im Kurs. Die Medienausstattung der Kinder ist umfassend. Eltern vertrauen relativ sorglos darauf, dass ihren Kindern im Netz nichts passiert und sie nur kindgerechte Seiten besuchen. Konkrete Sicherheitsvorkehrungen treffen sie vergleichsweise selten.

  • Postmaterielle Skeptiker (13 %)
    Sie nutzen das Internet sehr selektiv und beurteilen dementsprechend auch die Chancen. Das Internet sei praktisch, um schnell auf spezifisches Wissen zugreifen zu können. Dennoch weisen sie darauf hin, dass die vorgefundenen Informationen „nicht nur konsumiert“, sondern auch kritisch hinterfragt und abgewogen werden müssten.

  • Verantwortungsbedachte Etablierte (9 %)
    Aus ihrer Sicht überwiegen die Risiken digitaler Medien für Kinder im Vergleich zu den Chancen und Vorteilen. Ihrer Meinung nach sind Kinder nicht in der Lage, das umfassende Informationsangebot des Internets sinnvoll und nutzbringend einzusetzen. Sie würden stattdessen Gefahr laufen, über unpassende Inhalte zu stolpern oder im Netz zu viel von sich preiszugeben.

  • Ordnungsfordernde Internet-Laien (6 %)
    Das Netz bedeutet für die Eltern ein unüberschaubares Feld mit vielen Unwägbarkeiten, mit
    dem sie sich oftmals „nicht mehr als nötig“ auseinandersetzen wollen. Sie informieren sich deutlich seltener als der Durchschnitt der Eltern über geeignete Medieninhalte für ihre Kinder und führen wesentlich seltener Gespräche mit ihren Kindern über die Vor- und Nachteile des Internet.

  • Internetferne Verunsicherte
    Sie fühlen sich im Gefüge der modernen Gesellschaft an den Rand gedrängt und neigen hinsichtlich digitaler Medien dazu, die Vergangenheit romantisch zu verklären. Sie sehen sowohl für sich persönlich als auch für ihre Kinder so gut wie keine Vorteile in digitalen Medien, sind sehr distanziert und immens verunsichert, was diese betrifft.

Der Onlinetest für Eltern von SCHAU HIN! möchte bei Erziehenden das Bewusstsein dafür stärken, wie sie Medien selbst nutzen und bietet dazu passende Tipps, wie sie ihr Kind durch die Medienwelt begleiten können. Denn: Eltern sind Vorbilder, auch bei der Medienerziehung.

Achtjährige meist online

Das Internet erlangt schon bei kleinen Kindern eine relevante Alltagsbedeutung. Bereits die Kleinsten sind gelegentlich online; die Internetnutzung intensiviert sich fortan rasch.

  • Mehr als die Hälfte der 8-Jährigen (55 Prozent) ist bereits online. Von den 6-Jährigen geht fast ein Drittel ins Internet, und bei den 3-Jährigen ist es schon jedes zehnte Kind.
  • Auch Kinder ohne Lese- und Schreibfähigkeit können zum Teil – über das Erkennen von Symbolen – eigenständig eine Internetseite aufrufen.
  • Mit dem Schuleintritt wird der Computer bzw. Laptop im Medienalltag von Kindern wichtiger und löst die Spielekonsole als meistgenutztes Endgerät ab.
  • 6- bis 8-jährige Mädchen und Jungen sind gleichermaßen interessiert an digitalen Medien und dem Internet – abgesehen von der Spielekonsole, die bei Jungen deutlich beliebter ist. Zudem gibt es keine Geschlechterunterschiede bei der Selbsteinschätzung, wie gut man sich mit dem Internet auskennt. Interessenunterschiede zeigen sich mit Blick auf die genutzten Inhalte im Netz: Jungen spielen eher Games, Mädchen recherchieren häufiger Informationen.

Einstellung entscheidender als Ausstattung

Die digitale Ausstattung von Kindern und ihre technischen Zugangsmöglichkeiten zu digitalen Medien und dem Internet sind – trotz enormer Einkommensunterschiede der Eltern – keine Frage des Geldbeutels.

  • Kinder haben nahezu vergleichbare Möglichkeiten, auf Spielekonsolen, Smartphones und Computer bzw. Laptops zuzugreifen. Ob sie die Geräte besitzen und nutzen, hängt weniger vom Einkommen ihrer Eltern als deren Einstellung zu digitalen Medien ab.
  • Während 53 Prozent der 6- bis 8-Jährigen aus dem sehr internetaffinen Milieu der Digital Souveränen ins Internet gehen, sind es bei den Kindern der vorsichtigen und selektiven Internetnutzer der Verantwortungsbedachten Etablierten 36 Prozent und bei denen aus dem Milieu der Internetfernen Verunsicherten nur 20 Prozent.
  • Je selbstverständlicher Eltern online sind und digitale Medien nutzen, desto mehr Selbstsicherheit zeigen ihre Kinder im Umgang damit und geben an, sich gut im Internet auszukennen.

Bildung der Eltern beeinflusst Mediennutzung der Kinder

Wie Kinder mit digitalen Medien konkret umgehen und was sie im Internet machen,
unterscheidet sich vor allem entlang der formalen Bildungsgrade der Eltern.

  • Kinder von Eltern mit geringer formaler Bildung haben im Kontext Spiele einen stärkeren Unterhaltungsfokus und nutzen das Internet deutlich seltener für Informationssuche und Lernzwecke als Kinder von Eltern mit formal höherer Bildung.
  • Je geringer die formale Bildung der Eltern, desto weniger engagiert sind sie, ihre Kinder in die digitale Welt aktiv zu begleiten; sie sind vielmehr der Meinung, man bräuchte Kinder beim Erlernen des Umgangs mit digitalen Medien nicht anzuleiten, da sie dies von allein lernen würden.

Mehrheit sieht Chancen, doch Risiken überwiegen

Die deutliche Mehrheit der Eltern (65 Prozent) sieht Chancen digitaler Medien und des Internets für ihre Kinder, insbesondere wenn es um die Sicherstellung ihrer sozialen Teilhabe geht. Doch überweigen die Risiken des Internets aus Sicht der Eltern die wahrgenommenen Chancen. Zwei Drittel der Eltern 3- bis 8-Jähriger verbieten ihren Kindern, ins Internet zu gehen.

  • Als Chancen digitaler Medien für Kinder werden vor allem das umfangreiche Informationsangebot des Internets und die Motivationsleistung von Lernspielen und Lernprogrammen gesehen.
  • 58 Prozent der Eltern sind zudem der Meinung, dass Computerspiele die Konzentrationsfähigkeit und motorischen Fähigkeiten von Kindern verbessern können.
  • Nicht kindgerechte Inhalte und der mögliche Kontakt zu unbekannten Personen sowie Mobbing sind aus Elternsicht die größten Risiken des Internets für Kinder.
  • Der Schutz der Privatsphäre ist aus Elternsicht ein relevantes Risikofeld. Eltern befürchten, dass ihre Kinder im Internet zu viel von sich preisgeben.

Sicherheit immer wichtiger, Lücken bleiben

Die Sicherheit im Internet spielt aus Elternsicht mit steigendem Alter der Kinder eine immer wichtigere Rolle. Die Anwendung konkreter Sicherheitsmaßnahmen steigt jedoch nicht proportional dazu an.

  • Mit 57 Prozent sind Gespräche mit Kindern über Informationen, die persönlich sind und daher nicht ins Netz gehören, die am häufigsten ergriffene Maßnahme. Etwas mehr als die Hälfte der Eltern hat Kinder- und Jugendschutzprogramme auf ihren Computern/Laptops installiert.
  • Je ausgeprägter ihre subjektive Netzkompetenz, desto mehr Sicherheitsmaßnahmen ergreifen Eltern.
  • Trotz intensiverer Nutzung des Internets und einer zunehmenden Bedeutung von Sicherheitsfragen nimmt der Informationsbedarf der Eltern mit steigendem Alter ihrer Kinder nicht zu.

Eltern sehen sich als Hauptverantwortliche

Zwar sehen sich Eltern in der Hauptverantwortung, wenn es darum geht, ihren Kindern einen kompetenten Umgang mit dem Internet zu vermitteln. Dennoch zeigen sie Unsicherheiten bei konkreten Herausforderungen und Erziehungsentscheidungen im digitalisierten Familienalltag.

  • Ausgerechnet für die Fähigkeiten, die Eltern als besonders wichtig für den sicheren Umgang ihrer Kinder mit dem Internet einstufen, schreiben sie sich selbst geringe Kompetenzen zu. So ist die Fähigkeit, gewalthaltigen und/oder pornografischen Seiten ausweichen zu können, für sie von enormer Bedeutung. Gleichzeitig sagt ein Drittel der Eltern, dass es vorkommt, dass ihre Kinder auf solche Inhalte im Internet treffen und durch diese eingeschüchtert werden.
  • Je ausgeprägter die Risikowahrnehmung der Eltern, desto häufiger findet ein Online-Verbot statt. Die Unsicherheiten der Eltern führen vielfach nicht zu verstärkter Informationssuche nach geeigneten Sicherheitsmaßnahmen, sondern zu einer restriktiven Haltung.

Weitere Informationen

Interessierte finden hier die Studie und bei SCHAU HIN! Tipps zum sicheren Surfen, eine Checkliste für Kinderseiten, gute Kinderseiten im Überblick, Kindersuchmaschinen im Internet, Informationsseiten für Kinder, aber auch Informationen zu Downloads und Streaming sowie Pornografie im Netz.

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