1. Home
  2. News
  3. Mobbing an Schulen: Was Eltern und Schulen tun können
Vermischtes

Mobbing an Schulen: Was Eltern und Schulen tun können

Nach neuen Untersuchungen der PISA-Studie wird in Deutschland jeder sechste Schüler gemobbt. Jeder zehnte ist Opfer von Lästereien, die sich oft im Netz fortsetzen. Die Untersuchungen zeigen aber auch, dass Eltern Kinder vor Mobbing schützten können.

©fotolia/highwaystarz
©fotolia/highwaystarz

Mobbing, auch im Zuge neuer Medien und dem so genannten Cybermobbing, ist sicherlich nicht neu. Was die OECD-Forscher in der erweiterten PISA-Befragung von 2015 herausgefunden haben, sorgt dennoch für Aufsehen: Jeder sechste 15-Jährige (15,7 Prozent) wird mehrmals im Monat Opfer von Mobbing, jeder zehnte erleidet Häme und Spott sowie wird ausgegrenzt. Über jeden Zwölften (7,7 Prozent) verbreiten Mitschüler falsche Gerüchte und Tuscheleien.

"Mobbing müssen wir in Deutschland viel stärker thematisieren, weil es hier oft noch an den Rand gedrängt wird", sagte OECD-Direktor Andreas Schleicher laut Tagesschau.de. "Da hilft nur eine Null-Toleranz-Praxis, um deutlich zu machen, dass so etwas nicht akzeptiert wird." Man dürfe Schulpsychologen und Sozialarbeiter nicht allein lassen mit dem Thema.

Mobbing und Cybermobbing hängen meist zusammen

Hänseleien, falsche Gerüchte und Beleidigungen treten laut dem Bericht auch als Cybermobbing zunehmend auf und sind besonders bei Schülern der Sekundarstufe weit verbreitet. Oft werden über soziale Netzwerke, Videoportale oder per Messenger beispielsweise peinliches Bildmaterial und Gerüchte verbreitet oder Fake-Profile angelegt. Beiträge werden beleidigend kommentiert, über private Kommunikationswege erhalten Opfer Beleidigungen und Bedrohungen. Auch das bewusste Ausschließen etwa aus WhatsApp-Gruppen einer Schulklasse kann unter Cybermobbing verstanden werden.

Eine Studie der TU Berlin zeigt, dass Online- und Offline-Verhalten oft eng miteinander verbunden sind: Die sozialen Erfahrungen im Schulalltag und die Aktivitäten der Jugendlichen im Internet sind häufig nicht voneinander zu trennen, sondern wirken sich aufeinander aus (z.B. die ganze Klasse lacht über einen Schüler, der auf einem peinlichen Video im Internet zu sehen ist). Cyber-Mobbing und Schulhof-Mobbing ergänzen sich also wechselseitig.

Laut JIM-Studie 2016 kennt jeder Dritte (34 %) der Zwölf- bis 19-Jährigen jemanden, der im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde, Mädchen (37 %) häufiger als Jungen (31 %). Acht Prozent waren selbst schon einmal von Mobbing betroffen. 59 Prozent würden sich in einem solchen Fall an ihre Eltern wenden.

Gemeinsame Haltung von Eltern und Schule hilft

Die PISA-Untersuchungen zeigen auch, wie sich die Unterstützung der Eltern auf die Kinder auswirkt. Kindern zuhören, sie loben, ihnen Vertrauen und Respekt entgegen bringen, sei für Mobbing-Opfer besonders wichtig und verringere den Stress sowie den Schmerz, den Kinder durch andere erleiden. Im Gegensatz dazu, werden Kinder, die zu Hause harsche Kritik zu hören bekommen oder gar misshandelt werden, überwiegend oft Mobbingopfer auch in der Schule.

Die Zahl der Kinder, die gemobbt werden und denen Eltern nicht in der Schule helfen, ist im OECD-Durchschnitt doppelt so hoch (18 Prozent) wie die Zahl derer, die von ihren Eltern unterstützt werden. Anders gesagt: Wenn Eltern ihren Kinder in der Schule helfen, werden diese seltener ausgegrenzt, ausgelacht, herumgeschupst oder misshandelt.

Das Problem sei, so die OECD, dass viele Eltern vom Mobbing ihrer Kinder nichts wissen. Die Kinder trauen sich auch oft nicht, mit ihren Eltern oder anderen darüber zu sprechen. Notwendig seien deshalb Vorsorgemaßnahmen zwischen Eltern und der Schule. „Eine offene Kommunikation mit Lehrern kann Eltern helfen, mit dem Problem bewusster umzugehen und zu handeln“, schreiben die Experten.

Was Eltern tun können

In Bezug auf Cybermobbing ist es wichtig, dass Eltern sich darüber informieren, aufmerksam sind und Verhaltensregeln im Netz mit ihrem Kind besprechen. Es geht darum deutlich zu machen, welche Folgen Cybermobbing haben kann und dass Kinder und Jugendliche sensibilisiert werden, sich für andere einsetzen. Eine gemeinsame Haltung gegen Mobbing hilft.

Ist ihr Kind von Cybermobbing betroffen, ist es wichtig, dass Eltern ihr Anliegen ernst nehmen und nachhaken, um die Gruppendynamiken zu verstehen. Doch ist ein pauschales Handy- und Internetverbot nicht sinnvoll. Hilfreich ist eher, den Vorfall mit den Eltern der Beteiligten zu besprechen, sofern diese bekannt sind, oder in der Schule des Kindes zu thematisieren. Falls Eltern konkrete Schritte unternehmen wollen, besprechen sie diese mit dem Kind und beziehen es in ihre Lösungsversuche ein.

Ist ihr Kind selbst am Cybermobbing beteiligt, sollten Eltern versuchen die Gründe zu ermitteln. Ursachen können Unzufriedenheit oder die Suche nach Anerkennung sein. Wichtig ist, dabei die rechtliche Lage sowie die Situation des Opfers zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie unangenehm diese Rolle ist sowie alternative Konfliktlösungen zu nennen. Stellt das Kind auch nach Aufforderung der Eltern das Mobbing nicht ein, können Eltern Sanktionen aussprechen, wie etwa eine Surf- oder Chatpause.

6 Tipps gegen Cybermobbing

Eltern können ihrem Kind fünf Punkte zum sicheren Chatten und Umgang mit Störern vermitteln:

  • Respektvoll sein. Auch online respektvoll sein und Streitigkeiten lieber persönlich sprechen.
  • Persönliches schützen. Private Daten und Fotos für sich behalten, gerade weil diese auch gegen einen verwendet werden können.
  • Nicht zurück beleidigen. So vermeidet man weitere Eskalationen.
  • Störer ignorieren und blockieren. So ist man ihren Attacken nicht mehr direkt ausgesetzt.
  • Sich mitteilen. Schwere Beleidigungen den Eltern mitteilen, die sich an den Betreibern, einen Anwalt oder die Polizei wenden können. Wenn der Kummer nicht mit den Eltern besprochen werden kann, helfen Beratungsstellen.
  • Betroffene unterstützen. Sich nicht an Mobbing beteiligen und Solidarität zeigen.

Zur PISA-Studie über Lernumfeld und Lernverhalten wurden gut eine halbe Million Schüler weltweit befragt, darunter 10.000 in Deutschland.

Veröffentlicht am