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"Pseudonyme sind gute Datensparer“

Gespräch mit Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, zum Thema Datenschutz im Netz, digitale Spuren und welche Tipps Eltern ihren Kindern im Umgang mit persönlichen Daten im Netz geben sollten.

SCHAU HIN!: Welche gesetzlichen Fragen kommen beim Datenschutz im Internet zum Tragen?

Peter Schaar: Nun, gesetzliche Fragen sind sicherlich nicht das Erste, was Nutzern in den Sinn kommt, wenn sie an die Möglichkeiten des Internets denken. Aber es stimmt, auch für das Internet gibt es Spielregeln. Die wichtigste davon lautet: Nutzer sollen grundsätzlich selber bestimmen, was mit ihren Daten im Netz passiert - aber leider halten sich manche Anbieter nicht daran.

SCHAU HIN!: Wo hinterlassen Nutzer im Internet Spuren und wie können sie damit sparsam umgehen?

Peter Schaar: Internetnutzer hinterlassen viele Spuren. Die meisten meiner Spuren erkenne ich aber selbst gar nicht, weil ich sie nicht lesen kann. Das wird zu einem Problem, wenn andere, etwa Unternehmen oder Hacker, mein Nutzungsverhalten auswerten. Deshalb sollten sich Internetnutzer die Privatsphäreeinstellungen des Browsers genau anschauen. Vielfach macht es Sinn, den 'privaten Modus' zu aktivieren. Dann hinterlässt man viel weniger Spuren, aber 100-prozentig sicher sein kann man auch dann nicht. Jeder sollte außerdem vorsichtig sein, welche Daten er bei sozialen Netzwerken und anderen Internetdiensten angibt. Es muss ja nicht immer der richtige Name und das genaue Geburtsdatum sein. Pseudonyme sind gute Datensparer.

SCHAU HIN!: Wo sollten Internetnutzer besonders achtsam sein, damit persönliche Daten nicht missbraucht werden?

Peter Schaar: Besondere Vorsicht ist angebracht bei sensiblen Informationen, etwa über die Gesundheit. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Geräte gegen Datenmissbrauch gesichert sind. Dazu gehören neben einer Firewall, einem Anti-Viren-Programm auch regelmäßige Systemupdates. Außerdem sollte man auf einen sorgfältigen Umgang mit Benutzernamen und Kennwörtern achten. '123456' oder 'Kennwort' sind keine guten Passwörter. Hier sollte man sich etwas Mühe geben. Kennwörter sollten mindestens acht Zeichen lang sein sowie Ziffern und Sonderzeichen enthalten. Und man sollte für verschiedene Dienste unterschiedliche Kennwörter verwenden.

SCHAU HIN!: Wie können Nutzer im Falle eines Datenmissbrauchs aktiv werden?

Peter Schaar: Um im Bild der Spuren zu bleiben: Vielleicht tut ein fremder Spurenleser auf einmal so, als wäre er ich, stiehlt also meine Identität. Identitätsdiebstahl kann mich ganz real schädigen, etwa wenn mein Bankkonto leer geräumt wird. Deshalb muss man beispielsweise sehr genau auf Abbuchungen vom Konto achten. Außerdem sollte man bei Verdacht auf Identitätsdiebstahl unbedingt die betreffenden Passwörter ändern. Manchmal wird nichts anderes übrig bleiben, als sich an die Diensteanbieter zu wenden. Sie können bestimmte Accounts stilllegen, wenn einem der Dieb den Zugang zum eigenen Account versperrt hat.

SCHAU HIN!: Welche Tipps sollten Eltern ihren Kindern weitergegeben?

Peter Schaar: Eltern sollten ihre Kinder auf ihren ersten Schritten im Internet begleiten und mit ihnen sprechen. Gemeinsam sollte geklärt werden, welche Seiten vertrauenswürdig sind. Ein Zeichen für vertrauenswürdige Seiten ist etwa das 'https' in der Adresszeile. In einem zweiten Schritt sollte besprochen werden, was Kinder im Internet angeben dürfen und was man lieber nicht einträgt. Die Phantasie der Kinder kann hier auch als Schutz genutzt werden: Surfen als 'Pilot Jonas' oder 'Fee 2000' ist vielleicht viel aufregender als unter dem echten Namen.

Der diplomierte Volkswirt Peter Schaar ist Gründer eines Datenschutzberatungsunternehmens, Autor des Buchs "Das Ende der Privatsphäre", Lehrbeauftragter der Universität Hamburg sowie Bundesbeauftragter für den Datenschutz und für die Informationsfreiheit: www.bfdi.bund.de.

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