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SCHAU HIN! Interview: Internetprävention

SCHAU HIN! im Gespräch mit Petra Kain vom Polizeipräsidium Westhessen: Worüber sich Eltern in Bezug auf die Mediennutzung ihrer Kinder am meisten Sorgen machen, ob Kinder diese Sorgen teilen, und was Eltern tun können, um ihre Kinder zu schützen.

SCHAU HIN! Experteninterview
SCHAU HIN! Experteninterview

SCHAU HIN!: Worüber machen sich Eltern in Bezug auf die Mediennutzung ihrer Kinder am meisten Sorgen?

Petra Kain: Ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl, dass sich viele Eltern wenig Sorgen machen über die Dinge, die Kindern im Internet passieren können. Dass es gewalthaltige Darstellungen oder Pornoseiten gibt, wissen viele Eltern, setzen es aber nicht durch entsprechende Maßnahmen um, indem Sie beispielsweise Filterprogramme installieren. Auch über Cybermobbing haben viele Eltern schon etwas gehört, bewerten es aber als nicht so schwerwiegend für die Opfer, weil gemobbt wurde ja schon immer. Cybermobbing unterscheidet sich aber in einigen Punkten vom Mobbing. Cybermobbing ist rund um die Uhr möglich und das Publikum ist unüberschaubar groß, die Inhalte verbreiten sich extrem schnell – entsprechend heftig ist die Demütigung für das Opfer! Insbesondere, wenn Bilder oder Videos weiterverteilt werden. Allen Eltern und Kindern vermitteln wir immer: EINMAL im Internet – IMMER im Internet!

SCHAU HIN!: Wovor „wollen“ Kinder und Jugendliche geschützt werden?

Petra Kain: Kinder und Jugendliche wollen zwar beschützt werden. Doch das Problem liegt darin, dass sie das Internet als Chance und Freizeitgewinn, aber nicht als Problem sehen. Oft können sie einfach aufgrund ihres Alters die Gefahren nicht wahrnehmen oder nicht realistisch einschätzen. Und diese sind vielfältig. Das geht vom Cybermobbing über Anmache in Chatrooms, das ungewollte Abschließen von Abonnements, teure Urheberrechtsklagen nach der Nutzung von illegalen Musiktauschbörsen bis hin zur Computerspielsucht. Um einen vernünftigen Umgang mit diesem Medium zu Erlernen, sind deswegen interessierte und kompetente Eltern unerlässlich. Diese sollten einfach wissen, was der Nachwuchs am PC oder Smartphone so alles macht.

SCHAU HIN!: Ihr Tipp für Eltern: Wie können Eltern ihre Kinder am besten schützen?

Petra Kain: Da die Entwicklung von Computern, Internet und Smartphones rasend schnell voranschreitet, ist es natürlich sehr schwer für Eltern, mit diesem Tempo schritt zu halten. Aber um eine effektive Medienerziehung - das heißt Gespräche und Diskussionen zu Hause  -  mit seinen Kindern durchführen zu können, muss man als Eltern selbst Bescheid wissen. Um es noch einmal zu verdeutlichen: Medienkompetenz bedeutet nicht, zu wissen, wie man Internetangebote nutzt. Es geht darum, Inhalte kritisch bewerten zu können und zu wissen, wie man sich in einer kritischen Situation verhalten muss, welche Daten man als Kind lieber nicht herausgibt, was Privatsphäre und Öffentlichkeit ist oder wen man zu Hilfe rufen darf – ohne sich Sorgen bezüglich eines angedrohten Verbotes machen zu müssen. Technische Maßnahmen können beim Schutz vor Gefahren natürlich unterstützen, sie ersetzen jedoch keinesfalls die Verantwortung und die Beobachtung durch die Eltern!

SCHAU HIN!: Was raten Sie Eltern, deren Kinder bereits negative Erfahrungen mit Medien gemacht haben?

Petra Kain: Eltern, deren Kinder bereits negative Erfahrungen gemacht haben, sollten besonders intensiv mit ihren Kindern im Gespräch bleiben, ihnen vermitteln, dass sie ihre Sorgen ernst nehmen, von ihnen Unterstützung erhalten, aber alle Maßnahmen nur mit Zustimmung des Kindes umsetzen. Wenn Kinder sehen, dass ihre Eltern verlässliche und auch kompetente Ansprechpartner sind, gibt dies eine große Sicherheit. Auf keinen Fall sollten Eltern mit Verboten drohen oder arbeiten. Das hat lediglich zur Folge, dass die Kinder sich bei Gefahren oder Problemen nicht mehr an die Eltern wenden.
Information, Aufklärung über Gefahren und Verhaltensregeln – eigentlich ist es gar nicht so schwer.

Petra Kain ist Kriminalkommissarin beim Polizeipräsidium Westhessen. Die Mutter eines Sohnes ist seit neun Jahren im Bereich Prävention, insbesondere Internetprävention, tätig und leitet viele Veranstaltungen für Eltern, um diese für das Thema zu sensibilisieren.

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