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SCHAU HIN! Interview: Kinder und Nachrichten

SCHAU HIN! im Gespräch mit Boris Bauer, Redakteur bei Minitz: Warum eigene Nachrichtenformate für Kinder so wichtig sind, was Minitz so besonders macht und welche Nachrichten bei Kindern am Besten ankommen.

SCHAU HIN!: Was denken Sie, warum sind eigene Nachrichtenformate für Kinder so wichtig?

Boris Bauer: In einer Mediengesellschaft bekommen Kinder mit, was in der Welt passiert. Zum Beispiel durch Nachrichten, die Erwachsene hören und sehen. Oder sie hören, worüber sich Erwachsene unterhalten. Aber sie verstehen die Zusammenhänge oft nicht. Das kann Angst machen. Kindernachrichten nehmen Kindern diese Angst, weil sie das Weltgeschehen so erklären, dass Kinder es verstehen. Deswegen sind eigene Nachrichtenformate so wichtig. Wer Minitz schaut, kann mitreden.

SCHAU HIN!: Was ist das Besondere an Minitz?

Boris Bauer: Das Auffälligste sind sicher unsere Sprecher, die vier gezeichneten Avatare (grafischer Stellvertreter einer echten Person in der virtuellen Welt). Wir wissen aus der Medienforschung, dass Kinder solche Comicfiguren lieben. Es entsteht eine Nähe zwischen unseren Sprechern und den Kindern. So werden auch eher „trockene“ Nachrichten sympathisch vermittelt. Darüber hinaus können Kinder selbst Minitz-Reporter werden und für Minitz Nachrichten schreiben. Außerdem sind wir die einzigen deutschen Kindernachrichten in drei Medien: Minitz bekommt man über Internet, Fernsehen und Radio.

SCHAU HIN!: Was unterscheidet Minitz-Nachrichten von Nachrichten für Erwachsene?

Boris Bauer: Erstens: die Themenauswahl. Minitz erklärt auch schwierige Themen. Wir versuchen, das „Thema des Tages“ aus den Erwachsenennachrichten in die Kinderwelt zu übersetzen: die Explosion des Atomkraftwerks in Fukushima, die Finanzkrise, die Aufstände in arabischen Ländern - alles Themen, die Kinder bei Minitz erklärt bekommen.
Aber wir achten auch darauf, viele Themen aus der Kinderwelt zu erklären: Es geht um Schule, Tiere, Sport, Stars oder Verrücktes, über das man auf dem Schulhof spricht, zum Beispiel über die entlaufene Kuh Yvonne oder über die jungen neuen Stars der Fußball-Bundesliga.
Zweitens verwenden wir eine andere Sprache. Wir benutzen keine Floskeln, sondern beschreiben, was passiert ist. Unsere Filme erklären konkret, was man im Bild sieht. Die Sprache ist einfach, aber nicht kindlich.
Im Unterschied zu Nachrichten für Erwachsene zeigen wir auch keine Toten oder Schwerverletzten, weil wir Kinder nicht schockieren wollen. Bei traurigen Themen versuchen wir einen Hoffnungsschimmer zu finden, mit dem unsere Beiträge enden. Bei Katastrophen wollen wir Kinder nicht mit Leid und Verzweiflung zurücklassen.

SCHAU HIN!: Welche Nachrichten kommen bei Kindern am Besten an?

Boris Bauer: Das ist wie bei den Erwachsenen auch: Die meisten Reaktionen bekommen wir auf Nachrichten über Popstars, über Sport- oder Tiergeschichten. Ausnahmen sind große Katastrophen wie zum Beispiel die Explosion im Atomkraftwerk in Fukushima. Dieser Beitrag wurde unheimlich oft angeklickt und es gab viele Einträge dazu in unserem Forum. Für uns der Beweis, dass Kinder nach Nachrichten verlangen, die sie auch verstehen – besonders bei Katastrophen.

SCHAU HIN!: Minitz bietet Kindern die Möglichkeit eine Reporterschule zu besuchen. Wie funktioniert das? Was sollen Kinder lernen?

Boris Bauer: Die Reporterschule ist eine Info-Tour im Internet. Es wird erklärt, wie eine Nachricht entsteht. Kinder können selbst Nachrichten für Minitz schreiben und sogar sprechen und Fotos schicken. Außerdem können sie sich einen eigenen Avatar basteln. Wenn Text und Fotos in Ordnung sind, stellen wir den Beitrag auf die Homepage. Die Eltern müssen aber in jedem Fall zustimmen. Kinder lernen so, ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen, Ereignisse zu strukturieren (Wer? Was? Wann? Wo? Warum?) und sich anderen mitzuteilen. Und sie erfahren, was man im Netz weitergeben darf, und was nicht. Das sind Kenntnisse, die man heutzutage gut gebrauchen kann.

Boris Bauer hat mit 14 Jahren als Zeitungsreporter angefangen, seit 2008 ist er Redakteur bei Minitz und macht für den SWR auch Nachrichten für Erwachsene.

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