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SCHAU HIN! Interview: Onlinewerbung

Im Gespräch mit der Initiative SCHAU HIN! erklärt Carola Elbrecht, warum Kinder schneller auf Werbung klicken als Erwachsene und wie Eltern ihre Kinder im Umgang mit Onlinewerbung unterstützen können.

Experteninterview zu Onlinewerbung
Experteninterview zu Onlinewerbung

SCHAU HIN!: Warum klicken Kinder häufiger auf Werbung als Erwachsene?

Carola Elbrecht: Onlinewerbung ist für Kinder oft nicht erkennbar, gerade wenn sie nicht ausreichend von den sonstigen Inhalten auf einer Internetseite getrennt oder sehr spielerisch gestaltet ist. Es gibt zudem sehr penetrante Werbung mit einem sehr kleinen „Schließen“-Symbol, beispielsweise Popups, also Werbung die sich plötzlich automatisch in einem neuen Fenster öffnet. Selbst Erwachsene haben manchmal Probleme, diese Werbung zu schließen. Kinder können mit diesen Formaten erst recht nicht umgehen und klicken eher darauf.

Ganz kritisch ist es auch, wenn beispielsweise nach dem Öffnen eines Spiels, das Kinder spielen möchten, zuerst ein Werbefilm gezeigt wird. Diese Filme kann man oft nicht stoppen ohne das ganze Spiel zu schließen. Aber selbst die Möglichkeit den Werbefilm zu stoppen würde nicht ausreichen. Denn Kinder können oft gar nicht einschätzen, ob der Film bereits zum Spiel gehört und klicken darauf.

SCHAU HIN!: Warum kann Werbung für Kinder gefährlich sein?

Carola Elbrecht: Hinter Onlinewerbung können sich einerseits nicht kindgerechte Inhalte wie beispielsweise Kriegsspiele verbergen. Andererseits können sich vermeintliche Gratisangebote später schnell als kostenpflichtig erweisen und zu Kostenfallen werden. Wir haben beobachtet, dass gerade auf Kinderseiten Quizspiele angeboten werden,  die die Emotionen von Kindern oder Pubertierenden ansprechen.

Die jungen Nutzer werden dabei mit Einstiegsfragen wie „Bist du zu dick?“ oder „Wann wirst du heiraten?“ gelockt. Kinder finden das Quiz lustig oder interessant und machen mit. Für die Auswertung am Ende müssen sie dann beispielsweise die Handynummer angegeben und ganz am Seitenende steht dann, dass der Nutzer dafür zahlen muss oder sogar ein Abo eingeht. Kinder können diesen Hinweis schnell übersehen.

SCHAU HIN!: Was raten Sie Eltern, um Kinder vor Kostenfallen zu schützen?

Carola Elbrecht: Eltern sollten ihren Kindern erklären, dass sensible Daten wie Handynummern, Name oder Anschrift nicht weitergegeben werden dürfen, auch nicht zur Teilnahme an Onlinetests oder –spielen. Sobald jemand Daten haben möchte, sollten bei Kindern die Alarmglocken läuten. Denn dahinter kann ein dubioses Angebot stecken. Außerdem sollte es eine Regel zwischen Eltern und Kindern sein, dass Kinder keine Angebote herunterladen, ohne es vorher mit ihren Eltern zu besprechen.

SCHAU HIN!: Wie können Eltern ihre Kinder im Umgang mit Werbung unterstützen?

Carola Elbrecht: Werbung im Internet spricht Kinder viel direkter an als Print- oder TV-Werbung. Sie sitzen davor und können gleich agieren. Eltern können und sollten Kinder dabei unterstützen und sie im Internet begleiten, sich Internetseiten mit ihnen gemeinsam anschauen. Sie sollten gerade am Anfang werbefreie Internetseiten für ihre Kinder suchen und die Seiten, die sie besuchen können, beschränken. Eine Jugendschutzsoftware kann Eltern dabei unterstützen. Danach können je nach Kind freigegebene Seiten angepasst werden. Eltern sollten Kindern Stück für Stück mehr Freiheiten geben. Da sich der Inhalt von Internetseiten aber auch ändern kann, sollten Eltern von Zeit zu Zeit prüfen, ob als „sicher“ eingestufte Seiten dies immer noch sind.

Carola Elbrecht ist Referentin im Team Digitales und Medien der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

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