Vermischtes

Studie zu Kindern, Geflüchteten und Medien vorgestellt

Das Wissen über Geflüchtete stammt überwiegend aus dem Fernsehen. Das ist das Ergebnis der ersten breit angelegten Studienreihe zum Thema Kinder, Jugendliche und Geflüchtete.

©Fotolia/JörnBuchheim
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Mit der Kooperationsstudie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) liegt nun eine breit angelegte Studienreihe zum Thema Heranwachsende und Geflüchtete vor. In diesem Kontext wurden u.a. im März sowie im September 2016 6- bis 19-Jährige repräsentativ zu ihrem Wissen und ihren Einstellungen zu Flüchtlingen befragt und Zusammenhänge zur Mediennutzung nachgewiesen.

IZI und LfM stellen die erste breit angelegte Studienreihe zum Thema Kinder, Jugendliche und Geflüchtete vor. Das Ergebnis: Der Großteil der befragten Heranwachsenden ist positiv gegenüber Geflüchteten eingestellt, nach wie vor haben sie aber nur selten persönlichen Kontakt zu ihnen. Im Laufe des Jahres 2016 hat das Wissen um die „Flüchtlinge“ abgenommen, und die Überschätzung der Ankunftszahlen durch Heranwachsende hat zugenommen. Besonders bei Jugendlichen ist die Angst vor einer Terrorgefahr durch Flüchtlinge gestiegen. 

77 Prozent finden es gut bzw. sehr gut, dass Deutschland Geflüchtete aufnimmt

Die emotionale Einstellung zu Geflüchteten ist bei der Mehrzahl der befragten Kinder und Jugendlichen im Jahr 2016 ausgesprochen positiv. Zwar ist die Zahl von 84 Prozent im März auf 77 Prozent im September gesunken, doch findet nach wie vor die eindeutige Mehrheit es „gut“ oder sogar „sehr gut“, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt. Haben sie bereits einen Geflüchteten konkret kennengelernt, steigt diese positivere Einstellung um ein Vielfaches.

Nur zwei von fünf Heranwachsenden hatten schon konkreten Kontakt mit Geflüchteten

Mit einem Flüchtling persönlich gesprochen oder etwas gemeinsam unternommen haben bisher nur durchschnittlich zwei von fünf bzw. bei den Grundschulkindern drei von zehn Kindern. Kaum Begegnung mit Geflüchteten hatten die befragten Kinder und Jugendlichen in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Das heißt, für einen Großteil der Heranwachsenden beruhen das Wissen und die Vorstellungen von Geflüchteten vor allem auf medial vermittelten Diskursen.

Erzählen Kinder in den qualitativen Interviews, was sie über das Thema Flüchtlinge wissen, so stehen meist Krieg und Zerstörung im Mittelpunkt, sowie Fluchtszenarien, wie zum Beispiel überfüllte Gummiboote. Das sind Bilder, die Heranwachsende aus den Medien kennen. Viele Aspekte der direkten Erfahrung von Gewalt, wie sie ihre geflüchteten Altersgenossinnen und Altersgenossen erfahren haben, sind ihnen jedoch nicht präsent.

Das Wissen über Geflüchtete stammt überwiegend aus dem Fernsehen

Das Wissen zum Thema Geflüchtete haben Kinder und Jugendliche zum großen Teil aus den Medien, wobei das Fernsehen die mit Abstand meistgenutzte Informationsquelle ist, gefolgt von der Zeitung, dem Internet und dem Radio. Die besten Ergebnisse bei den Wissensfragen erzielen diejenigen Heranwachsenden, die sich aus Tagesschau, logo! oder heute informierten. Die Kinder, die ihr Wissen aus öffentlich-rechtlichen Sendungen bezogen, haben auch deutlich weniger Ängste hinsichtlich eines zukünftigen Zusammenlebens mit Flüchtlingen. 

Wo Medienberichterstattung problematisch wird

Zu Ängsten kommt es bei Kindern und Jugendlichen vor allem bei einer reißerisch gemachten Medienberichterstattung, denn hier merken sich Heranwachsende die spektakulären Bilder und den emotionalisierten Ton, nicht aber die Fakten des Berichtes. Besonders nachhaltig memoriert wurden Berichte über Gewalt, die von Flüchtlingen ausgeübt wurde. Über soziale Netzwerke wie Facebook kamen die Kinder und Jugendlichen mit fremdenfeindlichen Gerüchten, zum Teil mit explizit kriminellem Hintergrund, in Kontakt. Diese können sie meist nicht von seriöser Berichterstattung unterscheiden. 

Aktiver Umgang mit dem Thema gefordert

Insgesamt weisen die Ergebnisse der Studienreihe deutlich auf die Notwendigkeit eines gezielten Umgangs mit dem Thema Geflüchtete in Schulen, Bildungsinstitutionen und Kinder- und Jugendmedien hin. „Es müssen dringend Konzepte für die Vermittlung von Fakten und für die aktive Auseinandersetzung mit vorhandenen Ängsten, Befürchtungen und Vorurteilen gefunden werden,“ so Studienleiterin Dr. Maya Götz. Prof. Dr. Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), fordert die gezielte Förderung von Informationskompetenz bei Jugendlichen. „Auch hier gilt also: Es ist alles eine Frage des Wissens, der Bildung, der Erziehung“, sagte er. 

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