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Studie zu Mobbing im Netz: Was können Eltern tun?

Etwa 17 Prozent aller Schülerinnen und Schüler sind einer Studie zufolge schon einmal Opfer von Cybermobbing geworden. Jedes vierte Opfer leidet noch heute darunter. SCHAU HIN! fasst die Ergebnisse zusammen und rät Eltern, wie sie damit umgehen können.

Beleidigungen und Ausgrenzungen unter Jugendlichen im Netz nehmen zu. Das belegt die Studie „Cyberlife - Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr“ im Auftrag des „Bündnis gegen Cybermobbing“. Basis ist eine nicht repräsentative, jedoch umfassende Umfrage, an der sich bundesweit rund 12.000 Schüler, Eltern und Lehrer beteiligten. Danach gab jeder sechste Schüler an, schon selbst Cybermobbing erlebt zu haben. Unter den Betroffenen wurde jeder zweite beschimpft oder beleidigt, über jeden dritten wurden Lügen und Gerüchte verbreitet. Ein Viertel fühlt sich unter Druck gesetzt oder ausgegrenzt. Jeder fünfte Schüler gab zu, andere schon einmal gehänselt, beleidigt oder gar bedroht zu haben. Am häufigsten geschieht dies über soziale Netzwerke, Handys und in Chatrooms. Oft verfließen die Grenzen zwischen Opfer und Täter: Mehr als ein Drittel der Schüler, die andere mobben, wurden selbst auch schon gemobbt. Während die befragten Lehrer glauben, dass etwa 17 Prozent ihrer Schüler schon einmal Opfer von Cybermobbing geworden sind, schätzen nur rund sieben Prozent der Eltern ein, dass ihre Kinder Mobbing im Netz begegnen. Das liegt laut Studie auch daran, dass die Leidtragenden sich oft nicht trauen, mit Erwachsenen darüber zu sprechen.

Kinder beim Surfen begleiten

Im Internet erreichen die Gerüchte und Beleidigungen sehr schnell viele Menschen und lassen sich nur schwer wieder löschen. Die Opfer leiden besonders, denn die Beleidigungen, die vorher real stattgefunden haben, gehen oft nach Schulschluss über Computer und Handy virtuell weiter. Die Hemmschwelle der Täter ist zudem gering, weil sie im Schutz der virtuellen Anonymität handeln können. Die Belästigungen können oft schmerzhafte seelische Verletzungen verursachen. Kinder reagieren sehr unterschiedlich darauf. Einige werden aggressiv, beteiligen sich immer weniger am Unterricht und ziehen sich zurück oder werden krank. Um Symptome rechtzeitig zu erkennen, gilt für Eltern als erste Regel: Interesse zeigen! Nicht nur in Bezug auf Cyber-Mobbing, sondern auch hinsichtlich aller anderen Risiken im Netz. Wichtig ist es, Kinder von Beginn an beim Surfen zu begleiten und eine Vertrauensbasis zu schaffen, damit sie sich bei Problemen an ihre Eltern wenden.
Die Beachtung einiger Sicherheitstipps hilft dabei, die Gefahr möglichst gering zu halten. So ist es wichtig, vorsichtig mit Fotos und persönlichen Daten umzugehen, darauf zu achten, wann man wo fotografiert und gefilmt wird sowie sich nicht auf Provokationen und Streitereien einzulassen.

Schnell eingreifen – Mein Kind wird gemobbt

Finden sich konkrete Hinweise, dass ihr Kind Opfer von persönlichen Attacken im Internet ist, sollten Eltern umgehend handeln. Hierzu bieten sich folgende Maßnahmen an:

1. Mit dem Kind sprechen

Kinder sollten wissen, dass sie sich bei Problemen an die Eltern wenden können. Gemeinsam können Sie dann den Ursachen auf den Grund gehen und Lösungen finden. Wichtig ist es auch, die Lehrer zu kontaktieren und die Eltern der Täter anzusprechen, um weiterem Mobbing zuvorzukommen.

2. Belege für Cybermobbing sichern

Eltern sollten einen Screenshot (Bildschirmaufnahme) der unerwünschten Fotos und Informationen im Netz machen. Dies funktioniert über die Taste „Alt“ und „Druck“ (rechts neben F12) bei Windows bzw. Apfel + Shift + 3 bei Mac. Zudem ist es ratsam, sich Namen oder Nicknames (Spitznamen) der verantwortlichen Nutzer notieren. Wenn die Täter bekannt sind, sollten die Eltern der Täter mit den Belegen konfrontiert und aufgefordert werden, beleidigende oder verletzende Inhalte zu entfernen. Sinnvoll ist es auch, die Schule des Kindes anzusprechen, damit Cybermobbing im Unterricht zum Thema gemacht wird.

3. Inhalte löschen lassen

Wenn die Täter die Bilder oder Inhalte nicht freiwillig löschen, sollten Eltern die Betreiber der entsprechenden Internetseiten auffordern, die beleidigenden und verletzenden Inhalte umgehend zu löschen. Diese stehen im Impressum der Website. Bei Problemen hierbei können sich Eltern auch an Beschwerdestellen wie www.i-kiz.de oder www.jugendschutz.net wenden.

4. Rechtliche Schritte einleiten

Sollten weder die Hinweise an die Eltern der Täter und die Schule noch der Hinweis an den Betreiber der Seite Erfolg haben, so sollten Eltern bei massiven Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte die verantwortlichen Nutzer bei der Polizei zur Anzeige bringen. Dabei ist es wichtig möglichst viele Informationen in der Anzeige zu sammeln. Nennen Sie Informationen wie Datum und Uhrzeit des Übergriffs, Name des Anbieters in dem der Übergriff passierte, Name bzw. Nickname des Täters und sichern Sie vorhandene E-Mails, Nachrichten und Dateien sowie Screenshots der Übergriffe.

Mobbing und Cybermobbing

Die Übergänge von Mobbing zu Cybermobbing sind oft fließend, da die Opfer von Mobbing in der Schule häufig auch im Internet oder per Handy weiter gemobbt werden. Dennoch gibt es gravierende Unterschiede: Cybermobbing ist weder räumlich noch zeitlich begrenzt, Inhalte verbreiten sich extrem schnell und sind kaum kontrollierbar. Die Hemmschwelle beim Cybermobbing sinkt, weil die Täter oft versteckt im vermeintlichen Schutz der Anonymität handeln, den Betreiber jedoch aufheben können.
Die Studie finden Eltern hier zum Download.
In den goldenen Regeln zu sozialen Netzwerken finden Eltern Hinweise, wie sie ihr Kind vor Cybermobbing schützen können.

Weiterführende Beratungsangebote

Das Bündnis gegen Cybermobbing bietet neben der Studie kostenlose Hilfe für Opfer, Betroffene und Interessenten. Die EU-Initiative Klicksafe informiert Betroffene und Lehrkräfte mit einem Schwerpunkt zum Thema. Beratung und Hilfe erhalten Eltern zudem unter www.chatten-ohne-risiko.net sowie unter www.mobbing-schluss-damit.de.
Bei Juuuport beraten "Scouts" zwischen 15 und 21 Jahren andere Jugendliche. Die Nummer gegen Kummer unterstützt anonym Kinder telefonisch (0800 111 0 333), aber auch online. Die Polizeiberatung klärt mit der Aktion „Kinder sicher im Netz“ über Gefahren auf, gibt präventive Hinweise und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Eine Initiative, die sich besonders an Jugendliche richtet und sie über Themen wie Cybermobbing und Communitys informiert, ist watchyourweb.

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