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Topmodel: Schönheit um jeden Preis?

Auch mit der neuen Staffel von Germany's Next Topmodel treten wieder junge Mädchen um die Gunst von Jury und Publikum an. Umso wichtiger, dass Eltern solche Shows kritisch begleiten und Gespräche über verzerrte Rollenklischees anregen.

© ProSieben/ Richard Huebner
© ProSieben/ Richard Huebner

Auf einem Bett inmitten des Hollywood-Boulevards rekeln sich junge Paare nur mit dem Nötigsten bekleidet für die Kamera, ihre Körper eng ananeiander wie zum Akt umschlungen. Dass der Trailer zur neuen Staffel "Germany's next Topmodel" (Beginn 9. Februar) wenige Fragen offen lässt, worum es den Machern geht, wurde auch von der Boulevard-Presse schnell erkannt. So offen und aufreizend hat man das Prosieben-Programm selten gesehen. Dass manche der Kandidatinnen dabei erst 16 Jahre alt sind, spielt dabei eine Nebenrolle. Doch verdrehen solche Darstellungen besonders jüngeren Zuschauerinnen den Kopf - die Vorstellungen zwischen dem, was ist und dem was für den Traum von Berühmtsein notwendig ist, verschwimmen. Eltern kommt hier die wichtige Aufgabe zu, ihre Kinder zu unterstützen und ihnen zu helfen, zwischen Wahrheit und Ilusion zu unterscheiden.

Über Schönheitsideale sprechen

Denn gerade Kindern ist selten bewusst, dass es sich hierbei um Unterhaltung handelt - und nicht um die Wirklichkeit. Sinnvoll ist es daher, zumindest einige Folgen zusammen mit dem Kind zu schauen. Das hilft Eltern, die Begeisterung ihres Nachwuchses für das Format zu verstehen. Gleichzeitig können Eltern klar zu den gezeigten Rollenbilder Stellung beziehen: Menschen dürfen nicht nur auf ihr Äußeres reduziert werden. Dies gilt es Kindern zu vermitteln.

Insbesondere die in Castingshows wie "Germany's Next Topmodel" (GNTM) vertretenen Schönheitsideale sind vielen Eltern ein Dorn im Auge. Deshalb ist es wichtig, mit dem Kind darüber zu sprechen, was ihm daran gefällt und ob es sich vielleicht in seinem Körper unwohl fühlt. Vor allem in der Pubertät ist dabei Sensibilität gefragt und Eltern sollten nicht enttäuscht reagieren, wenn sie darauf nicht sofort eine Antwort erhalten. Hier gilt es, Geduld zu haben und zuzuhören, wann das Kind bereit ist, darüber zu sprechen.

Ausdruck eines gefährlichen Ideals

GNTM stellt Aussehen und Körper in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die meist sehr schlanken Kandidatinnen mit einer Mindestgröße von 1,72 m bei maximaler Kleidergröße von 36 werden nicht nur zum Ideal von Schönheit und Erfolg erhoben, sie scheinen als Normalfall, wie ein Mädchen heute auszusehen hat. Es entsteht „das Gefühl, es gibt so viele tolle, dünne, disziplinierte Mädchen, die damit etwas erreichen und vor allem toll aussehen!“, sagt ein 17-jähriges Mädchen mit Magersucht in einer Studie. Es kommt zu Vergleichsprozessen, bei denen völlig übersehen wird, dass es sich hier um absolute Ausnahmeerscheinungen in Körperstatur und Gesichtszügen handelt. Werden die Kandidatinnen in GNTM wegen ihres Körpers kritisiert, fühlen sich die Mädchen vor dem Fernseher in ihrer überkritischen Haltung zum eigenen Körper bestärkt und versuchen, ihr Gewicht weiter zu reduzieren.

Das ist wohl auch Ausdruck eines Schönheitsideals, das sich unabhängig vom Geschlecht in der Gesellschaft manifestiert. Die neuen Rollenbilder küren zweifelhafte Ideale: Mager wollen die Mädchen und Frauen, muskulös die Jungen und Männer sein. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Äußeren ist bei uns allen enorm gewachsen und wird von interessierter Seite mächtig geschürt. Das ist die Schattenseite eines Schönheitsideals, dem die allermeisten Menschen zwar niemals genügen können, aber zunehmend verbissen hinterherhecheln: Körper machen Leute.

Alternativen anbieten

Oft werden in den Castingshows Kandidaten bloß gestellt und lächerlich gemacht. Solche Situa­tionen sind ein guter Anknüpfungspunkt für ein Gespräch. Denn Kinder wollen selbst nicht in eine solche Situation geraten. Eltern können erklären, dass Respekt und Toleranz nur derjenige erfährt, der auch entsprechend handelt. Jurymitglieder oder Kandidaten, die andere abwerten, sind keine Vorbilder für Kinder.

Dabei gibt es Alternativen zu herkömmlichen Casting-Shows wie die Sendung "Dein Song" auf KiKa, bei dem der Songwriter des Jahres gesucht wird. Die neue Staffel läuft ab dem 20. Februar an. Weitere Informationen zum Umgang mit Castingshows erhalten Eltern in der Rubrik "TV, Film & Mehr".

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