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"Unsere Kinder sind ein zentraler Bestandteil unseres Lebens und tauchen deswegen auch digital auf"

Kerstin ist Mama, netzaffin und bloggt. Mit uns hat sie über #medienmomente in ihrem Familienalltag gesprochen.

© Chaos²/Kerstin Neumann
© Chaos²/Kerstin Neumann

Deine Kinder sind noch recht jung, die Zwillinge 2013 geboren und das jüngste Kind 2015 – Wie nutzt ihr Medien in der Familie?

Die Zwillinge sehen auch fast jeden Abend ungefähr eine Viertelstunde Fernsehen. Sie dürfen Sandmännchen sehen und je nachdem, was im Programm davor kommt, auch diese kurze Sendung. Die Serien, die an diesem Sendeplatz laufen, wechseln allerdings und nicht alle sagen uns zu, deswegen gibt es das nicht immer. Oft genug gibt es auch nur das Sandmännchen aus der Mediathek.

Angebote aus Mediatheken oder von Streaming-Plattformen laufen dem klassischen „Fernsehen“ immer mehr den Rang ab – wie sieht das bei euch aus?

Hin und wieder – gerade in Krankheitsphasen – gibt es ein oder zwei Folgen ausgesuchter Kinderserien von einer der bekannten Streaming-Plattformen. Da kamen jetzt zuletzt aber auch zum ersten Mal Apps zum Zuge. Ich habe nun die Maus auf meinem Telefon! Yeah!
Was aber immer der Fall ist: Die Kinder sehen nicht alleine fern. Einer von uns sitzt immer dabei und begleitet das Gesehene, denn die Zwillinge haben unfassbar viele Fragen zu allem.

Habt ihr gemeinsame #medienmomente?

Ja, haben wir. Es gibt ja auch die alten, analogen Medien wie zum Beispiel Bücher. Letztere lieben wir alle fünf und gerade den Zwillingen lesen wir viel vor.

Fotos und private Details von Kindern wie Namen etc. im Internet sind immer wieder ein brisantes Thema. Wie löst du diesen Konflikt für dich?

Privat haben wir uns darüber schon von Geburt der Zwillinge an Gedanken gemacht und teilen nur sehr selten Bilder unserer Kinder auf unseren privaten Accounts. Dabei ist uns wichtig, dass diese unverfänglich sind. Wir achten dann auch genau auf unsere Privatsphäre Einstellungen. Unsere Kinder sind ein ganz zentraler Bestandteil unseres Lebens und tauchen deswegen auch im digitalen Leben auf.

Wie sieht das im Zusammenhang mit deinem Blog aus?

Das Blog ist noch eine andere Geschichte, denn es ist öffentlich und hat auch ein wesentlich größeres Publikum. Schon bei den geschriebenen Worten bin ich sehr vorsichtig, was ich über meine Kinder Preis gebe. Will ich dieses Ereignis wirklich so niederschreiben, wie es sich ereignet hat? Manches ist mir zu privat, einiges könnte sogar wirklich peinlich sein. Dann fällt es raus.

Die Entscheidung, welche Bilder ich veröffentliche, ist jedes Mal eine bewusste Entscheidung, die ich für mich begründet fälle.

Auf Fotos sind alle drei Kinder auf dem Blog zu sehen. Allerdings fotografiere ich sie nicht frontal, auf Portrait-Fotos, auf denen man sie erkennen könnte, verzichte ich vollständig. Die Entscheidung, welche Bilder ich veröffentliche, ist jedes Mal eine bewusste Entscheidung, die ich für mich begründet fälle. Andere gehen andere Wege, die ich auch in Ordnung finde.

Grundsätzlich ist aber wichtig, dass man sehr achtsam und bewusst mit den Persönlichkeitsrechten seiner Kinder umgeht und ihnen auch frühzeitig einen sorgsamen Umgang mit den eigenen digitalen Spuren beibringt. Wir sind da bei unseren Kindern noch mehr in der Phase des Vorlebens.
Irgendwann werde ich mich aber vermutlich mit ihnen hinsetzen müssen, wenn sie ihre eigenen Snapchat-Accounts - oder was auch immer dann gerade modern sein sollte - eröffnen wollen.

Gibt es Streit bezüglich der Mediennutzung?

Beim Sandmännchen gibt es bei uns selten Streit. Das scheint einfach klar zu sein, dass danach abgeschaltet wird. Allerdings fordert gerade mein Sohn phasenweise tagsüber ein, diese oder jene Sendung sehen zu wollen. Ihm fällt es auch schwer, wenn er eine Folge „Löwenzähnchen“ sehen durfte, danach abzuschalten. Er diskutiert dann fast immer.

Und wie reagiert ihr dann?

Wir sind da meist recht klar. War es nur eine kurze Folge, dann kann es zwar sein, dass wir noch eine zweite erlauben, aber danach ist dann wirklich Schluss. Ich schalte auch unter massivem Protest ab und versuche dann eine alternative Beschäftigung anzubieten. Das klappt nicht immer.

Wenn ich etwas ganz besonders Tolles wie eine gemeinsame Bastelaktion oder einen Spaziergang zur Eisbar anbiete, vergessen die Kinder den Fernseher schnell.

Welche alternative Beschäftigungen klappen denn immer?

Wenn ich etwas ganz besonders Tolles wie eine gemeinsame Bastelaktion oder einen Spaziergang zur Eisbar anbiete, vergessen die Kinder den Fernseher schnell.

Hand aufs Herz: Siehst du dich selbst als Vorbild bei der Mediennutzung?


Nicht immer. Defintiv nicht. Ich hoffe zwar, dass ich vorbildlich bewusst die Medien nutze, aber zeitlich gelingt das nicht immer. Ich bin extrem medienaffin und auch tatsächlich an meinem Smartphone oft festgewachsen. Wenn es nach mir geht, könnte ich tagelang am Rechner sitzen und schreiben, mich in den sozialen Medien rumtreiben, Videos sehen und chatten. Beruflich mache ich ja seit Jahren kaum etwas anderes und das geht nahtlos ins Private über.

Netterweise lassen mich meine Kinder nicht mehr stundenlang ungestört am Rechner sitzen.

Netterweise lassen mich meine Kinder nicht mehr stundenlang ungestört am Rechner sitzen. Da wird dann aber dummerweise das Telefon zum Ersatz, der immer griffbereit ist. Ich versuche, es bewusst zwischendurch ganz wegzulegen.

Wer wirklich dringend etwas von mir will, der kann mich anrufen. Alles andere lese ich schon früh genug.

Was ist dein Rezept für eine „medienfreie Zeit“?

Ich habe sämtliche Benachrichtigungen der sozialen Netzwerke deaktiviert auf dem Handy. Selbst als Bloggerin. Oder gerade, WEIL ich blogge. Mein Handy stünde niemals still. Es würde immer blinken oder vibrieren. Irgendwo auf irgendeinem Kanal schreibt mir immer jemand, erwähnt mich irgendeiner oder klickt auf den Like-Button. Das will ich gar nicht permanent mitbekommen. Ich versuche mich quasi selbst dazu zu erziehen, nicht dauerhaft online und erreichbar zu sein. Wer wirklich dringend etwas von mir will, der kann mich anrufen. Alles andere lese ich schon früh genug.

Vielen Dank für das Interview!

Kerstins Blog ist hier zu finden.

© Chaos²/Kerstin Neumann
© Chaos²/Kerstin Neumann

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