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#Verafake: Reality-TV durchschauen helfen

Berichte über Produktionsbedingungen bei "Schwiegertochter gesucht" zeigen, wie unseriös viele Reality-TV-Formate sind. Kinder können diese oft nicht durchschauen. Wir raten bei Kindern bis zwölf Jahren auf Reality-TV zu verzichten und bei älteren zum kritischen Hinterfragen anzuregen.

Die beiden durch Jan Böhmermann eingeschleusten Schauspieler belegen die unseriösen Produktionsbedingungen von Reality-TV-Formaten wie "Schwiegertochter gesucht". Demnach gibt es laut Vertrag für 30 Drehtage 150 Euro. Es muss zudem eidesstattlich erklärt werden, dass keinerlei geistige Behinderungen vorliegen. Die offensichtliche Alkoholsucht des Vaters wird auf dem Papier verneint. Es störte offenbar auch nicht, dass keine Pässe vorlagen. Außerdem werden den Kandidaten Sätze in den Mund gelegt und die Charaktere überinszeniert.

Scripted-Reality-Formate wie "Schwiegertochter gesucht", in denen reale Ereignisse vorgetäuscht werden, müssen seit 2014 laut einer Vereinbarung zwischen den Landesmedienanstalten und dem Privatsenderverband VPRT im Abspann gekennzeichnet werden. Allerdings ist die Regelung freiwillig. Im Abspann von "Schwiegertochter gesucht" taucht eine entsprechende Kennzeichnung nicht auf.

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Eine verzerrte Realität, die viele Kinder kaum durchschauen können. Bei Scripted Reality werden Klischees von Sexualität, Partnerschaft und sozialen Positionen zugunsten der Story inszeniert und als wahr dargestellt. Gerade Kinder und Jugendliche orientieren sich stark an TV-Vorbildern und können vorgelebte Rollenbilder leicht übernehmen. Deshalb sind Reality TV-Sendungen für Kinder bis zwölf Jahren generell nicht geeignet. Hier sollten Eltern konsequent sein und ihre Haltung begründen.

Für Kinder und Jugendliche ist diese Art der Darstellung problematisch: Die Geschichten und Szenen, die fragwürdige Vorbilder und Klischees von Partnerschaft vermitteln, werden von vielen als „echt“ wahrgenommen. Umso wahrscheinlicher ist, dass Kinder Bezüge zu ihrem eigenen Leben herstellen und sich an fragwürdigen Vorbildern orientieren. Die Sendungen liefern keine tragfähigen Konfliktlösungsansätze für den eigenen Alltag, sie zeigen problematische Vorbilder und einseitige Welt- und Menschenbilder und vermitteln mehr als fragwürdige Geschlechterrollen.

Formate wie „Schwiegertochter gesucht“ nutzen meist das Internet und soziale Netzwerke, um über Live-Streams und in Profilen der gecasteten Laiendarsteller deren Geschichten weiter zu erzählen und künstlich zu steigern. Diese Vermarktung macht die Formate zum Top-Thema auf dem Schulhof und weckt jugendliche Neugier.

Interesse verstehen

Am besten versuchen Eltern, das Interesse ihrer Kinder zu verstehen, indem sie mit ihrem Kind eine Folge und diskutieren und anschließend über inszenierte Situationen, gezieltes Casting und Stilmittel wie Schnitte sprechen. Statt rigoros zu verbieten, können sie ihr Kind so zu einer differenzierten Haltung animieren.

Altersempfehlungen beachten

Auch wenn Jugendliche Scripted Reality-Serien dennoch unbedingt sehen wollen – weil der Gruppendruck, etwa auf dem Schulhof zu groß ist – brauchen sie hierzu die nötige Reife, die in der Regel frühestens mit elf bis zwölf Jahren erreicht ist.

Aufklären und diskutieren

Ungeachtet des Alters ist es wichtig, dass Eltern diese Sendungen mit ihren Kindern gemeinsam schauen. Eltern sollten mit ihren Kindern über den Unterschied von Realität und Fiktion sprechen und sie über Inszenierungstricks und Darstellungsweisen informieren. Auch über die Menschenbilder, die dort gezeigt werden, sollten Eltern mit ihren Kindern diskutieren.

Altersgerechte Formate anbieten

Kinder benötigen in erster Linie echte Vorbilder aus ihrem persönlichen sozialen Umfeld, um den Umgang mit Konflikten zu erlernen. Zudem bieten pädagogisch wertvolle Formate durchaus Orientierung für die Heranwachsenden und ihre Lebensthemen. Empfehlenswert sind Geschichten, die sich vielschichtig mit Themen wie Freundschaft, erster Liebe, Zusammenleben, aber auch Bewährungsproben auseinandersetzen.

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