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Vier von fünf Familien vereinbaren medienfreie Zeiten

Die häufigere Nutzung von Medien bei Kindern hat auch zur Folge, dass Familien immer stärker versuchen, in bestimmten Situationen das Smartphone beiseite zu legen. Das sagt die KIM Studie 2016.

©Fotolia/Melpomene
©Fotolia/Melpomene

Die Ergebnisse der heute veröffentlichten KIM-Studie 2016 zeigen, dass im Grundschulalter das Fernsehen noch immer das wichtigste Medium ist. Computer, Internet und Smartphone gewinnen weiterhin erst ab ca. zehn Jahren an Relevanz für den Alltag. An einem durchschnittlichen Tag sehen die Sechs- bis 13-Jährigen 88 Minuten fern, nutzen 39 Minuten das Internet, spielen 32 Minuten an PC/Konsole oder online, hören 28 Minuten Radio, lesen 22 Minuten in Büchern, spielen 19 Minuten am Handy oder Smartphone und sieben Minuten am Tablet.

Für Kinder ab zehn Jahren werden Internet, Smartphone und Computer allerdings rasch wichtiger und vorwiegend für Recherche und Kommunikation eingesetzt. Die Sechs- bis 13-Jährigen selbst besitzen noch nicht so viele verschiedene Mediengeräte. Nach Angaben der Haupterzieher sind Mobiltelefone mit 51 Prozent am weitesten verbreitet. Ebenso besitzt knapp die Hälfte der Kinder einen eigenen CD-Player oder eine Spielkonsole. Etwa jedes dritte Kind kann einen Fernseher oder ein Smartphone sein Eigen nennen.
Die Studie zeigt auch, dass immer mehr jüngere Kinder das Internet nutzen. Gleichzeitig setzt die Mehrheit der Eltern bisher keine technischen Jugendschutzlösungen ein. Und obwohl viele Kinder angeben, zuhause bereits das Netz für die Schule zu nutzen, findet bislang mehrheitlich keine praktische Befassung mit dem Thema Computer und Internet an Schulen statt.

Freizeitaktivitäten und Medienbeschäftigung

59 Prozent aller befragten Kinder nutzen ein Handy oder Smartphone mindestens einmal pro Woche, Tablets sind zu 28 Prozent regelmäßig im Gebrauch. Die beliebteste Freizeitaktivität bleibt für 55 Prozent aber noch das Treffen mit Freunden, draußen Spielen finden Kinder am zweitwichtigsten, an dritter Stelle folgt das Fernsehen. Im Alltag nutzen Kinder zu 96 Prozent das Fernsehen mindestens einmal die Woche.

Bücher und Lesen

Bücher sind weiterhin ein fester Bestandteil des Medienalltags von Kindern. Knapp die Hälfte (48%) lesen regelmäßig in ihrer Freizeit, 84 Prozent greifen zumindest ab und zu zum Buch. Mädchen sind dabei mit 59 Prozent die häufigeren Leser als Jungen (39%). Eine Bücherei oder Bibliothek wird von 44 Prozent der Kinder zumindest ab und zu genutzt.

Musik und Radio

Drei Viertel aller Kinder hören mindestens einmal wöchentlich Musik ihrer Wahl, knapp ein Drittel sogar täglich. Quellen sind CDs, MP3-Player oder auch das Internet. Drei von vier Kindern hören im Alltag regelmäßig Radio. 59 Prozent der befragten Kinder gaben zudem an, eine Lieblingsband bzw. einen Lieblingsinterpreten zu haben.

WhatsApp und Facebook

Nutzen Kinder, insbesondere die älteren, das Internet, so spielt verstärkt die Kommunikation, etwa über soziale Netzwerke, eine Rolle. 29 Prozent der Kinder schicken ihren Freunden fast täglich eine Nachricht über WhatsApp. Gerade innerhalb von Schulklassen oder Vereinen wird die Kommunikation über diesen Messenger immer wichtiger. Ab etwa zehn Jahren wird auch Facebook genutzt, hier geht es vor allem darum, Nachrichten zu schicken und zu posten, womit man sich gerade beschäftigt.

Fernsehen und YouTube

Das Fernsehen ist für Sechs- bis 13-Jährige immer noch die wichtigste Medientätigkeit. 77 Prozent der Kinder in diesem Alter sehen (fast) jeden Tag fern. Der Lieblingssender ist KiKA, gefolgt von Super RTL. Vier von fünf Kindern haben dabei eine Lieblingssendung, zu 50 Prozent werden regelmäßig Wissenssendungen geschaut. Etwa die Hälfte der Kinder schaltet das Gerät an, um bestimmte Sendungen zu sehen, 48 Prozent lassen sich lieber vom Programm überraschen.

Neben der linearen Fernsehnutzung nimmt auch die Aufnahme von Videos über das Internet zu. Gut die Hälfte der Sechs- bis 13-Jährigen nutzen dieses Angebot – entweder über Mediatheken der Fernsehsender oder bei YouTube bzw. auf anderen Seiten. Fast 17 Prozent der Kinder, die das Internet nutzen, sehen (fast) täglich Videos auf YouTube.

Computer und Schule

Der PC wird von Kindern zuhause genutzt, die Hälfte der Kinder nutzt den Computer auch bei Freunden, zwei Fünftel zudem in der Schule. Sechs- bis Siebenjährige sind nur zu einem Drittel online, ab acht bis neun Jahren steigt die Anzahl auf die Hälfte. Mit zwölf oder 13 Jahren sind dann schon 94 Prozent der Kinder im Internet unterwegs. Diejenigen Kinder, die generell Computer nutzen, haben zu zwei Fünfteln auch schon einmal in der Schule mit dem PC gearbeitet.

Digitale Spiele

Zählt man alle Spieloptionen, sprich Computer, Konsole, online, Tablet, Handy oder Smartphone, spielen sieben von zehn Kindern regelmäßig, das heißt mindestens einmal pro Woche. Weitere
zehn Prozent spielen seltener. Jungen sind dabei wesentlich affiner (75%) als Mädchen (64%), zudem ist festzuhalten, dass die Faszination für digitales Spielen zunehmend mit dem Alter wächst.

Probleme und Gefahren im Internet

Nur jeder Vierte Haupterzieher von Kindern, die das Internet nutzen, setzt eine Art von Jugendschutz (Software, Filter oder App) ein. Werden Schutzfilter eingesetzt, dann am ehesten auf dem Computer oder dem Laptop. Auf mobilen Geräten und Spielkonsolen werden nur vereinzelt Schutzmaßnahmen vor ungeeigneten Inhalten ergriffen.

Medien in der Familie

In der Familie wird der Medienumgang unterschiedlich gehandhabt. Drei Viertel der Eltern treffen Absprachen zur Nutzungsdauer von Internet, Fernsehen, PC-, Konsolen- und Onlinespielen. Auch auf inhaltlicher Ebene bestehen in drei von vier Familien Absprachen, was digitale Spiele, Internet, aber auch das Fernsehprogramm angeht. In vier von fünf Familien werden zudem medienfreie Zeiten und Situation vereinbart, zum Beispiel während der Hausaufgaben oder gemeinsamer Mahlzeiten.

Die Studienreihe KIM wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) seit 1999 durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Sechs- bis 13-Jährigen in Deutschland ab. Für die KIM-Studie 2016 wurden rund 1.200 Kinder und deren Haupterzieher im Frühsommer 2016 zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. 

Hier geht's zur KIM-Studie 2016

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