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Internet

Vom analogen zum digitalen Spielplatz

Digitale Medien machen abhängig, dumm und unglücklich. Deshalb sollte man Kinder so lange wie möglich davon fernhalten! Das sind gängige Vorurteile, die es bis in Talkshows und Bestsellerlisten schaffen. Wer ihnen folgt, erweist seinen Kindern jedoch einen echten Bärendienst, findet Gastautorin Katja Reim, Autorin des soeben erschienen Buches "Ab ins Netz?!".

Diana Meier-Soriat
Diana Meier-Soriat www.sketchnotes-by-diana.com

Denn spätestens als Teenager wollen und werden sie sich auf digitalen Spielplätzen tummeln und mit dem Internet in der Hosentasche herumspazieren. In dieser Entwicklungsphase schießen sie die elterlichen Ratschläge mit Leidenschaft in den Wind und testen stattdessen mit ihren Freunden Grenzen aus. Deshalb ist es mehr als gewagt, digitale Welt und Pubertierende zur gleichen Zeit erstmals aufeinander loszulassen!

Um Kinder für die virtuelle Welt stark zu machen und ihnen dafür Werte mit auf den Weg zu geben, ist es existenziell, möglichst frühzeitig gemeinsam diese Welt zu erkunden.

Früh übt sich...

Um Kinder für die virtuelle Welt stark zu machen und ihnen dafür Werte mit auf den Weg zu geben, ist es existenziell, möglichst frühzeitig gemeinsam diese Welt zu erkunden. Denn Eltern sind in den Anfangsjahren „beim Erlernen des Umgangs mit digitalen Medien die konkurrenzlos wichtigsten Akteure“, so das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit in seiner U9-Studie „Kinder in der digitalen Welt“. Kinder lernen die virtuelle Werkzeugkiste hauptsächlich dadurch verstehen, „dass sie ihre Väter und Mütter im (digitalen) Alltag beobachten oder ihre Eltern ihnen einzelne Anwendungen erklären.“ Sie können den Kindern zeigen, dass Smartphone & Co keine einseitigen Unterhaltungsmedien sind, sondern auch kreative Werkzeuge.

Jedes Werkzeug kann erschaffen oder zerstören.

Begleiten und ermuntern - ob analog oder digital

Und wie bei Schere, Hammer oder Messer ist es völlig normal, dass Eltern erstmal ein mulmiges Gefühl haben, wenn die Kleinen dieses Arbeitsmittel in die Hände bekommen. Jedes Werkzeug kann erschaffen oder zerstören. Trotzdem wird niemand seinem Kind in allen Details ausmalen, wie es sich mit Messer oder Schere verstümmeln könnte und es so verunsichern. Geben Eltern ihren Kindern analoge Arbeitsgeräte, helfen sie und werkeln gemeinsam mit dem Nachwuchs. Sie mahnen zwar zur Vorsicht, lassen die Kleinen aber eigene Erfahrungen machen und bewundern ihre Werke. Sie kleben Pflaster auf Wunden und ermuntern die Kinder, auch nach Rückschlägen weiterzumachen. Bei digitalen Medien ist das leider seltener der Fall. Da werden vor allem die Gefahren gesehen oder die Bastelzeit eingeschränkt. Dabei sind sie wichtige Werkzeuge des 21. Jahrhunderts, können Spaß machen und Kreativität fördern.

Kompetenz durch Erfahrung

Bei unserer Tochter nutze ich das knappe Zeitfenster, in dem ich für sie die digitale Autorität bin, um ihr vorzuleben, dass das Internet weit mehr ist als Timelines, Unterhaltung und Entertainmentkanal. Wir haben ihr von klein auf Medienkompetenz mit auf den Weg gegeben. Nicht als Wissenschaft, sondern als Übertragung klassischer Fähigkeiten und Werte wie Urteilsvermögen, Respekt oder Empathie. Mit einer Frisuren-App zeigte ich ihr, dass Fotos manipuliert werden können. Seit der virtuellen Reise ihrer Puppe versteht sie, dass sich Fotos und Worte im Internet wie von Zauberhand vermehren können. Mit digitalem Taschengeld hat sie gelernt, auch in der virtuellen Welt den Wert des Geldes zu verstehen.

Zur Einschulung schenkten wir ihr ein eigenes Tablet und ein kleines Stück Verantwortung für dessen zeitliche Nutzung, um ihre Fähigkeit zur Selbstkontrolle zu schulen. Wir zeigten ihr den Unterschied von Realität und Fiktion, wie sie Werbung erkennen und hinterfragen kann. Sie hat verstanden, dass Namen und Daten wie Schätze sind, die man nicht leichtfertig aus der Hand gibt. Wir bastelten gemeinsam am Computer, entwarfen kleine Kreaturen und druckten sie in 3D aus oder nahmen mit Apps Musik und Trickfilme auf.

Eltern müssen auch in der digitalen Welt ihrem Bauchgefühl vertrauen – und nicht nur ihren Ängsten.

Aus unseren Erlebnissen, Unwegsamkeiten und Überraschungen auf dem Weg vom analogen zum digitalen Spielplatz ist ein Buch mit Alltags-Anekdoten, Hintergrundinfos und Klicktipps entstanden. Wie man Kindern spielerisch sowohl die Untiefen als auch die Möglichkeiten des Internets zeigen kann, hat die Illustratorin Diana Meier-Soriat zu jedem Kapitel in einer Sketchnote zusammengefasst. Ich hoffe, dass unser Buch „Ab ins Netz?!“ Erwachsenen helfen wird, auch in der digitalen Welt ihrem Bauchgefühl zu vertrauen – und nicht nur ihren Ängsten.

Wir verlosen vier Exemplare von "Ab ins Netz?!". Schreiben Sie uns einfach bis 19.04. eine Mail mit dem Betreff "Verlosung" und der Versandadresse an service(at)schau-hin.info. Es werden keinerlei Daten gespeichert.

Autorin Katja Reim (Credit: Nina Rücker)
Autorin Katja Reim (Credit: Nina Rücker)

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