Vermischtes

"Was wir als Eltern tagtäglich vorleben, ist unserer Kinder Realität"

Janina Kraus bloggt auf Kleinstyle über Mode und Familienleben. Für SCHAU HIN! hat sie über ihren Familienalltag, vor allem im Hinblick auf Medien, gesprochen.

© Janina Kraus/kleinstyle.com
© Janina Kraus/kleinstyle.com

Wie nutzt ihr Medien in der Familie?

Ich denke, wir als Familie und jeder einzelne von uns würde gar nicht mehr ohne Medien auskommen. Das finde ich persönlich auch völlig in Ordnung. Ein wachsames Auge darauf sollte natürlich immer agieren.
Der Mann und ich nutzen das Internet täglich für unsere Arbeit. Ganz klar, sobald wir am Computer sitzen, wissen die Kinder wir sind beschäftigt. Aber auch das Smartphone bedeutet zum großen Teil Arbeit. Manchmal ist es daher schwer Arbeit und Freizeit zu trennen, denn beides ist doch oft miteinander verknüpft. Manchmal würde ich gerne bei den diversen Sozialen Medien pausieren, aber es ist einfach nicht möglich.

Und wie sieht das bei deinen Kindern aus?

Die Kinder brauchen dann und wann das Internet für ihre Schulaufgaben. Und sie lieben es sich YouTube Videos anzusehen.
Sie haben zwar unsere alten iPhones, benutzen diese jedoch ohne Netz, sprich für Fotos, Musik und Hörspiele und bekommen immer mal wieder ein neues Spiel drauf gespielt. Da muss ich dann allerdings immer ein wenig drauf gucken, dass das Smartphone dann nicht als Dauerunterhalter dient, weil sich zu sehr ins Spiel vertieft wird.
Reines Fernsehen haben wir schon lange nicht mehr. Aber via Internet nutzen wir den Streamingdienst Netflix. Das finde ich persönlich besser, aus verschiedensten Gründen. Im Großen und Ganzen ist das ein bewussteres Konsumieren.

Habt ihr denn gemeinsame #medienmomente?


Wir lieben es gemeinsam einen Familienfilm zu sehen. Dann machen wir es uns gemütlich, meist mit einem frühen Abendessen und genießen die gemeinsame Zeit auf der Couch.

Du bist nicht nur Bloggerin und Mutter sondern auch Mode-Designerin. In der Mode-Welt werden Körperideale ja schon länger kritisiert, in den Medien nun auch immer stärker seit Sendungen wie Germany’s Next Topmodel. Klärst du deine Kinder über Stereotype und „ungesunde“ Ideale in den Medien auf?

Wir reden dann darüber, was Schönheit wirklich ist und zwar nicht das, was andere sagen, sondern wie sie sich fühlt. Das ist natürlich nicht immer einfach anzunehmen…

Ich muss gestehen, dass wir dieses Thema noch nicht oft behandelt haben. Eventuell ist die Tatsache, dass wir kein lineares Fernsehen haben und sehen, und dementsprechend solche Sendungen nicht auf unserer Agenda sind, dafür ausschlaggebend, dass das Thema noch nicht aktuell ist.

Natürlich bemerke ich gerade bei meiner Tochter oft den Umgang mit Kleidung, Haaren, Beautyprodukten und dass ihr das wichtig ist. Wir reden dann darüber, was Schönheit wirklich ist und zwar nicht das, was andere sagen, sondern wie sie sich fühlt. Das ist natürlich nicht immer einfach anzunehmen… Ich versuche sie zu stärken, wenn sie sich beispielsweise in den Kopf gesetzt hat, dass sie als coole Harley Quinn zum Fasching gehen möchte (und nicht als hübsche Prinzessin) LINK.
Ich sehe aber, gerade durch YouTube Beauty Kanäle, die sie durch andere Mädchen nach und nach kennenlernt, dass hier großer Redebedarf besteht.

Wie stehst du zur Mediennutzung in der Schule? Tablets statt Bücher – deiner Meinung nach okay oder ein No Go?

Ich denke wir müssen alle mit der Zeit gehen. Jedoch sollte man ein gesundes Mittelmaß finden und auf keinen Fall Bücher komplett verbannen. Ich selbst lese viel lieber aus einem tatsächlichen Buch, als über ein Tablet. Auch das manuelle Schreiben finde ich sehr wichtig!

Glaubst du, dass sich da viel im Gegensatz zu deiner Schulzeit verändert hat?

Ich sehe welche Schwierigkeiten meine Kinder mit dem Schreiben haben, besonders im Vergleich zu meiner eigenen Kindheit. Da ist leider bereits ein großes Manko entstanden. Andererseits lernen die Kinder auch nicht zwangsläufig das 10-Finger-Tippen. Das wäre ja dann eventuell sogar eine Alternative…
Aber Medien, insbesondere das Internet, sind für die heutige Schulzeit ein ganz wichtiges Mittel und sollten meiner Meinung nach noch viel präsenter an Schulen zur Verfügung stehen.

Siehst du dich selbst als Vorbild bei der Mediennutzung?

Was wir als Eltern tagtäglich vorleben, ist unserer Kinder Realität.

Oh ja, ich sehe mich als Vorbild! Denn das sind wir Erwachsenen, egal in welche Richtung das geht! Was wir als Eltern tagtäglich vorleben, ist unserer Kinder Realität. Das bezieht sich natürlich auf jeglichen Lebensbereich, aber speziell auf Mediennutzung. Zu einfach ist es in eine Art Sucht zu verfallen.



Hast du „Vorbild-Tipps“ für andere Eltern?


Die Kinder müssen sehen, dass auch ein Abend ohne TV sehr viel Spaß bedeuten kann, eine gemeinsame Zeit am Essenstisch viel intensiver ist, wenn keine mobilen Geräte die Kommunikation stören, ein vorgelesenes Buch zur Schlafenszeit viel mehr Intimität bringt als ein Videospiel als Tagesabschluss, das Social Media Friends nicht die realen Begegnungen und dadurch entstehende Erinnerungen ersetzen, sondern lediglich addieren können.

Hand aufs Herz: Manchmal gibt es doch auch für dich „schwache“ Momente, oder?

Natürlich ist es auch für uns Erwachsene nicht immer leicht, diese Medienpräsenz zur richtigen Zeit einzusetzen.

Natürlich ist es auch für uns Erwachsene nicht immer leicht, diese Medienpräsenz zur richtigen Zeit einzusetzen. Es kommt vor, dass mein Kind zu mir sagt: „Pack doch mal das Handy weg!“ oder ich mir denke „Oh, ich will umbedingt noch mal gleich dieses und jenes im Netz checken!“ während ich eigentlich präsent bei meinem Kind sein möchte.
Aber aus diesen Momenten zu lernen und es immer wieder aufs Neue zu praktizieren, ist sicherlich der richtige Weg! Gemeinsam aufgestellte Regeln helfen dabei.

Vielen Dank für das tolle Interview liebe Janina!

Hier findet ihr Janinas Blog.

 

 

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