Webstars 2017 – Youtuber jetzt zum Sammeln

Statt Schweini und Poldi kleben nun KellyMissesVlog und Fynn Kliemann im Stickeralbum. Kennen Sie nicht? SCHAU HIN! klärt auf.

© Youtube / Diana zur Loewen
© Youtube / Diana zur Loewen

Was 1961 mit einem kleinen Sammelalbum der Firma Panini begann und Bilder italienischer Fußballer zum Inhalt hatte, ist mittlerweile marketingtechnisch ausgeschlachtet. Der aller neuste Clou eines Hamburger Unternehmens: Ein Sticker-Album zu Youtubern, Instagramern und Stars auf Snapchat und Musically.

Am 9. Februar erscheint das Sammelalbum „Webstars 2017“, in dem Bilder einer Vielzahl deutscher Internetberühmtheiten gesammelt werden können. Was einst mit dem Slogan „Broadcast Yourself“ (zu Deutsch: „Sende dich selbst“) auf Youtube begann, ist über die Jahre zu einer Branche geworden: Influencer werben im Internet, vermarkten Produkte und können mit ihrer Beliebtheit und Authentizität vor allem junge Menschen beeinflussen.

Dass diese Kommerzialisierung nur von wenigen Kindern und Jugendlichen verstanden wird, zeigen die Kommentare im Webshop: „Mehr geht nich darauf hab ich schon immer gehofft und nun gibs das wirklich!! Tzon und Kayef sind auch dabei was will man mehrß??!? *-*“ oder „Ich hab gehört mrs bella ist auch dabei, stimmmt das?? und diana zur löwen ?? *-* ich brauch diese panini bilder!!“.

Kommerzialisierung und versteckte Werbung im Internet

Dabei ist gerade die kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten in sozialen Medien essentiell für Heranwachsende. Manche Youtuber oder Instagramer sind so bekannt, dass sie mit ihren Videos und Fotos viel Geld verdienen. Es wird gezieltes Product Placement betrieben. Gerade für Kinder ist es aber schwer, diese Vermarktung und Werbung zu durchschauen, denn inwiefern die Influencer von den beworbenen Marken Geld erhalten, bleibt oft im Dunkeln. Nur manchmal findet sich ein Hinweis, dass es sich um einen "Sponsored Post" handelt. Es ist daher wichtig, Kinder und Jugendliche über diese Art von Werbung aufzuklären und zu kritischem Hinterfragen aufzumuntern.

Stereotype und Geschlechterklischees

Kritisches Hinterfragen ist auch ein Stichwort, wenn es um fragwürdige Videos auf Youtube oder Bilder auf Instagram geht. Die Darstellung von Jungs und Mädchen beziehungsweise Frauen und Männern verläuft zunehmend in Stereotypisierungen. Erst vergangenes Jahr stand das YouTuber-Trio ApeCrime mit Videos wie „Frauen VS. Männer" oder „Worauf stehen Männer bei Frauen? " in der Kritik. Tenor: Frauen, die nicht kochen können, sind keine echten Frauen und Männer müssen nicht putzen.

Sexismus, eindimensionale Rollenbilder und idealisierte Leben werden aber auch auf Instagram reproduziert. Statements wie das von Essena O'Neill Ende 2015, die genug hatte vom schönen Schein der sozialen Medien, sind selten. Kinder und Jugendliche müssen unbedingt darüber aufgeklärt werden, dass soziale Medien nur den Bruchteil der Realität abbilden und die Inhalte dort hinterfragt werden müssen.

Lesen Sie zudem in der Kolumne von Gerlinde Unverzagt, wie sie mit der Panini-Pandemie umgeht.

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