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Weltschlaftag: Schlaflos durchs Smartphone?

Jeder fünfte Jugendliche lässt sich nachts durch eigehende Nachrichten auf dem Smartphone wecken. Viele haben Angst, etwas zu verpassen. Konzentration und Schlaf leiden darunter.

fotolia/Grafvision
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In vielen Schlafzimmern von Jugendlichen piepst und summt es auch in der Nacht regelmäßig. Freunde schicken Nachrichten und Bilder über WhatsApp, Snapchat, Instagram und Facebook, Online-Spiele verlangen nach neuen Aktionen.

Auch nachts "on"

Einer von fünf Heranwachsenden lässt sich nahezu jede Nacht von seinem Handy wecken. Jeder Dritte loggt sich mindestens einmal pro Woche zu später Stunde ein. Mädchen sind dabei aktiver als Jungen. 

Das geht aus einer britischen Studie der Waliser Cardiff-Universität hervor. Die Forscher haben zudem herausgefunden, dass Jugendliche, die nachts auf Dauerempfang sind, tagsüber bis zu dreimal müder sind als ihre Klassenkameraden. Das Schlafdefizit wirke sich wiederum auf das allgemeine Wohlbefinden aus. Für die Studie wurden 900 Schüler zwischen zwölf und 15 Jahren mittels Fragebogen zu ihren Schlafgewohnheiten befragt.

FOMO macht unglücklich

Jugendliche, die für den Medienkonsum "fast immer" aufwachen, gaben auch an, unglücklicher zu sein. Auch eine Studie der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen zeigt, das ein Smartphone auch ein Stressfaktor sein kann. 21 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine sehr starke Bindung auf. Dies äußere sich unter anderem dadurch, dass sie ständig an das Mobiltelefon denken, es auf neue Nachrichten überprüfen oder zum unspezifischen Zeitvertreib nutzen. Acht Prozent von ihnen seien so stark involviert, dass sie als suchtgefährdet bezeichnet werden müssten. Wie die Studie der Universität Landau-Koblenz ergab, beschäftigen sich drei von vier Jugendlichen noch in den letzten zehn Minuten vor dem Zubettgehen mit ihrem digitalen Begleiter. Bei 60 Prozent liegt das Gerät auf dem Nachttisch, bei 23 Prozent direkt im Bett. Nur zwei Prozent ließen das Smartphone außerhalb des Schlafzimmers.

Die exzessive Nutzung sei von der Angst getrieben, aus dem Freundeskreis ausgeschlossen zu werden. Getrieben sind diese Jugendliche oft von der Angst etwas zu verpassen (fear of missing out, kurz: FOMO). Eben auch in der Nacht.

Mediziner warnen vor exzessiver Mediennutzung

Kinderärzte mahnen, dass exzessive Mediennutzung die Konzentration sowie Immunsystem und Wachstum beeinträchtige. Weitere Untersuchungen der "Blikk-Studie" sollen darüber Aufschluss geben, so SCHAU HIN!-Beirat Uwe Büsching vom Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte.
Von den mehr als 6.000 untersuchten Kindern und Jugendlichen der ersten Studienphase nutzen drei Viertel der Zwei- bis Vierjährigen bereits täglich 30 Minuten ein Smartphone. Bei ihnen zeigten sich Zusammenhänge zwischen Nutzungsdauer und Sprachentwicklung. Ähnliches ergebe sich bei älteren Kindern, was Lese- und Rechtschreibschwächen, Aufmerksamkeit und Aggressivität anginge. Jugendliche aktivieren ihre mobilen Telefone im Schnitt bereits 120- bis 150-mal am Tag.

Tipps für Eltern

Zeiten vereinbaren

Wichtig ist aber, dass Sie von Anfang an auf die Inhalte schauen und Zeiten setzen. Dabei helfen Klassiker wie eine Eieruhr neben dem Bildschirm oder die Aktivierung von Zeitschaltuhren. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, dass es lernt, sich die Medienzeit selbst und vernünftig einzuteilen. Dabei hilft auch, Regeln verbindlich zu vereinbaren und festzuhalten, etwa in einem Mediennutzungsvertrag.   

Wir empfehlen folgende Richtwerte

  • bis 5 Jahre: bis eine halbe Stunde am Tag
  • 6-9 Jahre: bis zu einer Stunde am Tag
  • ab 10 Jahre: rd. 9 Stunden pro Woche

Als eine andere Orientierung gilt ein Limit der Medienzeit von 10 Minuten pro Lebensjahr am Tag oder 1 Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Für Kinder ab 10 Jahren bietet sich das Wochenkontingent an, das sich Kinder ähnlich wie beim Taschengeld zunehmend selbstständig einteilen können.

Pause machen

Wichtig ist Handy & Co. bei Treffen, beim Essen, bei den Hausaufgaben und vor dem Schlafengehen beiseite zu legen, um Respekt zu zeigen, sich zu konzentrieren und zur Ruhe zu kommen. Forscher haben heruasgefunden, dass das gleißende Licht der Bildschirme das Hormon Melatonin unterdrücken kann, das die Schlaf- und Wachphasen regelt. Ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen sollte man die Geräte daher am besten aus der Hand legen. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und schalten Sie auch einmal ab.

Auf Anzeichen achten

Oft beginnt eine extreme Mediennutzung nicht plötzlich. Achten Sie auf Anzeichen. Vor allem wenn Ihr Kind Langeweile vor allem durch Medien vertreibt, ständig unruhig und unkonzentriert wirkt sowie andere Beschäftigungen darunter leiden. Ab wann Eltern die Mediennutzung ihres Kindes als bedenklich einstufen, ist bei jedem Kind individuell verschieden. Dabei zählen neben der Häufigkeit der Nutzung auch die Motivation dahinter z.B. Langeweile vertreiben, im Kontakt mit Freunden sein oder aktuelle Ereignisse mitbekommen. Hinweise darauf, dass die Mediennutzung zu viel wird, sind die Vernachlässigung von Schulpflichten, der Rückzug von anderen Aktivitäten und Interessen oder aus Freundschaften sowie starke Launenhaftigkeit oder Gereiztheit.

Abwechslung und Hilfe bieten

Abwechslung bieten: Kinder sollten unterschiedliche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung kennenlernen und Mediennutzung nicht als Lösung von Langeweile einsetzen.

Hilfe suchen: Haben Eltern Anhaltspunkte für eine „Mediensucht“ bei ihren Kindern oder führt die Mediennutzung zu lang anhaltenden und heftigen Konflikten, können Eltern auch Beratung suchen, passende Stellen finden sie in unserem Initiativenatlas und bei Beratungsstellen vor Ort.

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