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Wie Fotos von Models und Sportlern Jugendliche belasten

Instagram wird immer beliebter. Doch von allen sozialen Netzwerken, hat die Plattform den negativsten Einfluss auf das Wohlbefinden von Jugendlichen, sagt eine Studie aus Großbritannien.

© Fotolia/aerogondo
© Fotolia/aerogondo

Ein Strandfoto aus Italien, ein kurzer Clip aus dem Fitnessstudio, der perfekte Sonnenuntergang als Bild – es sind Momente wie diese, die von Freunden, aber oft von Sportlern, Models und anderen Prominenten über soziale Medien verbreitet werden und mit denen sich viele Jugendliche im Alltag vergleichen. Immer mehr Wissenschaftler glauben, dass genau diese Vergleiche zu psychischen Störungen führen können und besonders eifrige Nutzer von sozialen Medien mit Angstzuständen, Depression, Schlafstörungen und Verklärungen des eigenen Körpers belasten.

Youtube allein mit positiver Wertung

Instagram, das legt nun eine aktuelle Studie aus Großbritannien nahe, habe dabei den negativsten Effekt auf Jugendliche. Wissenschaftler fragen dazu etwa 1500 britische Jugendliche im Alter von 14 bis 24 Jahren, wie sie sich nach dem Nutzen von sozialen Medien fühlten, ob sie verängstigt seien, sich zu einer Gemeinschaft zugehörig wähnten, schlafen könnten, ob sie mit ihrem eigenen Körper zufrieden seien und anderes. Zur Debatte standen Instagram, Facebook, Snapchat, Youtube und Twitter.

Ergebnis: unter den befragten Plattformen habe nur Youtube einen im Durchschnitt positiven Effekt auf das Wohlbefinden von Heranwachsenden. Alle anderen Netzwerke zeigen negative Einflüsse. Die Reihenfolge der Plattformen mit negativen Effekten liest sich dabei wie folgt (von weniger schlimm zu stärker belastend): Twitter, Facebook, Snapchat, Instagram. Als überaus negativ beurteilten die Befragten dabei die Foto-App Instagram, bei der Nutzer besonders kuratierte Fotos und Videos von sich und ihrer Umgebung posten. „Instagram schafft es auf einfache Weise, dass Mädchen und Frauen sich so fühlen, als ob ihre Körper nicht gut genug sind“, schreibt eine Wissenschaftlerin im Bericht. Der Effekt komme zustande, da Nutzer Bilder durch Filter und Bearbeitungsprogramme so veränderten, dass sie „perfekt“ aussähen.

Soziale Netzwerke sollen manipulierte Bilder kennzeichnen

Der Bericht des “Royal Society for Public Health” (RSPH), eines unabhängigen Wohlfahrtsverbandes, sowie der Universität Cambridge, zeichnet ein überaus negatives Bild von sozialen Netzwerken. Zwar betonen die Forscher mögliche „Potentiale“ von Facebook und Co., wie Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, die Teilhabe an Gefühlen anderer oder die Möglichkeit, sich auszudrücken. Doch überwiegen negativen Folgen, die die Autoren in einer Art Teufelskreis zusammen fassen: Unwohlsein und Stress verursachen Schlafmangel, was wiederum Müdigkeit verstärkt, was zu Schwierigkeiten im Alltag führt, was zu einer geringen Wertschätzung der eigenen Person führt und was schließlich wieder Stress verursacht.

Der einflussreiche Verband RSPH fordert daher, dass soziale Medien die Gefahren für junge Menschen stärker betonen sowie Betroffene gezielter identifizieren und ihnen helfen. Darüber hinaus müssten Plattformen angeben, welche Bilder manipuliert worden seien, damit sich Jugendliche mit den Bildern weniger vergleichten.

Was Eltern tun können

Stärken Eltern das Selbstvertrauen des Kindes, kann es sich leichter von gefährdenden Inhalten und falschen Vorbildern distanzieren. Denn entscheidend dabei, wie Kinder mediale Einflüsse aufnehmen und ausleben, ist ihr eigenes Körperbild. Mit einem gesunden Selbstvertrauen und einem positiven sozialen Umfeld spricht nichts gegen spaßige Fitness-Wettbewerbe untereinander oder die Teilnahme an „Challenges“ auf Facebook & Co.

Stars als Trendsetter reflektieren

Oft eifern die Jüngsten ihren Vorbildern nach oder wetteifern mit Gleichaltrigen mit eigenen Bildern in sozialen Netzwerken. „Natürlich setzen Stars Trends. Das ist kein neues Phänomen. Neu ist, dass wir nicht mehr nur ihre Frisuren oder ihren Kleidungsstil nachahmen können, sondern eben auch die Art, wie sie sich online inszenieren“, so SCHAU HIN!-Beirat Dr. Astrid Carolus, Medienpsychologin an der Universität Würzburg. Selektive Bildauswahl und nachträgliche Bearbeitung tun ein Übriges. Eltern können ihrem Kind deutlich machen, dass sie sich nicht diesem Rummel um Aufmerksamkeit ausliefern müssen und überlegen, inwiefern manche Stars als persönliche Vorbilder taugen, die sich oft mit einem ganzen Stab an Mitarbeitern selbst medial vermarkten, um im Gespräch zu bleiben.

Risiken benennen

Wichtig ist auch, dass Eltern mit ihrem Kind über Risiken übermäßiger Selbstdarstellung im Netz sprechen. So können Bilder oder Clips nicht nur Likes, sondern auch bösartige Kommentare nach sich ziehen oder von anderen missbraucht werden.

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