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Wie Rechtsextreme Hass schüren und Jugendliche ködern

Der neue Bericht zu Rechtsextremismus im Netz zeigt, wie Rechte Hassbotschaften durch Fake-News und Lifestyle-Elemente transportieren, die sich gerade auch an Jugendliche richten. Umso wichtiger, dass Eltern und Erziehende darüber aufklären.

© JiSign / Fotolia
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Rechtsextreme gehen im Netz immer perfider vor, um Jugendliche zu ködern und ihre Ideologie
der Ungleichheit zu verbreiten. Aktuelle Erkenntnisse, Zahlen und Gegenstrategien zu Rechtsextremismus im Internet stellten das Bundesfamilienministerium, die bpb und jugendschutz.net am 14. Februar in Berlin vor. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Mit frei erfundenen oder verfälschten Meldungen schüren Rechtsextreme Hass gegen Geflüchtete, Muslime und andere Minderheiten.
  • Jugendaffine Themen wie Onlinespiele, Hip-Hop oder Ernährungstrends dienen dabei als Türöffner.
  • Über provokante Beiträge im Social Web erreichen sie auch viele junge User außerhalb extremistischer Kreise.

"Falschmeldungen werden gezielt lanciert, um Hass zu schüren", sagt Stefan Glaser,
stellvertretender Leiter von jugendschutz.net. Die mediale Inszenierung habe dabei eine neue
Qualität erreicht, der extremistische Hintergrund sei häufig verschleiert. "Rechtsextreme vermitteln
ihre Botschaften über stylische Memes und Videos. Da verpackt die Identitäre Bewegung
ihre Propaganda in coole Hip-Hop-Songs oder es tauchen bei Facebook Nazi-Parolen
zwischen Fotos von Erdbeerkuchen und Müsli auf".

Digitale Zivilgesellschaft stärken

Auf der Internetseite hass-im-netz.info hat Jugendschutz.net die Ergebnisse über die Verbreitung der Falschmeldungen von Rechtextremen im Detail aufgeschrieben, ein Faltblatt fasst es übersichtlich zusammen.

Jugendschutz.net ist im vergangenen Jahr gegen 1.678 rechtsextreme Angebote vorgegangen, die die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gefährden können. 94 % wurden bei Facebook, YouTube
und Twitter festgestellt. In über 80 % der Fälle gelang es, über eine Kontaktaufnahme zum
Anbieter die unzulässigen Inhalte schnell zu entfernen oder für den Zugriff aus Deutschland
sperren zu lassen. 3 % wurden an die Medienaufsicht und die Strafverfolgung abgegeben..

„Hass und Hetze haben weder auf der Straße noch im Netz etwas zu suchen. Viele Jugendliche sind per Smartphone oder Tablet praktisch überall und rund um die Uhr erreichbar", sagt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Umso wichtiger sei es deshalb, dass gerade Jugendliche die Gefahren im Netz erkennen, widersprechen lernen und Hass-Beiträge auch melden könnten. "Wir müssen die digitale Zivilgesellschaft stärken und zugleich die Betreiber von Internetdiensten in die Pflicht nehmen, Hass und Gewalt konsequent von ihren Plattformen zu verbannen“, so Manuela Schwesig.

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Wie Kinder Fake-News erkennen lernen

"Wir brauchen eine junge Generation, die für demokratische Werte und Menschenrechte eintritt und entschieden die Grundfeste unserer Gesellschaft verteidigt", fordert der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger. Politische Bildung müsse Jugendliche dabei unterstützen, Fake-News zu erkennen, Hetze entgegen zu treten und sich mit den Opfern von Hass zu solidarisieren. „Bildung und Aufklärung sind der Schlüssel“ ergänzt Krüger.

5 Tipps, wie Eltern ihren Kindern helfen können, Fake-News zu erkennen und sich davor zu schützen.

1. Aufmerksam sein

Im Zuge der aktuellen Debatte, können Eltern mit ihrem Kind über Falschmeldungen diskutieren. Vielleicht haben sie selbst auch schon einmal unseriöse und reißerische Beiträge gesehen oder sich gefragt, ob eine Meldung wirklich echt ist. Dabei können Eltern betonen, dass es Menschen gibt, die gezielt falsche Informationen streuen, um Meinungen zu beeinflussen oder Geld zu verdienen. Nur weil etwas oft geteilt wurde oder eine Seite professionell gestaltet ist, heißt das nicht, dass die Informationen auch wahr sind. Am besten empfehlen Eltern ihrem Kind, Inhalte im Netz kritisch zu hinterfragen und dubiose Nachrichten nicht zu teilen, um andere nicht zu verunsichern.

2. Kritisch lesen

Falschmeldungen vermitteln oft einen seriösen Anschein, indem sie Zahlen oder Zitate nutzen. Diese sind meist nicht belegt oder verzerrt dargestellt. Hierbei gilt gemeinsam zu prüfen: Ist der Beitrag besonders einseitig geschrieben? Schürt er Emotionen und macht gegen andere Stimmung? Oder lässt er verschiedene Perspektiven zu Wort kommen? Die Website sogehtmedien.de von ARD und ZDF bietet für Jugendliche Tipps und Clips sowie Unterrichtsmaterialien zum Thema.

3. Quellen prüfen

Wichtig ist, die Quelle der Nachricht und einzelne Zitate oder Fakten zu prüfen. Dabei hilft ein Blick ins Impressum oder in das Profil des Absenders. Das Impressum muss Name, Anschrift und Kontaktmöglichkeiten (E-Mail und Telefon) des Anbieters enthalten. Redaktionelle Angebote müssen einen Verantwortlichen im Sinne des Pressegesetzes nennen. Hilfreich ist, immer auch zu prüfen, ob auch andere Medien diese Nachricht verbreiten. Fake News wurden meist schon durch andere entlarvt, die davor warnen. Portale wie mimikama.at klären über Falschmeldungen auf. Zudem listet hoaxmap.org rassistische Gerüchte in einer Karte mit Datum, Ort und Link zur Widerlung auf.

Bei zweifelhaften Bildern hilft es oft, in diese hineinzuzoomen. Auffälligkeiten wie verschwommene Flächen oder Farbverläufe lassen auf nachträgliche Bearbeitungen und Montagen schließen. Ein Bild kann man über die Google-Bildersuche (images.google.com) zurückverfolgen. Lädt man es hoch oder zieht es direkt in die Suchleiste, analysiert Google das Bild inklusive Dateinamen und zeigt Webseiten an, auf denen dieses oder ähnliche Bilder zu finden sind. Mit Rechtsklick auf das Bild kann man sich hinterlegte Informationen, wie Datum, Titel, Autor und Beschreibung, anzeigen lassen. Bei Videos auf Upload-Datum, Absender und Kommentare achten.

4. Freunde informieren und Inhalte melden

Profile und Seiten, die laufend unseriöse Beiträge in sozialen Netzwerken posten oder teilen, sollte man meiden. Posten befreundete Nutzer Fakes, sollte man sie darauf hinweisen oder im Profil einstellen, dass man ihre Beiträge nicht mehr abonniert, bzw. ihnen nicht mehr folgen.

Bei ungeeigneten Beiträgen sollten sich Kinder an die Eltern wenden, damit diese die Beiträge dem Betreiber melden oder sich bei Verdacht auf Straftaten mit Screenshots an externe Stellen wie internet-beschwerdestelle.de, jugendschutz.net bzw. die Polizei wenden können.

5. Alternativen nutzen

Kinder brauchen geeignete Informationen. Google, Facebook & Co. sind daher nicht geeignet. Für sie eigenen sich Kindermedien mit moderierten und verständlichen Inhalten wie meine-startseite.de logo!, neuneinhalb, der Kinderradiokanal, kindernetz.de/minitz, news4kids.de, sowieso.de und hanisauland.de oder die Kindersuchmaschinen blinde-kuh.de, fragfinn.de und helles-koepfchen.de

Stellung gegen Hass im Netz beziehen

Eltern können ihrem Kind diese Punkte zum sicheren Chatten und Umgang mit Störern vermitteln:

1. Quellen kritisch prüfen

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, Websites sowie Profile und Seiten in sozialen Netzwerken kritisch zu prüfen, auch Freundschaftsanfragen. Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes hat zu rechten Symbolen und Zeichen eine Übersicht erstellt. Weitere Informationen bietet die Bundeszentrale für politische Bildung in einem Dossier Rechtsextremismus.

2. Propaganda entlarven

Nicht jeder menschenfeindliche Beitrag ist als solcher offensichtlich. Prüfen Sie gemeinsam Informationen zu Überfremdung, Deutschenhass, Flüchtlingsströmen etc., nutzen Sie Infomaterial und stärken Sie so Ihr Kind auch argumentativ.

  • Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet ein Dossier Migration, Flyer zu Rassismus, Homophobie und Antisemitismus und einen Erklärfilm zu Rassismus.
  • Fluter, dem Jugendangebot der Bundeszentrale für politische Bildung, bietet altersgerechte Informationen im Heft zu Flucht und im Dossier Migration.
  • ProAsyl hat viele Vorurteile gegen Flüchtlinge hier mit Fakten entkräftet.
  • Die Süddeutsche Zeitung bietet hier Fakten zur Zuwanderung und hier eine Statistik über “Wirtschaftsflüchtlinge”.
  • Tagesschau.de hat Vorurteile gegen Flüchtlinge hier und Balkanflüchtlinge hier entkräftet und klärt hier über die Unterschiede zwischen Asylbewerbern, Flüchtlingen und Migranten auf.
  • Der Mediendienst Integration informiert hier über die Situation in Herkunftsländern von Flüchtlingen.
  • Der UNHCR liefert hier Zahlen und Lageberichte über die Situation der Flüchtlinge weltweit.
  • Eine genauere Statistik über “Wirtschaftsflüchtlinge” gibt es hier bei der Süddeutschen Zeitung.

3. Hassparolen melden

Rechtsextreme Inhalte können gegen deutsches Recht oder die Geschäftsbedingungen der Dienste verstoßen und sollten gemeldet werden. Ansprechpartner sind Seiten wie www.jugendschutz.net, www.internet-beschwerdestelle.de oder www.i-kiz.de. In Netzwerken können Sie Inhalte bei den Betreibern melden. Als Beweise dienen Screenshots und Notizen zu Datum, Uhrzeit, Nickname etc.

4. Informieren und thematisieren

Wenden Sie sich an die Schule oder an Beratungsstellen, wenn Ihr Kind vermehrt mit rechten Parolen konfrontiert wird. Beratung bieten Portale wie online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de, hass-im-netz.info oder netz-gegen-nazis.de. Diese sind kostenlos, anonym und vertraulich. Projekte vor Ort finden sich im Atlas des Bundesprogramms "Demokratie leben", das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen hat.

5. Sensibilisieren und schützen

Verdeutlichen Sie Ihrem Kind durch einen Perspektivwechsel, welches menschenfeindliche Weltbild hinter rechten Allgemeinplätzen steht: „Was wäre, wenn Du flüchten müsstest und Dich niemand willkommen heißt?“ Stärken Sie das das Selbstvertrauen des Kindes, damit es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren kann. Verzichten Kinder auf die Angabe privater Informationen können Rechte weniger leicht Rückschlüsse auf Namen, Wohnort oder Schule ziehen und bedrohen.

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