AGB auf Instagram jetzt auch verständlich

Eine britische Anwältin macht die Nutzungsbedingungen von Instagram für Jugendliche lesefreundlich und zeigt, worauf man sich dabei wirklich einlässt.

fotolia/carballo
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Jeder, der schon mal versucht hat, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Facebook, Google oder Snapchat zu lesen, merkt schnell: Sie sind lang, unverständlich und nicht verhandelbar. So verwundert es nicht, dass auch Kinder und Jugendlich diese eher wegklicken, als tatsächlich zu lesen.

Die britische Anwältin Jenny Afia hat nun die Nutzungsbedingungen der sozialen Plattform Instagram in eine verständliche Sprache übersetzt. Im Auftrag des britischen Jugendschutzwerkes „Children’s Commssioner“ erarbeitete sie für den Report "Growing up digital" einen Katalog von Bedingungen, auf die sich Nutzer einlassen, wenn sie sich bei der Plattform zum ersten Mal anmelden.

AGB im Klartext

Einige der Paragrafen in deutscher Übersetzung lauten:

  • „Offiziell besitzt Du alle Original-Bilder und Videos, die Du postest. Aber wir dürfen sie benutzen, und wir können andere überall auf der Welt sie auch verwenden lassen. Andere könnten uns für die Benutzung Geld bezahlen und wir werden Dich dafür nicht entlohnen“
  • „Wir können Deine persönlichen Daten mit Unternehmen, die mit Instagram verbunden sind, behalten, verwenden und teilen. Diese Informationen beinhalten Deinen Namen, E-Mail-Adresse, Schule, wo Du lebst, Bilder, Telefonnummer, Deine Vorlieben und Abneigungen, wo Du hingehst, wer Deine Freunde sind, wie oft Du Instagram verwendest und alle anderen persönlichen Informationen wie etwa Deinen Geburtstag oder die Personen, mit denen Du – auch über private Nachrichten – chattest.“
  • „Wir dürfen Dir Anzeigen zusenden, die nach unserer Beobachtung mit Deinen Interessen verknüpft sind. Du kannst uns nicht davon abhalten und es wird nicht immer klar sein, dass es eine Anzeige ist.“
  • „Wir können Instagram verändern, beenden oder Dich daran hindern, auf Instagram zuzugreifen – jederzeit, aus irgendeinem Grund und ohne Dich vorher davon wissen zu lassen. Wir können auch, ohne Dir den Grund zu nennen, Beiträge und andere Inhalte nach dem Zufallsprinzip löschen. Wenn wir dies tun, müssen wir Dir dafür kein Geld bezahlen und Du hast kein Recht dich zu beschweren.“
  • „Wir können Dich dazu zwingen, Deinen Benutzernamen aus irgendeinem Grund aufzugeben.“
  • „Wir können, müssen aber nicht, jeden Post oder jedes Konto entfernen, bearbeiten, blockieren und/oder überwachen, von denen wir denken, dass sie eines unserer Regeln brechen. Wir sind nicht dafür haftbar, wenn jemand gegen das Gesetz oder gegen unsere Regeln verstößt. Solltest Du aber gegen diese Regeln verstoßen, bist Du dafür verantwortlich.“
  • „Wenn Du Dein Instagram-Konto aufgibst […], werden Deine Fotos, Beiträge und Dein Profil aus Deinem Konto verschwinden. Wenn aber jemand Deine Fotos oder persönliche Daten freigegeben hat oder wenn wir sie aus irgendeinem Grund verwendet haben, können sie immer noch auf Instagram erscheinen.“

Verständis schafft Kompetenz

Die Autoren der Studie wählten die Instagram-AGBs aus, weil die Plattform besonders unter Jugendlichen beliebt sei. Mit etwa einer halben Milliarde Nutzern weltweit gehört das Foto- und Videonetzwerk zu den angesagtesten sozialen Netzwerken. Doch auch andere Dienste, wie Facebook oder WhatsApp verfügten über ähnliche Restriktionen und Verzichtserklärungen. Gemäß den Autoren seien nur Menschen mit einem Universitätsabschluss in der Lage, solch komplizierte Allgemeine Geschäftsbedingungen wirklich zu verstehen.

Für Anwältin Afia, die die AGBs übersetzt hat, ist Verstehen dabei nur der erste Schritt zu Veränderungen: sobald Nutzer die Bedingungen, denen sie zustimmen, verstehen, würden sie von sich aus bessere Konditionen verlangen, sagte sie dem US-Magazin Quartz. „Ein Drittel der Internet-Nutzer sind Kinder, aber das Internet wurde nicht für Kinder erfunden“, so die Britin.

Gerade Kindern ist oft nicht bewusst, welche Daten sie weitergeben und wie sie ihre Privatsphäre schützen können. Hier sind Eltern gefragt, sie mit Tipps und als Vorbild zu begleiten. Unsere Hinweise im Extrathema Datenschutz unterstützen dabei.

Nutzerrichtlinien für Jugendliche

Allgemeine Nutzungsregeln dienen dazu die Sicherheit der Nutzer zu wahren und das Miteinander im Netzwerk zu ermöglichen, aber auch Instagram von der Verantwortung zu entbinden. Die adaptierte Version offenbart aber auch, was Instagram von Mitbestimmung hält: "Sende uns keine Ideen, wie wir Instagram verbessern sollten". Vor allem aber die ersten sieben Grundregeln sind zu empfehlen:

  1. Du musst älter sein als 13 Jahre.
  2. Poste nichts, das Gewalt zeigt oder andere ängstigen könnte. Poste keine Nacktbilder.
  3. Benutze keine fremden Accounts ohne die Erlaubnis der Besitzer und versuche nicht ihre Login-Informationen herauszufinden.
  4. Lasse niemanden Deinen Account benutzen.
  5. Halte Dein Passwort geheim.
  6. Mobbe niemanden und poste nichts Schreckliches über Menschen.
  7. Poste keine privaten und persönlichen Informationen anderer Leute.
  8. Benutze Instagram für nichts Illegales und nichts wovon wir Dir sagen, dass Du es nicht tun sollst.
  9. Wenn Du eine Webseite zu deinem Benutzernamen hinzufügen möchtest, versichere Dich zuerst, dass Instagram es Dir erlaubt.
  10. Verändere nichts bezüglich unserer Seite oder Anwendungen, lade keinen Virus hoch und tue nichts, das die Instagram-Funktion beeinträchtigt. Sende uns keine Ideen, wie wir Instagram verbessern sollten.
  11. Verwende keine Software oder Bots, um Accounts zu erstellen und um auf Instagram zuzugreifen. Versende keine Spams oder ungewollte Emails.
  12. Lese unsere Benutzerrichtlinien und befolge sie, wenn Du Instagram benutzt.
  13. Tue nichts, das andere beeinflüssen könnte, wie sie Instagram benutzen.
  14. Ermutige niemanden, gegen diese Regeln zu verstoßen.

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