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"Wow, dieser Artikel wird Ihr Leben verändern" – Kampf um jeden Klick

"Das musst du sehen" oder "21 Bilder, die dein Leben verändern": Viele Newsseiten wie heftig.co werben mit sogenanntem "Clickbaiting" (Klickködern) aggressiv um Klicks. Gerade unerfahrene Nutzer klicken dabei leicht auf News, die sich als "Ente" entpuppen, oder teilen ungeeignete Inhalte. ‎Facebook‬ hat nun angekündigt, solche Beiträge stärker auszusieben. Wir empfehlen Ihnen, Ihre Kinder auf die Maschen der Betreiber aufmerksam zu machen und ihnen mitzugeben, wie sie unwichtige von relevanten Informationen im Netz unterscheiden können.

Reißerische Schlagzeilen kennt man besonders aus dem Boulevard und funktionieren ähnlich bei Newsseiten: Hier geht es vor allem darum, Nutzer zum Anklicken und Teilen eines Artikels zu animieren, und damit die Zugriffe auf der Seite und auch die Werbeeinnahmen für die Betreiber zu erhöhen. Ein wichtiger Verbreitungsweg sind soziale Netzwerke. Bislang hat etwa Facebook häufig angeklickte Beiträge in vielen Nachrichtenströmen anzeigt. Diese wurden immer öfter angeklickt, so dass eine Kettenreaktion entstand. Um in der Fülle der Meldungen im Newsfeed eines Nutzers möglichst aufzufallen, nutzen daher viele Seitenbetreiber das Clickbaiting.

Inszenierung geht vor Inhalt

Folgende Mittel sind beim aggressives Anpreisen eines Artikels besonders beliebt, die meist darauf schließen lassen, dass nicht der Inhalt selbst, sondern dessen Inszenierung den Erfolg begünstigt:

  • Reißerische Überschrift: Entscheidend ist die Headline, die der Nutzer in ein zwei Sekunden erfassen können muss. Sie muss Spannung erzeugen, darf dabei aber nicht zu viel verraten. Oft folgt auf einen erzählenden Einstieg, gefolgt von einem Knalleffekt und einem "Cliffhanger". Dieses Mittel ist auch aus dem Fernsehen bekannt und meint, dass die Erzählung im entscheidenden Moment unterbricht. Reizwörter und direkte Aufforderungen steigern die Neugier, etwa: "Er wohnte auf einer Insel inmitten von 13 Mio. Menschen. Keiner beachtete ihn, bis eine Frau hinsah." (Likemag.com).
  • Virale Videos: Immer öfter werden Videos geteilt, "die man gesehen haben muss". Die Clips selbst sind oft weniger spektakulär, als deren Bewerbung verspricht, etwa "Bei dieser 79-jährigen Tänzerin gähnen zuerst alle... doch plötzlich geschieht etwas Unfassbares. WOW!" (Likemag.com). Oder sie geben falsche Tatsachen vor, wie die Attacke von einem weißen Hai, ein misshandelter Hund oder der angebliche Tod eines Prominenten.
  • Listen: Viele dieser Seiten sind vor allem für sogenannte "Listicles" bekannt, also Artikel mit Listen zu einem Thema. Sie zeigen über eine konkrete Zahl, dass Nutzer nur wenige Bilder oder Absätze ansehen müssen und versprechen hierfür bahnbrechende Erkenntnisse oder große Unterhaltung, etwa "Das sind die mit Abstand 27 peinlichsten Familienfotos. Nummer 16 wird dich kreischend zusammenbrechen lassen." (hetig.co).

Enttäuschung und Betrug

Viele Betrüger kopieren diese Vorgehensweise, um Nutzer auf externe Seiten zu locken, E-Mail-Adressen zu sammeln und Abos zu verkaufen. Mit Klick auf den Link eines solchen Beitrags gelangt der User meist auf eine Seite, auf der er aufgefordert wird, den Inhalt zu teilen oder zu "liken" bevor das Video startet. Doch dahinter steckt dann nicht das Video sondern Angebote externer Werbe-, Flirt- oder Gameportale stecken hinter diesem Button. Und so abonniert der Nutzer eine externe Seite, deren Inhalt er nicht kennt, und empfiehlt diese unwissentlich seinen Facebookfreunden.

Vorrang für Relevanz

Nun kündigte Facebook in einem Blogbeitrag an, stärker gegen Clickbaiting vorzugehen. So will man messen, wie viel Zeit die User darauf verwenden, einen Artikel zu lesen, und wie intensiv ein Beitrag diskutiert wird oder wie viele "Likes" er bekommt. Kommt jemand nach dem Klick auf einen Link sofort wieder zu Facebook zurück und diskutieren oder liken nur relativ wenige Leute einen häufig angeklickten Artikel, deute dies auf wenig relevante Inhalte hin.

So können Sie Ihr Kind sensibilisieren

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es Webseiten und Links meidet, die mit angeblich schockierenden Inhalten werben. Erklären Sie Ihrem Kind, dass seriöse Anbieter auf solche Überschriften weitestgehend verzichten, dafür aber oft vertrauenswürdige Informationen bieten. Erhalten Sie oder Ihr Kind von bestimmten Freunden oder Seiten oft unseriöse Inhalte oder Angebote, können Sie deren Benachrichtigungen abstellen oder die (virtuelle) Freundschaft kündigen. Auch angebliche Gewinnspiele, die Nutzer mit übertriebenen Headlines oder Zeitdruck zur Teilnahme auffordern, sind nicht seriös.

Haben Sie oder Ihr Kind bereits auf einen dieser Beiträge geklickt, kontrollieren Sie umgehend, ob entsprechende Statusmeldungen auf Ihrem Profil veröffentlicht wurden und ob Sie unbewusst die Seite "geliked" haben. Löschen Sie die Statusbeiträge von Ihrer Facebook-Seite und entfernen Sie ungewollte Seiten aus Ihrem Profil. Wer nicht sehen will, was Facebook als wichtig berechnet, sondern was seine Freunde gerade geteilt haben, muss den Nachrichtenstrom manuell unter Neuigkeiten von "Hauptmeldungen" auf "Neueste Meldungen" umschalten. Melden Sie entsprechende Anbieter auf der Plattform oder bei externen Stellen wie jugendschutz.net unter hotlinejugendschutz net oder der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia Diensteanbieter unter hotlinefsm de.

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