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YouTube-Stars als Vorbild für Heranwachsende

YouTube gehört für 10- bis 12-Jährige zu den Must Haves der Online-Welt. Dies zeigt der neueste Short Report der ACT ON!-Monitoringstudie des JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Die Studie setzt sich mit der Sichtweise der Altersgruppe auf YouTube-Stars, Games und Online-Kosten sowie Online-Risiken auseinander. Einige Ergebnisse fasst Gastautorin Christa Gebel hier zusammen und gibt Anregungen für den elterlichen Umgang mit der YouTube-Begeisterung ihrer Kinder.

Die alltägliche Internetnutzung, sei es an Computer, Tablet oder Smartphone, schließt für viele Kinder dieses Alters das Anschauen ihrer YouTube-Lieblinge ein. Bei den Video-Bloggern stoßen sie auf Orientierungsangebote zur Bewältigung von Alltagsproblemen, Tipps und Tricks im Umgang mit Apps und Games sowie jede Menge Neuigkeiten in Sachen Lifestyle, Mode und Konsum.

Von Life Hacks bis Pranks

In den YouTube-Kanälen finden die Kinder neben nützlichen und kreativen „Life Hacks“ (z. B. Wie bekomme ich Kaugummi aus meiner Lieblingsschere?) über Warnungen vor Computerviren und anderen Tücken der Online-Welt leider auch fragwürdige Inhalte.

Letztere präsentieren sich besonders im Bereich Comedy und Prank (siehe Kasten) in Form von fragwürdigen Stereotypen und wenig nachahmenswertem Sozialverhalten. In Bezug auf diese oft mit schwarzem Humor versetzten vorurteilsbehafteten Darstellungen und unangemessenen Verhaltensweisen ist nicht sicher, inwieweit die junge Zielgruppe sie richtig einzuordnen weiß.

Aber auch die medienbezogenen Tipps und Tricks von Youtubern sind nicht immer ohne Haken und Ösen, so etwa wenn sie in rechtliche Graubereiche führen. Und schließlich speist sich so mancher ‚heiße Tipp‘ eines YouTube-Stars in Sachen Make-up und Outfit aus den Werbe-Etats der Mode- und Kosmetikbranche.

Stars auf allen Kanälen

Viele der ca. einhundert 10- bis 12-jährigen Befragten haben ausgesprochene YouTube-Lieblinge, die sie recht unkritisch beurteilen und deren Aktivitäten sie eng verfolgen. Um stets auf dem Laufenden zu sein, legen sie sich einen eigenen YouTube-Account an und abonnieren die Kanäle ihrer Stars. Nicht wenige Kinder greifen auch den Anstoß der YouTuberinnen oder YouTuber auf, sich mit ihnen auf Twitter, Instagram oder Snapchat zu vernetzen, wie beispielsweise eine 12-Jährige beschreibt:

Ja, ich habe einen Twitter Account, weil irgendwann habe ich gemerkt, einer meiner Lieblings-Youtuber gesagt hat ‚Folgt mir auf Twitter‘, und so. Weil da kündigen die auch hin und wieder Livestreams an. Das man das dann live anschaut. Deswegen bin ich auch auf Twitter. Aber ich gehe auch nicht so oft drauf, aber ich versuche es schon öfter.

Damit folgen sie ihren YouTube-Lieblingen auch in Online-Netzwerke, in die sie sich ohne solche Anstöße wahrscheinlich (noch) nicht begeben hätten, und müssen sich infolgedessen mit den dortigen Bedingungen und Spielregeln auseinander setzen. Manche Befragte haben, dem Vorbild bewunderter YouTube-Stars folgend, selbst begonnen eigene Videos hochzuladen und mit ihren Zuschauern auf YouTube oder Twitter in Kontakt zu treten. Leider sind die Erfahrungen dieser jungen YouTuberinnen und YouTuber nicht durchwegs positiv. Einige haben sich von harschen und persönlich abwertenden Kommentare entmutigen lassen und das Veröffentlichen eigener Videos bald aufgegeben.

Let's Plays als Spieleempfehlung?

Für die jungen Computerspielerinnen und -spieler sind YouTuber, die Let’s Plays produzieren, von höchstem Interesse. Besonders die begeisterten Minecraft-Fans suchen nach Anregungen und Kniffen im Umgang mit diesem sehr offen angelegten und in unterschiedlichster Weise spielbaren Online-Game. Für sie bieten einschlägige YouTuber Wegweisung durch das Dickicht der Apps, Mods, Launcher und Server. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass sie dabei auch auf Online-Angebote aufmerksam werden, deren technische Sicherheit und Legalität fraglich ist.

Zudem besprechen oder bespielen einige der YouTuber, die sich im Schwerpunkt z. B. mit Minecraft (USK 6) beschäftigen, in ihren Videos auch solche Games, die für die Altersgruppe der bis 12-Jährigen nicht geeignet sind (USK 16, USK 18). Damit steigt für die jungen Gamer vermutlich der Reiz, solche Spiele auch selbst einmal auszuprobieren. Nur wenige Let’s Play-Produzenten wie z. B. Domtendo oder Gronkh weisen ausdrücklich auf die Alterskennzeichnung der von ihnen eingesetzten Spiele hin und geben damit zumindest einen Hinweis darauf, dass Jüngere hier mit Inhalten und Darstellungsweisen konfrontiert sein könnten, die sie überfordern.

Einblick in Interessen der Kinder

Da im breiten Angebot von YouTube viel Nützliches und Wertvolles zu finden ist, sind Eltern gut beraten ihren Kindern den Zugang zur Videoplattform nicht grundsätzlich zu verwehren. Die YouTube-Stars der Kinder zu kennen und mit ihnen zu besprechen, was sie daran toll finden, hilft den Überblick über die Vorlieben der Kinder zu behalten. Ist aus Elternsicht Bedenkliches dabei, so führt es in der Regel selten zum Erziehungserfolg, die Vorlieben der Kinder in Bausch und Bogen abzuwerten.

Viel sinnvoller ist es, geschickt das kritische Bewusstsein der Kinder dafür zu wecken, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Geht es darum, dass die Kinder Accounts in unterschiedlichsten sozialen Netzwerken wünschen, um keine Aktivitäten ihrer Youtube-Lieblinge zu verpassen, so sollten gemeinsam Alternativen überlegt werden. Eventuell kann ein älteres Geschwister oder eine erwachsene Bezugsperson das Kind im Fall des Falles auf spannende Ankündigungen hinweisen.

Die Studie ist hier verfügbar.


Prank-Videos

In Prank-Videos werden Menschen vor laufender Kamera zur Belustigung des Publikums hereingelegt. Das Spektrum reicht von harmlosen Alltagsstreichen bis hinzu Inszenierungen von Verbrechen etc. Etliche Prank-Videos bewegen sich im ethisch fragwürdigen Bereich.



ACT ON! Monitoring-Studie

Seit zwei Jahren untersucht das JFF im Auftrag des BMFSFJ die Sichtweise der Altersgruppe von 10 bis 14 Jahren auf Online-Angebote und Online-Risiken. Bisher sind drei Short Reports erschienen, die unter jugendkonferenzen.de/act-on zum Download bereit stehen.


Diplom-Psychologin Christa Gebel arbeitet seit 1999 am JFF – Institut für Medienpädagogik und hat an zahlreichen Studien zum Medienumgang von Kindern, Jugendlichen und Familien mitgewirkt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Feldern Medien in der Familie, Computerspiele, Online-Umgang Heranwachsender und Jugendmedienschutz.

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