Keine Likes – kein Druck? Neue Instagram-Funktion für „Gefällt mir“-Angaben

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Instagram ermöglicht es seinen NutzerInnen, die Sichtbarkeit der „Gefällt mir“-Angaben ihrer Beiträge zu deaktivieren. SCHAU HIN! erklärt, wie sich die Neuerung auf das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen auswirken kann.

Vor einem weißen Hintergrund liegt ein Smartphone, über dem die Symbole für eine "Gefällt mir"-Angabe und die Benachrichtigung über eine/n neue/n FollowerIn und einen neuen Kommentar zu sehen sind
Cristian Dina/Pexels

Für manche NutzerInnen ein Fluch, für andere ein Segen: Die Anzahl der Likes auf ein gepostetes Foto oder Video bei Instagram. Während einige dadurch beobachten, was beliebt und angesagt ist, fühlen sich viele unter Druck gesetzt, möglichst viele „Gefällt mir“-Angaben zu erreichen, um als beliebt oder akzeptiert zu gelten. Das soziale Netzwerk Instagram bietet neuerdings verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, um die Like-Anzahl zu verbergen und damit den Druck zu reduzieren, den Menschen in diesem Zusammenhang verspüren können. UserInnen können selbst entscheiden, ob sie die Like-Anzahl bei eigenen oder fremden Beiträgen angezeigt bekommen möchten. Diese Funktion wird in den kommenden Wochen auch auf Facebook verfügbar sein.

Sichtbarkeit der Likes ausschalten

Eine der neuen Funktionen kann in den Instagram-Privatsphäreeinstellungen unter dem Punkt „Beiträge” ausgewählt werden. Die NutzerInnen können dort bestimmen, ob ihnen die Anzahl der Likes unter den Beiträgen anderer Accounts auf Instagram angezeigt werden soll. Diese Einstellung gilt für alle Beiträge außer den eigenen. Wer bei eigenen Beiträgen „Gefällt mir“-Angaben ausblenden möchte, kann dies über die drei Punkte oben rechts in der Ecke eines Beitrags tun. Diese Einstellung kann sowohl vor als auch nach der Veröffentlichung eines Beitrags vorgenommen werden – muss aber für jedes Foto und jedes Video individuell getätigt werden.

Der Effekt von Likes bei Heranwachsenden

Die eigene Selbstdarstellung im Netz gehört für Jugendliche oft zu ihrer Lebenswelt dazu und ist nicht selten auch eine Suche nach Bestätigung und Anerkennung unter Gleichaltrigen. Positive Reaktionen – etwa durch Kommentare oder Likes auf die eigenen Postings – dienen für viele als Maßstab für die eigene Beliebtheit. In einer Studie der University of California aus dem Jahr 2016 wurde festgestellt, dass bei TeenagerInnen Glücksgefühle ausgelöst werden, wenn sie sehen, dass ihre Posts in den sozialen Medien beliebt sind: Die neuronale Reaktion darauf gleicht sich mit den Reaktionen auf einen Geldgewinn oder ein Stück Schokolade.

Diese Mechanismen können auch einen negativen Einfluss haben: Wenn die positiven Reaktionen ausbleiben, kann das dem Selbstwertgefühl von Kindern und Jugendlichen schaden. So vergleichen und definieren sich viele junge InstagrammerInnen über die Likes. In manchen sozialen Gruppen entwickelt sich eine Art „Konkurrenzkampf“, höhere Like-Zahlen zu erzielen. Außerdem kann es vorkommen, dass eine niedrige Anzahl an „Gefällt mir“-Angaben als Anlass für (Cyber-)Mobbing genutzt wird. „Eltern sollten sich bewusst sein, welchen Einfluss Posts, Likes und Kommentare von Freunden in der Onlinewelt auf Jugendliche haben können – sowohl im Positiven als auch im Negativen“, heißt es in der Studie.

Weniger Druck ohne sichtbare Likes?

Wenn ein/e Instagram-NutzerIn die Sichtbarkeit der Likes bei den eigenen Beiträgen ausschaltet, wird die Zahl zwar für alle anderen verborgen, jedoch nicht für die Person selbst. Unter dem Foto oder Video liest sie zunächst „Gefällt Person XY und anderen“, über einen Klick auf diese Angabe lässt sich von dem Account aus, der das Bild oder Video gepostet hat, immer noch die genaue Like-Anzahl sehen. Es ist zu vermuten, dass der soziale Druck von außen für NutzerInnen durch die Neuerungen etwas verringert werden kann, weil für Dritte die soziale Vergleichbarkeit über Likes wegfällt. Nichtsdestotrotz kann das Ausbleiben der „Gefällt mir“-Angaben junge NutzerInnen niederschlagen – wenn sie die Zahlen als Maßstab für die eigene Beliebtheit sehen.  

Über sozialen Druck sprechen

Eltern können die neuen Funktionen zum Anlass nehmen, um mit ihrem Kind über die Mechanismen von sozialen Netzwerken ins Gespräch zu kommen, die möglicherweise ihr Wohlergehen beeinflussen. Ist ihm die Anzahl der Likes unter seinen Beiträgen wichtig? Fühlt es sich manchmal niedergeschlagen, wenn es eine geringere Resonanz erzielt, als es erwartet hatte? Eltern sollten auch verstehen, dass die Rückmeldung von Altersgenossen von vielen Jugendlichen, die in ihrem Selbstbild noch nicht gefestigt sind, als wichtig empfunden wird. Allgemein gilt es, außerhalb der Mediennutzung das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken, indem Eltern die Fähigkeiten ihres Nachwuchses anerkennen und Interessen fördern. Um etwas sozialen Druck von den Schultern der jungen InstagrammerInnen zu nehmen, können die Likes bei Kindern und Jugendlichen besser unsichtbar geschaltet werden.