Kinder-Smartwatches: mangelnder Datenschutz bei günstigen Modellen

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Über 600.000 Geräte stellen ein echtes Sicherheitsrisiko dar – das fand der Anti-Viren-Hersteller Avast in einer Untersuchung heraus. Meist handelt es sich um Billigfabrikate aus China, doch auch EU-Hersteller sind betroffen.

Smartwatch mit weißem Band an Handgelenk
Luke Chesser / Unsplash

Der Virenschutz-Hersteller Avast veröffentlichte kürzlich eine Untersuchung zur Sicherheit von GPS-Tracker-Uhren. MitarbeiterInnen testeten verschiedenste Smartwatches im unteren Preissegment, die auf Amazon, Ebay und Alibaba erhältlich sind.

Unverschlüsselter Datentraffic

Viele Smartwatches ermöglichen es Eltern über GPS-Tracking, die Bewegungen ihres Kindes nachzuverfolgen, wenn es eine entsprechende Uhr trägt. Das Problem: Einige Uhren versenden die Daten des GPS-Trackers unverschlüsselt an Server weiter und Hersteller sichern die Geräte oft nur mit Standard-Passwörtern, wie „123456“ ab. Zusammen mit der ID des jeweiligen Trackers können Dritte so bei über 600.000 Geräten auf die Kontaktdaten und die Position der UhrenträgerInnen zugreifen. Auch eingebaute Mikrofone und Anrufe können so abgehört werden. Das besagen jüngste Ergebnisse der Untersuchung von Avast. Betroffen sind vor allem Uhren mit GPS-Trackern des chinesischen Unternehmens Shenzhen i365. Dieses verkauft seine Produkte ohne Branding an Händler weiter, welche die fraglichen Smartwatches dann auf Plattformen wie Amazon, Ebay und Alibaba weiterverkaufen. 

Auch andere Hersteller betroffen

Aber auch Smartwatches der deutschen Firma Enox und des österreichischen Unternehmens Vidimensio stehen in der Kritik. Problem ist auch hier der unverschlüsselte Datenverkehr von den Geräten zu den Servern. Vor dem Uhrenmodell Safe-Kid-One des Hamburger Herstellers Enox warnt sogar die EU-Kommission. Modelle mit „Abhörfunktionen“ wie dem „Voice Monitoring“ sind seit 2017 von der Bundesnetzagentur verboten.

Smartwatches keine Alternative zu Vertrauen

Generell bedeutet die Überwachung des Kindes über GPS-Ortung durch Smartwatches einen Eingriff in seine Freiräume. Das Vertrauen zwischen Nachwuchs und Eltern kann dadurch Schaden nehmen und die Entwicklung von Selbstständigkeit beeinträchtigen. Außerdem stellen viele Uhrenmodelle sogar ein echtes Sicherheitsrisiko für die Heranwachsenden dar. Wichtig ist daher, dass Eltern sich vor dem Kauf einer Smartwatch über Datenschutz- und Verschlüsselungsrichtlinien des Herstellers informieren und Funktionen wie das GPS-Tracking nur nach Absprache mit dem Kind einsetzen.