ReplyASAP – Eine neue App zwingt Kinder zum Rückruf

Eine neue App zwingt Kinder dazu sich bei ihren Eltern zu melden. Sie wurde von einem Briten entwickelt und sorgt dafür, dass das Smartphone des Empfängers oder der Empfängerin eingefroren wird, bis er oder sie sich zurückgemeldet hat. SCHAU HIN! rät Eltern, Medienkompetenz durch Eigenverantwortung zu fördern.

weißes iPhone liegt auf einem Holztisch mit einem großen wütenden Smiley auf dem Bildschirm.
freestocks.org/pexels

Da sein Sohn Nachrichten und Anrufe von ihm mehrmals ignorierte, hatte ein britischer Entwickler die Idee zu einer App, die andere dazu zwingt, unmittelbar zu reagieren: Bei einer Nachricht, die von der App aus gesendet wird, sperrt diese das Smartphone des Empfängers/ der Empfängerin, bis er oder sie darauf reagiert. Solange können keine Spiele mehr gespielt oder Nachrichten an FreundInnen geschrieben werden. Außerdem geht auf dem Gerät der EmpfängerInnen ein Alarm los - auch bei stummgeschalteten Smartphones. Der Aufenthaltsort der Person, die sich zurückmeldet, wird angezeigt (vorausgesetzt der Ortungsdienst ist eingeschaltet).

Die App „ReplyASAP“ muss dazu auf beiden Smartphones installiert sein. Noch gibt es sie nur für Android-Geräte, jedoch soll sie auch bald für iOS erhältlich sein. Die App ist kostenpflichtig. Der Hersteller betont, dass die Installation der App einvernehmlich abläuft und sie jederzeit gelöscht werden kann. So sei sichergestellt, dass kein Zwang entsteht. Problematisch ist die App trotzdem.

Vertrauen oder Kontrolle?

Es ist verständlich, dass viele Eltern sich wünschen, ihr Kind wäre immer erreichbar. Jedoch möchten Kinder im Teenageralter sich von ihren Eltern lösen und eigenständiger werden. "Kinder wissen um ihr Recht auf Privatsphäre und möchten, dass Eltern dies akzeptieren.", erklärt SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer. Auch wenn das Speichern der App einvernehmlich stattfindet: Lückenlose Überwachung beeinträchtigt das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern und bremst die Entwicklung der Selbstständigkeit.

Kinder wissen um ihr Recht auf Privatsphäre und möchten, dass Eltern dies akzeptieren.

Mediencoach Kristin Langer

Die Tatsache, dass der Alarm auch bei stummgeschalteten Handys losgeht, kann für Kinder ausgesprochen peinlich werden oder weitere Konsequenzen haben. Auch Eltern können vergesslich sein und so kann während des Unterrichts der Alarm losgehen, das Kind damit gegen die Handyordnung der Schule verstoßen und Ärger auf sich ziehen.

Medienerziehung mit klaren Regeln und Mitverantwortung

Statt von ihren Kindern ständige Erreichbarkeit zu erwarten, können Eltern mit ihnen klare Nutzungs- und Verhaltensregeln vereinbaren und ihnen Mitverantwortung übertragen. Damit das Kind nicht ständig das Smartphone nutzt - chattet oder spielt - und darüber die Zeit vergisst, können feste Medienzeiten vereinbart werden.

„Wenn Eltern stetig kontrollieren, ist dies nicht förderlich in der Medienerziehung.“, so Kristin Langer. „Je mehr die Eltern sich aufgefordert fühlen, Dinge von außen zu steuern, desto weniger wachsen die Kinder in die Rolle rein, dass sie verantwortlich für ihre Mediennutzung sind - sie verlassen sich dann zu sehr auf äußere Impulse.“

Wenn Eltern stetig kontrollieren, ist dies nicht förderlich in der Medienerziehung.

Mediencoach Kristin Langer

Beim Treffen mit FreundInnen die Zeit nicht aus dem Blick zu verlieren und damit eine Vereinbarung zu brechen, können Kinder lernen, ohne dass die Eltern sie daran erinnern: durch klare Regeln und faire Gespräche. „Erfahren Eltern im Gespräch mit ihrem Kind den Grund der Kontaktpause, verraucht mancher Ärger schnell, denn möglicherweise gibt es eine verständliche Erklärung“, so Langer. Eltern können vermeiden, dass schon im jungen Alter die Notwendigkeit, über das Smartphone erreichbar zu sein, einen zu hohen Stellenwert bekommt. Praktisch kann das Smartphone trotzdem sein – zum Beispiel, um einen Alarm für eine Uhrzeit einzustellen, zu der es an der Zeit ist, nach Hause zu gehen.

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