TikTok: Mehr Sicherheit für Kinder

TikTok (ehem. Musical.ly) ist bei Kindern beliebt. Eigentlich ist die App erst ab 13 Jahren – für mehr Sicherheit können Eltern einiges beachten. Am besten richten sie TikTok gemeinsam mit ihrem Kind ein. Sicherheitsregeln und Absprachen darüber, was gepostet wird, können vor potenziellen Gefahren schützen.

Maedchen fasst sich in lange Haare vor rosa Wand
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App gemeinsam entdecken und Profil einrichten

Möchte ihr Kind die App in jedem Fall nutzen? Eltern können gemeinsam mit ihrem Kind herausfinden, wie die App funktioniert. Dabei können sie über Risiken und Gefahren aufklären. Werden Kinder bei der Nutzung begleitet, stehen Eltern als AnsprechpartnerInnen zur Verfügung. So kann gemeinsam überlegt werden, welche Videos in welcher Form veröffentlicht werden könnten und welche Profileinstellungen sinnvoll sind.

Sicherheitsregeln vereinbaren

Wichtig ist, dass Eltern mit ihrem Kind Regeln vereinbaren, damit es Tik Tok verantwortungsbewusst nutzt. Neben der Vorsicht bei eigenen Posts müssen Heranwachsende wissen, wie sie sich verhalten können, wenn sie unangebrachte Kommentare oder Nachrichten erhalten. Eltern können ihnen zeigen, wie sie andere NutzerInnen sperren und melden. Gleichzeitig sollten sie signalisieren, dass es sich bei Problemen jederzeit an sie wenden kann.

TikTok-Profil sicher einrichten

Um die Nutzung von TikTok für Kinder so sicher wie möglich zu machen, können Eltern und Heranwachsende einiges beachten. In den Einstellungen kann das Profil des Kindes auf privat gestellt werden. So können nur die Personen gepostete Beiträge sehen, die eine Genehmigung zum Folgen des Profils erhalten haben. Für mehr Sicherheit sorgt auch, wenn nur befreundete NutzerInnen dem Kind Nachrichten schicken oder Beiträge kommentieren können. Seit Ende April 2020 sind die Direktnachrichten für unter 16-Jährige gesperrt.

Eine erweiterte Funktion der App ermöglicht es Eltern, die Nutzung von Tiktok auf den Geräten der Kinder über ihr eigenes Smartphone zu begrenzen. Über den sogenannten begleiteten Modus können Eltern eine Nutzungszeit zwischen 40, 60, 90 und 120 Minuten am Tag festgelegen. Ist das Kontingent aufgebraucht, kann nur vom Smartphone der Eltern aus mit einem Passwort weitere Zeit freigeschaltet werden. Neben dieser Einstellungmöglichkeit zeigt TikTok nach 60 Minuten vom Anbieter und einigen der beliebtesten Creators entwickelte Videobotschaften automatisch im Feed ein, die darauf hinweisen, nicht zu viel Zeit auf der Plattform zu verbringen. Zusätzlich zur Nutzungszeit kann eingestellt werden, dass nur FreundInnen dem Kind Nachrichten schreiben können. Über die Aktivierung des eingeschränkten Modus können Eltern ungeeignete Inhalte in der App des Kindes filtern.

Um die Kontrollfunktion nutzen zu können, müssen Eltern die App ebenfalls auf ihr Handy herunterladen und einen QR-Code vom Gerät des Kindes scannen. Anschließend lässt sich der begleitete Modus in den „Digital Wellbeing“-Einstellungen unter „Privatsphäre und Einstellungen“ aktivieren. Die Aktivierung der Kontrollfunktion sollte vorher mit dem Kind abgesprochen sein. Welche Inhalte sich das Kind auf der Plattform anschaut und welche Nachrichten und Kommentare es verschickt können Eltern über die Einstellung nicht einsehen.

Auf Datenschutz und Privatsphäre achten

Für Jugendliche gilt es genau zu überlegen, welche Inhalte veröffentlicht werden sollten und auf welche generell verzichtet werden kann, da diese ihnen hinterher unangenehm sein könnten. Zudem sind die Privatsphäre-Einstellungen genau zu beachten. Hier können NutzerInnen einstellen, dass sie ihre Musikvideos nur mit Freunden und Freundinnen teilen und auch nur von diesen Clips erhalten möchten.

Werden Videos öffentlich gepostet, können sie nicht nur von jedem gesehen, sondern auch weiter verbreitet oder gespeichert werden. Mit wenigen Klicks können TikTok-Videos über andere soziale Netzwerke und Messenger geteilt sowie auf das eigene Smartphone heruntergeladen werden. Die Speicheroption können NutzerInnen beim Posten der Videos deaktivieren.

Generell gilt: Inhalte von unter 16-Jährigen werden nicht im Hauptfeed und der Hashtag-Suche angezeigt.

Werden Videos öffentlich gepostet, können sie nicht nur von jedem gesehen, sondern auch gespeichert werden.

Risiko Cybergrooming

Unter Hashtags wie #bellydance und #bikini finden sich in der App immer wieder Videos von Minderjährigen, die vermeintliche aufreizend zu populären Songs tanzen und singen. KritikerInnen sehen darin eine Gefahr für Missbrauch. Cybergrooming kann die Folge sein, die Videos aber auch zu anderen Zwecken missbraucht werden. Viele Videos zeigen Kinder, die offenbar jünger als 13 sind.

Die Anbieter verweisen auf ein Sicherheitsnetzwerk, die Inhalte würden geprüft: "Die App verfügt über eine Vielzahl an Schutzmaßnahmen und gewährleistet eine Moderation rund um die Uhr, um die Möglichkeiten einer missbräuchlichen Nutzung der App zu reduzieren." Allerdings vermerkt der Anbieter weiterhin, kein System sei unfehlbar.

Unangemessene Beiträge und NutzerInnen können auch selbst über eine Funktion innerhalb der App gemeldet werden. Wenn junge NutzerInnen Nachrichten oder Kommentare erhalten, die sie verunsichern, ihnen Angst machen oder die nicht von Gleichaltrigen stammen, sollten sie die Meldefunktion nutzen. Gelöschte NutzerInnen können sich allerdings problemlos ein neues Profil mit ähnlichen Namen zulegen.

Cybergrooming ist eine Straftat. Eltern können daher Beweise, zum Beispiel durch Screenshots, sichern und ihren Verdacht der Polizei melden.

Über Werbung und In-App-Käufe aufklären

Seit September 2019 können auf TikTok Werbeanzeigen geschaltet werden. Große Marken in Deutschland entdecken seitdem die Plattform für sich, um eine neue und jüngere Zielgruppe zu erreichen. Die Kosten sind im Vergleich zu Werbemöglichkeiten auf anderen Plattformen gering, die Reichweiten hoch.

TikTok bietet verschiedene Werbeformate an. Beliebt sind Werbeanzeigen im Video- oder GIF-Format, die direkt beim Öffnen der App oder im Feed zwischen den Videos der NutzerInnen erscheinen. Ein Klick auf den Beitrag leitet meist direkt zu der Webseite oder dem YouTube-Kanal einer Marke weiter. Dieses Format ist als Anzeige mit dem Vermerk „Sponsored“ gekennzeichnet. Durch die Einbindung in den normalen Feed wirken die Clips wie normale Beiträge und können so zu Verwirrungen führen.

Filter & Lenses

Unter Filtern versteht man Designelemente, die Videos oder Fotos verschönern. So kann man beispielsweise Farbeffekte hinzufügen oder einen personalisierten Emoji erstellen. Lenses wiederum verändern durch 3D-Effekte das eigene Aussehen oder die Umwelt.

Vereinzelt kreierten Unternehmen auch eigene Filter und Lenses, ähnlich wie bei Snapchat. NutzerInnen können damit Beiträge im Look großer Marken erstellen. Indem sie einen Filter einer Marke oder eines Unternehmens nutzen, tragen sie zu ihrer Sichtbarkeit bei.

Das beliebteste Werbeformat von Marken bei TikTok ist die Hashtag-Challenge, denn eben diese spielen auf der Plattform eine wichtige Rolle. Unter einem bestimmten Hashtag wird eine Aktion vorgegeben und fordert NutzerInnen dazu auf, passende Inhalte zu erstellen. TikTok-NutzerInnen suchen nach solchen Challenges, denen sie folgen und an denen sie partizipieren können, da sie durch die Teilnahme an den Aktionen mit ihren eigenen Kurzvideos selbst stärker wahrgenommen werden. Wird die Challenge einer Marke zum Trend, verbreitet sich die gewünschte Botschaft. Für Kinder ist dieses Format nicht klar als Werbung erkennbar.

 

Wichtig ist, dass Kinder die vielfältigen Formen von Werbung kennen und auch über Bezahlvorgänge Bescheid wissen. Am besten vereinbaren Eltern gerade bei Kindern bis zwölf Jahren, dass sie Anmeldungen und Downloads nur in Absprache mit ihnen tätigen. Seit Ende 2019 können In-App-Käufe nur noch von Volljährigen getätigt werden.

TikTok spricht Jugendliche an

Die App ist optimal an die Bedürfnisse Jugendlicher zwischen zehn und 13 Jahren angepasst, denn es spricht den sich entfaltenden Charakter der Jugendlichen und ihren Wunsch zur Selbstdarstellung an. Wichtig ist, dass Eltern sich mit der App und der Nutzung durch ihre Kinder vertraut machen und auf Privatsphäre, Datenschutz, Urheberrecht und ungeeignete Inhalte hinweisen.

Persönliche Beratung durch die Mediencoaches

Jedes Kind ist anders! Die SCHAU HIN!-Mediencoaches Kristin Langer und Iren Schulz beantworten ihre persönlichen Fragen zur Medienerziehung.

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