Medien und Partizipation: Das sagen die Studien

Wo informieren sich Kinder und Jugendliche zum aktuellen Geschehen? Welchen Plattformen und Kanälen vertrauen sie am meisten? Auch Heranwachsende wollen sich mit zunehmendem Alter gesellschaftlich und politisch orientieren und eigene Positionen entwickeln, mit anderen diskutieren und auf gesellschaftliche Prozesse Einfluss nehmen. Eltern können ihre Kinder dabei unterstützen, gute Angebote und Quellen von unglaubwürdigen zu unterscheiden – wenn sie wissen, wo der Nachwuchs surft.

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Sechs- bis 13-Jährige

Kinder sind interessiert daran was in der Welt passiert. Das beweisen die Zahlen der KIM-Studie 2016: 40 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen gaben an, sich für das aktuelle Weltgeschehen zu interessieren, für die Hälfte sind die Themen Umwelt und Natur wichtig. Um informiert zu bleiben, suchen fast die Hälfte der Zwölf- und 13-Jährigen und ca. ein Viertel der jüngeren Schulkinder regelmäßig in Suchmaschinen nach aktuellen Nachrichten und Meldungen, 26 Prozent der 6- bis 13-Jährigen nutzen Wikipedia.

Zwölf- bis 19-Jährige

Für die Hälfte der Jugendlichen ist es sehr wichtig, über das aktuelle Weltgeschehen Bescheid zu wissen. Welt- und bundespolitische Themen interessieren laut JIM-Studie 2017 knapp 40 Prozent. Darüber, was in der Welt passiert, informieren sich 53 Prozent der Interessierten über Fernsehnachrichten oder -berichte. Jeder Zweite spricht mit Freunden über das Thema oder hört Nachrichten und Berichte im Radio. 40 Prozent nutzen das Internet als Informationsquelle zum Weltgeschehen – Facebook ist die Plattform der Wahl bei knapp einem Fünftel.

Die Thematik „Fake News“ wurde bereits in der JIM-Studie von 2016 berücksichtigt. Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren sollten sich im Rahmen der Studie vorstellen, dass verschiedene Medien unterschiedlich über ein Ereignis berichten: bei widersprüchlicher Berichterstattung schenken 41 Prozent der Jugendlichen der Tageszeitung am meisten Vertrauen, 25 Prozent halten das Fernsehen in dem Fall für glaubwürdig, knapp jeder Fünfte setzt auf das Radio und 15 Prozent halten das Internet in dieser Situation für vertrauenswürdig.

Wenn Jugendliche sich im Internet informieren, führt sie der erste Weg zu einer Suchmaschine, meist ist das Google: 85 Prozent bemühen laut JIM-Studie 2017 mindestens mehrmals pro Woche eine Suchmaschine. Die Möglichkeit, sich bei YouTube Videos anzusehen, um sich über ein bestimmtes Thema zu informieren, wird von knapp zwei Drittel der Jugendlichen regelmäßig wahrgenommen, ein Viertel erhält regelmäßig über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter Nachrichten und aktuelle Informationen. Online-Lexika wie Wikipedia stellen für ein Drittel eine bedeutende Informationsquelle dar. Auch Nachrichtenportale von Zeitungen (ca. 25 %) oder Zeitschriften (ca. 20 %) sind für Jugendliche eine Option. Aber auch mit den Startseiten der Online-Provider, die Nachrichten hier oft als Service präsentieren, kommen rund zehn Prozent der Jugendlichen regelmäßig in Kontakt. Die Präsenz der Fernsehsender im Internet wird nur von einem geringen Anteil in Anspruch genommen (8%).

Welche Medien werden für Themen gesellschaftlicher/politischer Relevanz genutzt?

Wie Zehn bis 13-Jährige sich über politisch relevante Themen informieren, zeigen die Ergebnisse der FLIMMO-Kinderbefragung zum Thema Flucht. Hier zeigt sich vor allem, dass „Flucht“ auch bei Kindern sehr präsent ist. Alle befragten Kinder kamen mit dem Thema in Berührung. Hauptsächlich haben die Mädchen und Jungen über das Fernsehen (84 %) sowie, mit deutlichem Abstand, durch ihre Eltern (49 %) davon erfahren. Weitere Quellen, durch die sie mit dem Thema in Berührung kommen, sind: Radio (41 %), Schule/Unterricht (35 %), Zeitung (26 %) und das Internet (16 %). Medien spielen also insgesamt eine große Rolle bei der Vermittlung des Themas.

Die Zehn- bis 13-Jährigen nutzen Kinder- aber auch Erwachsenensendungen, um sich darüber zu informieren. Im Fokus des Interesses stehen Fluchtursachen oder die Lage der Menschen nach ihrer Flucht. Einige stellen sich die Frage, wie man selbst helfen kann. Aber auch zu politischen Entscheidungen und der Bewältigung von Herausforderungen im Kontext von Flucht haben Kinder Fragen.

Die Shell-Jugendstudie 2015 zeigte, dass 41 Prozent der Zwölf- bis 25-jährigen Jugendlichen sich für Politik interessieren. So informieren sich 37 Prozent der Befragten täglich bzw. mindestens einmal in der Woche über Politik und im Internet. Das Internet ist dabei auch die wichtigste Anlaufstelle für die Themenbereiche, die die Jugendlichen interessieren (Umwelt/Natur/Klima, Krieg/Frieden, Kinder-/Jugend-/Menschenrechte).

In einer Studie zur Aneignung politisch relevanter Informationen (Wagner/Gebel 2013) bezeichnen gut vier Fünftel (82 %) der befragten Jugendlichen das Internet in Bezug auf solche Themen als sehr wichtig oder eher wichtig, gefolgt von Fernsehsendungen (67 %), und Zeitungen/Zeitschriften (63 %). Im Internet werden neben Suchmaschinen und Online-Lexika vor allem Informations- und Nachrichtenportale sowie Online-Communitys genutzt. Knapp zwei Fünftel der Befragten informieren sich in Online-Communitys täglich oder mehrmals in der Woche zu einem für sie wichtigen gesellschaftlich relevanten Thema. Ein verhältnismäßig kleiner Anteil hingegen nutzt Blogs und Twitter als Informationsquelle. Allerdings nutzt ein wesentlich geringerer Teil der befragten Jugendlichen das Internet, um andere themenbezogen zu informieren. Die größte Bedeutung im Hinblick auf das Verfassen eigener oder Kommentieren fremder Beiträge zum Auswahlthema haben Netzwerke bzw. Communitys (Wagner/Gebel 2013).

Hanisauland.de: Politik kinderleicht

Erklärungen rund um Politik, aktuell und verständlich, bietet hanisauland.de. Kinder können ihre Fragen auch direkt an die Redaktion stellen. Die Seite ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung. Alle Texte sind außerdem auf Englisch verfügbar.

Hanisauland ist geeignet für Kinder ab 6 Jahren.

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Kinder-ministerium.de: Die Chefetage

Was macht das Familienministerium? Welche Rechte haben Kinder? Diese und viele weitere Infos finden Kinder beim Kinder-Ministerium. Im Gästebuch können die kleinen Besucher und Besucherinnen auch selbst Verbesserungsvorschläge einreichen.

Das Kinder Ministerium ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet.

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Kinder.diplo.de: Politikreise durch die Welt

Was macht eigentlich das Auswärtige Amt? Auch hierfür gibt es eine eigene Seite für die Jüngsten: kinder.diplo.de. Kinder begeben sich auf die Spuren von Diplomaten und Diplomatinnen, sie  finden dort Infos zu verschiedenen Themen wie Sport, Umweltschutz, Frieden oder Europa. Außerdem gibt es viele spannende Videos und Linktipps.

Kinder Diplo ist für Kinder ab 10 Jahren geeignet.

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Kindersache.de: Eine gute Sache!

Kinder haben Rechte. Und genau über diese werden Kinder auf kindersache.de informiert. Die Website ist ein Angebot des Deutschen Kinderhilfswerkes e.V. und bietet Mitmachangebote, Kindernachrichten, Informationen zum Thema Kinderrechte und Partizipation von Kindern. Ein betreuter Chat lädt Kinder ab 8 Jahren zum Mitmachen ein. 

Kindersache richtet sich an Kinder ab 8 Jahren.

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Kuppelkucker.de: Politikern über die Schulter gucken

Kuppelkucker ist das Internetangebot des Deutschen Bundestages für Kinder. Kinder finden hier Infos und Abenteuer zum Bundestag, dem Bundesrat und dem Kinderministerium.

Kuppelkucker richtet sich an Kinder zwischen 5 und 11 Jahren.

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BMU-Kids: Naturschutz für Kinder

Auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit bietet eine Kinderseite, die Themen wie Recycling, Wohnungsbau und Biologische Vielfalt verständlich und interaktiv erklärt.

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Was bedeutet Partizipation im Internet?

In einer Studie von Soßdorf (2016) werden drei Stufen von politischer Partizipation Jugendlicher unterschieden, in denen sich unterschiedliche Formen von Offline- und Online-Aktivitäten abbilden. Je höher die Stufe, desto weniger Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren sind hier zu finden:

  • Bei der informierenden/konsumierenden Partizipationsstufe werden häufiger und mehrere Offline-Quellen als Online-Quellen zur Information herangezogen. Zweitens erfolgt die Informationssuche im Internet automatisierter und unintendierter als offline. Offline sind das Fernsehen und die Schule die häufigsten Quellen für politische Informationen. Die Beschaffung von politischen Informationen online verläuft oft zufällig. So werden die Jugendlichen nebenbei und automatisch an politische Informationen herangeführt, indem sie sich online auf Sozialen Netzwerk-Seiten (SNS) oder Videoplattformen aufhalten.
  • Bei der teilnehmenden/interagierenden Partizipationsstufe steht der Austausch mit anderen im Vordergrund. Dabei sprechen die Jugendlichen durchweg mehr offline als online mit anderen Personen über Politik; häufige Diskussionspartner zu politischen Themen sind die Eltern. Lediglich die zwei Aktivitäten Petition unterschreiben (offline) und politischen Beitrag in den SNS bewerten (online) sind über das Gespräch hinaus stark favorisiert. Diese spontanen, kurzfristigen und wenig aufwendigen Aktivitäten deuten auf einen unverbindlichen Bezug Jugendlicher zur Politik hin.
  • Nur sehr wenige Jugendliche zeigen Aktivitäten, die der politischen initiierenden/produzierenden Partizipation zuzuordnen sind. Diese wenigen Jugendlichen sind offenbar in Sozialen Netzwerken etwas aktiver als in Bezug auf Offline-Aktionen.

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