TV und Kinder: Bedeutung wächst mit zunehmendem Alter

Kurz nach dem zweiten Geburtstag schauen Kinder im Schnitt das erste Mal Fernsehen – fast jedes dritte Kind zwischen zwei und drei guckt täglich. Der Konsum steigt mit zunehmendem Alter. Verschiedene Studien haben sich mit der Mediennutzungszeit von Fernsehanfängern, aber auch den Auswirkungen des Konsums beschäftigt.

Vier Kinder sitzen auf der Couch, einer von ihnen hat die Fernbedienung in der Hand und sie sehen alle in die selbe Richtung.
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Laut miniKIM-Studie 2014 schauen die Kinder mit durchschnittlich 2,1 Jahren zum ersten Mal fern. Jedes vierte Kind (23 %) schaute mit einem Jahr fern, die Hälfte mit zwei Jahren und ein Viertel mit drei Jahren. Fast jedes dritte Kind (32 %) zwischen zwei und drei Jahren sowie jedes zweite (55 %) zwischen vier und fünf Jahren schaut (fast) täglich fern. Im Durchschnitt sehen die Zwei- bis Dreijährigen 34 Minuten und die Vier- bis Fünfjährigen 52 Minuten pro Tag. Von den Kindern, die zumindest selten fernsehen, sehen 42 Prozent sehr gerne und 52 Prozent gerne fern.

Nach Angaben der HaupterzieherInnen haben 57 Prozent der Zwei- bis Dreijährigen und 77 Prozent der Vier- bis Fünfjährigen, die zumindest selten fernsehen, eine Lieblingssendung. Bei den Jüngeren liegt „Unser Sandmännchen“ vor der „Sendung mit der Maus“, „Sesamstraße“, „KiKANiNCHEN“ und „Wicki und die starken Männer“. Bei den Vier- bis Fünfjährigen verteilt sich die Gunst gleichmäßiger auf ein breiteres Spektrum an Sendungen. Gut die Hälfte der fernseherfahrenen Kinder (56 %) hat einen Lieblingsfernsehsender. Mit 68 Prozent dieser Kinder ist der KiKA auf Platz eins der Lieblingssender, 14 Prozent entfallen auf Super RTL und zehn Prozent auf den Disney Channel. 41 Prozent der vier- bis fünfjährigen ZuschauerInnen und 16 Prozent der Zwei- bis Dreijährigen schaut Wissenssendungen. Bei diesen Kindern liegt „Die Sendung mit der Maus“ mit Abstand vor „Löwenzahn“, „logo“, „Wissen macht Ah!“, „Willi wills wissen“ und „Galileo“.

Nach Angaben der HaupterzieherInnen haben zehn Prozent der Kinder, die zumindest selten fernsehen, schon einmal ungeeignete Inhalte gesehen (zwei bis drei Jahre: 5 %, vier bis fünf Jahre: 14 %). Weitere zehn Prozent wurden mit etwas konfrontiert, das ihnen Angst gemacht hat (zwei bis drei Jahre: 7 %, vier bis fünf Jahre: 12 %), fünf Prozent haben schon etwas gesehen, das ihnen unangenehm war (zwei bis drei Jahre: 3 %, vier bis fünf Jahre: 6 %).

Gründe für den Fernsehkonsum

Laut einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) (Götz/Bachmann/Hofmann 2007) gibt es sieben Hauptgründe, warum Eltern ihre Kinder fernsehen lassen:

  • Fernsehen als Gemeinsamkeit.
    Das gemeinsame Fernsehen erzeugt eine gemütliche Atmosphäre, schafft gemeinsame Erfahrungen und stützt gemeinsame Interessen.
  • Fernsehen als Notbeschäftigung.
    Fernsehen vertreibt Langeweile, wenn Kinder viel zu Hause sind etwa bei schlechtem Wetter oder Krankheit. Fernsehen verschafft Freiraum: Fernsehen beschäftigt Kinder, wenn Eltern auch mal Zeit für sich, Haushalt oder anderes brauchen.
  • Fernsehen als Ritual.
    Sendungen wie der „Sandmann“ gehören zum alltäglichen Abendritual.
  • Unterstützung elterlicher Fürsorge.
    Fernsehen erleichtert ungeliebte Tätigkeiten wie Inhalieren oder lockt von ungewollten Aktivitäten weg wie Toben am Grill.
  • Fernsehen, um Emotionen zu beeinflussen.
    Fernsehen dient zum Trost, zur Ablenkung von Schmerzen oder um das Kind zu beruhigen, etwa weil es „überdreht“ ist.
  • Fernsehen als Erziehungshilfe.
    Fernseh(entzug) dient als Belohnung oder Drohmittel.

Dabei gibt es folgende Tendenzen: Je älter die Kinder sind, desto mehr Funktionen hat Fernsehen. Mädchen sollen außerdem mitreden können, während Jungen beruhigt und allein gelassen werden.

Bildschirmnutzung hat Auswirkungen

Die BLIKK-Studie 2017 im Auftrag der Drogenbeauftragten der Bundesregierung untersucht Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz und Kommunikation von Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit elektronischen Medien. Sie zeigt, dass es in der Altersgruppe der Zwei- bis Fünfjährigen bereits signifikante korrelative Zusammenhänge zwischen motorischer Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen auf der einen Seite und dem Umfang der Nutzung von digitalen Bildschirmen auf der anderen Seite gibt. Bei täglicher Nutzung von digitalen Medien traten bei Kleinkindern (zwei bis fünf Jahre alt) häufiger Sprachentwicklungsstörungen auf. Die Studie zeigt, wie wichtig der begrenzte und zielgerichtete Umgang mit Medien ist. Wird eine Medienkompetenz nicht frühzeitig erworben, besteht ein erhöhtes Risiko, den Umgang mit den digitalen Medien nicht kontrollieren zu können.

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