Medienrechte kennen, Fake News enttarnen – 5 Fragen an Christine Poulet, Medienkompetenzbeauftragte des SWR

Interview

Heranwachsende sind schon früh in digitalen Medien unterwegs. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sie von Beginn an lernen, kompetent mit Games, sozialen Medien und Messengern umzugehen. Dazu gehört, die eigenen Rechte in, aber auch Risiken der Medienwelt zu kennen. Der Südwestrundfunk unterstützt Erwachsene und Kinder mit verschiedenen Projekten dabei, die eigene Medienkompetenz zu stärken. Wir haben Christine Poulet vom SWR fünf Fragen dazu gestellt. Die Medienkompetenzbeauftragte des SWR findet Fake News, die Verschwörungstheorien wie etwa die um die „Chemtrails“ transportieren, besonders dreist.

Grafik zur Interviewreihe "5 Fragen, 5 Antworten" mit Foto von Christine Poulet, Medienkompetenzbeauftragte des SWR
Foto: Christine Poulet/Grafik: SCHAU HIN!

Der SWR hat kürzlich das Bildungsprojekt „Medienrechte für Kinder“ an Grundschulen in Baden-Württemberg gestartet. Worum handelt es sich bei diesem Projekt?

Es handelt sich um ein Angebot für Lehrerinnen und Lehrer, das Thema Kinderrechte, die die Medien betreffen, gut im Unterricht behandeln zu können. Gerade im Grundschulalter werden die ersten Weichen gestellt, was den Umgang mit Medien und dem Internet betrifft. Viele Kinder werden von ihren Familien schon früh mit Smartphone und Spielekonsole ausgestattet, ohne genau zu wissen, welcher Umgang sich für ihre Kinder eignet. Hier bieten wir Lehrkräften den Blick auf die Chancen digitaler Angebote, aber auch auf die Schutzmöglichkeiten.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem neuen Bildungsprojekt?

Wir möchten gerne Menschen allen Alters zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien befähigen. Gerade Kinder erleben sich oft als überfordert und sogar als Opfer von den sogenannten sozialen Medien. Lehrerinnen und Lehrer sind unsicher, was sie Kindern in diesem Alter anbieten können. Dabei gibt es viele gute Angebote, mit denen sie klug und mit Spaß den Einstieg meistern. Wer fit ist, kommt seltener auf verstörende Angebote und kennt seine Rechte und Chancen.

Gibt es schon eine Resonanz von den Lehrenden, Eltern und natürlich den Schülerinnen und Schülern?

Wir haben aus unserem persönlichen Umfeld erste positive Resonanz erfahren, die uns optimistisch stimmt. Da das Schuljahr in Baden-Württemberg aber erst jetzt beginnt, müssen wir uns aber noch etwas gedulden. Die Broschüre kann übrigens bundesweit von allen Lehrkräften genutzt werden und ist auch für Eltern und ihre Medienerziehung sehr interessant. Das Rundum-Paket findet sich hier: SWR.de/medienrechte-kinder

Der Sender hat auch den „SWR-Fakefinder“ entwickelt. Was ist darunter zu verstehen?

Es ist ein Spiel, das jeder im Browser seines Handys, PCs oder Tablets spielen kann. Sieben Nachrichtenmeldungen aus dem Internet gilt es pro Spiel zu bewerten. Ist die Meldung wahr/falsch oder sogar Satire? Da alle Meldungen im Spiel original aus dem Internet stammen und viele eben falsch sind, ergibt sich die persönliche Herausforderung. Während des Spiels bekommen wir Hinweise, wie wir auch zukünftig Meldungen einschätzen können.

Warum sind Fake News für Kinder und Jugendliche besonders problematisch?

Während Erwachsene oft wissen, dass in Zeitungen und Rundfunkanstalten Meldungen gut recherchiert sind, aber bei den sogenannten sozialen Medien das öfter nicht der Fall ist oder sogar „Fakes“ bewusst platziert werden, spielt auch Lebenserfahrung eine große Rolle. Um Manipulationen zu erkennen, müssen aber Menschen jeden Lebensalters gut hinschauen.

Der Südwestrundfunk (SWR) engagiert sich mit verschiedenen Projekten für die Vermittlung von Medienkompetenz. Christine Poulet ist die Medienkompetenzbeauftragte des Südwestrundfunks.

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