Corona-Krise: Wie Familien aktuell mit Medienzeiten und -regeln umgehen

Mediencoach-Kolumne

Das Corona-Virus bestimmt unseren Familienalltag. Erprobte Routinen und Absprachen zwischen den Familienmitgliedern werden auf die Probe gestellt und müssen neu gedacht werden. SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer gibt in einer Sonderausgabe der regelmäßigen Mediencoach-Kolumne Tipps dazu, wie der Umgang mit Medien in dieser herausfordernden Zeit gelingen kann.

Grafik mit dem Kolumnen-Titel: "Corona-Krise: Mediennutzung und -erziehung" und einen Foto von Kristin Langer
SCHAU HIN!

Liebe Leserin, lieber Leser,

völlig richtig: Auf viele Familien kommen mit Kita- und Schulschließungen ganz neue Herausforderungen zu, die auch zur Belastungsprobe werden können. Beruflich werden Arbeitsbereiche zum Teil ins Home Office verlagert, was aber nicht bedeutet, dass sich die Anforderungen immer zeitlich verschieben und mit der Kinderbetreuung vereinbaren lassen. Wenn Ruhe notwendig ist, lässt sich das bei räumlicher Enge mitunter nur wirkungsvoll erreichen, wenn Kinder sich selbst beschäftigen – auch mit Medieninhalten.

Ehrlich gesagt: die Sorge, dass sich nun 24/7 in der Familie alles nur noch um Medien dreht, habe ich trotzdem nicht. Das würde ja bedeuten, dass viele von den Spielregeln, die wir in Sachen Mediennutzung aufgebaut haben, jetzt völlig außer Kraft gesetzt werden. Wir fangen also nicht bei Null an, müssen uns als Familie aber an die aktuelle Situation anpassen. Das funktioniert am besten, wenn wir auf bestehende Strukturen aufbauen. Essenszeiten, Lernphasen sowie Teile der Freizeit – dabei können Kinder ganz ohne Bildschirm auskommen. Schulische Aufgabenstellungen der Kinder wollen ebenfalls erledigt sein – allein sie geben dem Tag eine gewohnte und sinnvolle Struktur. Einteilung und Absprachen zwischen den Familienmitgliedern sind notwendig, wobei ein für alle sichtbarer Tagesplan hilfreich sein kann. So gelingt auch ein Überblick, wer wann das Internet nutzt – um Überlastungen für’s Netzwerk und für die NutzerInnen vorzubeugen.

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Ganz ohne digitale Medien geht es bei vielen nicht – und das ist auch in Ordnung. Ob Kontaktpflege, Lernen oder Unterhaltung – in der Familie müssen wir jetzt Einiges auf digitalem Weg erledigen, was sonst in der Schule, dem Verein oder mit Freunden stattgefunden hat. Auch für Lernplattformen und -Apps oder für eine Wissenssendung kann Online-Zeit benötigt werden, denn nicht alle Übungs- und Lerninhalte stützen sich nur auf Schulbücher. Für die Kita- und Vorschulkinder werden im Vormittagsprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender in den kommenden Wochen verstärkt Wissensformate gezeigt, die Eltern im Home Office etwa eine gute Gelegenheit für wichtige Telefonkonferenzen geben.

Durch veränderte Tagesabläufe, die mehr Selbstbestimmung ermöglichen und dadurch als insgesamt stressfreier empfunden werden können, sinken möglicherweise Belastungspunkte, auch für Heranwachsende. Dennoch bleibt: digitale Erlebnisse und Erfahrungen müssen immer auch verarbeitet werden, damit Kinder nicht überfordert, verängstigt oder verunsichert sind, und auch Jugendliche müssen Zeit haben, aus den digitalen Welten aufzutauchen. Bildschirmfreie Zeiten sind deshalb besonders wichtig – und umso schöner, wenn sie für die Familienzeit genutzt werden.

Und ich bin sicher, dass jede Familie ganz schnell eine lange Liste aufstellen kann: Was wir alles ohne digitale Medien tun können – wozu wir sonst kaum Zeit haben. Ich glaube, dass für die Offline-Zeit dann ebenso genussvoll ausfällt, wie die Bildschirmzeit.

Ihr Mediencoach Kristin Langer

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