Elternwissen kompakt – sicher chatten für Jugendliche und Kinder

Kinder und Jugendliche nutzen das Internet, um mit FreundInnen in Kontakt zu bleiben. Das geschieht heute vor allem über Social Media, Messenger-Dienste oder Gaming auf dem Smartphone. Über Chats können sie jedoch auch mit Unbekannten in Kontakt kommen – vor allem auf Social-Media-Plattformen, beim Gaming oder auf offenen Chatplattformen. Wir erklären, was für den sicheren Umgang wichtig ist.

Mutter guckt mit Tochter auf einen Laptop
SCHAU HIN!

Chatten für Jugendliche: Wie gelingt sicheres Chatten im Alltag?

Kinder und Jugendliche schreiben heute fast täglich über Messenger oder Chatfunktionen in Spielen und Apps – zum Beispiel über WhatsApp, Signal, Discord oder Social Media. Chats sind für sie ein wichtiger Teil der Freundschaftspflege: Sie verabreden sich, tauschen Erlebnisse aus oder verschicken Fotos und Sprachnachrichten. 

Dabei geraten sie aber auch leicht in Situationen, die sie noch nicht richtig einschätzen können – etwa, wenn Nachrichten an andere weitergeleitet werden, jemand beleidigt wird oder Unbekannte Kontakt aufnehmen. Eltern können viel tun, um ihr Kind beim sicheren Chatten zu begleiten: Sprechen Sie über Regeln, Datenschutz und respektvolles Verhalten, und wählen Sie gemeinsam die passenden Einstellungen und Plattformen aus. 

Ihr Kind beim Chatten begleiten: Was ist für Jugendliche und Kinder wichtig?

Gerade am Anfang ist es hilfreich, wenn Sie Ihr Kind beim Chatten begleiten. So können Sie gemeinsam ausprobieren, wie Funktionen und Einstellungen in den genutzten Apps funktionieren – etwa, wer Nachrichten sehen und Kontakt aufnehmen darf oder wie Sie Kontakte blockieren können. 

Dabei können Sie auch erklären, wie sich Ihr Kind in Chats verhalten sollte: freundlich, respektvoll und vorsichtig mit persönlichen Informationen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Ihr Kind weiß, was es von anderen erwarten darf – zum Beispiel, dass niemand beleidigt wird oder private Bilder ohne Zustimmung weitergeleitet werden. 

Zeigen Sie Interesse, ohne zu kontrollieren: Kommen Sie lieber regelmäßig ins Gespräch, statt heimlich mitzulesen. Das stärkt das Vertrauen und hilft Ihrem Kind, sich bei Fragen oder unangenehmen Erlebnissen offen an Sie zu wenden. 

Jugendliche wollen oft ungestört von ihren Eltern mit FreundInnen chatten, sowohl in bekannten Messenger-Apps als auch über Social Media. Es ist wichtig, die Privatsphäre Ihres Kindes zu respektieren. Bieten Sie Gespräche über Sicherheit im Netz an und machen Sie deutlich: Ihr Kind kann sich immer an Sie wenden – auch bei schambehafteten Themen wie Sexting oder Cybergrooming

Tipps für Eltern: So wird Chatten für Kinder und Jugendliche sicher

Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Kind über mögliche Risiken sprechen – und erklären, wie es diese vermeiden oder sich dagegen wehren kann. Ihr Kind sollte wissen: Wenn etwas Unangenehmes passiert, kann es sich jederzeit an Sie wenden – ohne Angst vor einem Verbot. 

Legen Sie mit Ihrem Kind Regeln für das Chatten im Internet fest. Alle Absprachen lassen sich gut in einer gemeinsamen Vereinbarung festhalten, zum Beispiel in einem Mediennutzungsvertrag

  • SICHERE APPS ZUM CHATTEN AUSWÄHLEN 
    Nicht alle Messenger-Apps sind für Kinder und Jugendliche geeignet. Informieren Sie sich vorher über sichere Messenger-Apps für Kinder und über die Chatfunktionen auf Social-Media- oder Gamingplattformen. Wählen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind eine passende App aus, die genügend Sicherheit bietet. Viele Kinder und Jugendliche nutzen vor allem WhatsApp. Nutzt Ihr Kind die App nicht, kann es von Gruppen ausgeschlossen werden. Sprechen Sie deshalb gemeinsam mit Ihrem Kind, welche möglichen Alternativen es gibt und wie es trotzdem in Kontakt mit FreundInnen bleiben kann. 
  • PERSÖNLICHES SCHÜTZEN
    Achten Sie gemeinsam darauf, dass Ihr Kind sparsam mit persönlichen Angaben umgeht – also keine vollständigen Namen, Adressen, Handynummern oder Standorte teilt. Auch Fotos und Informationen über andere sollten nicht ohne deren Zustimmung weitergegeben werden. 
  • FAIR BLEIBEN UND STARK MACHEN
    Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass respektvolles Verhalten auch online wichtig ist. Dazu gehört, keine Beleidigungen, Kettenbriefe, Memes oder andere ungeeignete Inhalte zu verschicken. Ihr Kind kann andere unterstützen, wenn jemand gemobbt oder ausgegrenzt wird – etwa durch eine private Nachricht, das Melden von Inhalten oder ein Herz-Emoji bzw. ein Daumen hoch als Zeichen der Solidarität. Ob man sich öffentlich äußert, lässt sich gemeinsam im Einzelfall entscheiden. 
  • MISSTRAUISCH BLEIBEN
    Erklären Sie Ihrem Kind, dass man in Chats nie sicher sein kann, wer wirklich hinter einem Profil steckt. Auch bei scheinbar bekannten Kontakten ist nicht immer klar, ob es sich tatsächlich um diese Person handelt, ob jemand mitliest oder Informationen gespeichert und weitergegeben werden. Vereinbaren Sie, dass Ihr Kind keine Treffen mit Online-Bekanntschaften eingeht und fremde Kontakte in Messenger-Apps blockiert. 
  • KAMERA AUSLASSEN
    Sprechen Sie darüber, dass Fotos und Videos nur mit Menschen geteilt werden sollten, denen man vertraut. Einmal verschickte Inhalte lassen sich kaum zurückholen – und auch Videoanrufe können aufgezeichnet werden. 
  • AUF RISIKEN VON SEXTING AUFMERSAKM MACHEN 
    Sprechen Sie mit älteren Kindern und Jugendliche darüber, warum das Versenden von Nacktfotos und -videos riskant ist – auch an scheinbar vertraute Personen oder als selbst löschendes Foto auf Plattform wie Snapchat. Machen Sie deutlich, dass niemand ein Recht auf intime Bilder und Videos hat und sich Ihr Kind nicht unter Druck setzen lassen sollte. 

  • BELÄSTIGUNGEN STOPPEN UND MELDEN
    Wenn jemand unangenehm schreibt, sollte Ihr Kind den Chat sofort beenden, die Person blockieren und melden. Kontaktversuche von Fremden lassen sich in vielen Apps einschränken.
  • BEWEISE SICHERN
    Bei sexueller Belästigung oder Drohungen ist es wichtig, Beweise zu sichern (zum Beispiel per Screenshot) und diese beim Anbieter zu melden. In schwereren Fällen können Sie sich auch an Beschwerdestellen wie jugendschutz.net oder internet-beschwerdestelle.de wenden oder die Polizei einschalten.
     

Selbst Vorbild sein: So lernen Kinder und Jugendliche sicheres Chatten

Eltern sind auch online ein wichtiges Vorbild. Kinder beobachten genau, wie Erwachsene mit Medien umgehen – auch beim Chatten oder Posten in sozialen Netzwerken. Wer selbst achtsam mit persönlichen Informationen umgeht, zeigt dem Kind, wie Datenschutz im Alltag funktioniert. Dazu gehört: sparsam mit Fotos, Namen und privaten Details umzugehen, keine peinlichen oder identifizierbaren Bilder der eigenen Kinder zu veröffentlichen („Sharenting“) und regelmäßig die Privatsphäre-Einstellungen auf dem Smartphone zu prüfen. Eltern können außerdem zeigen, dass es okay ist, auch mal nicht erreichbar zu sein, auf Nachrichten zu warten oder Konflikte direkt – nicht über den Chat – zu klären. So lernen Kinder, digitale Kommunikation bewusst und selbstbestimmt zu nutzen.

Sie können außerdem vorleben, dass es in Ordnung ist, auch mal nicht erreichbar zu sein, auf Nachrichten zu warten oder Konflikte persönlich– und nicht über den Chat – zu klären. So lernt Ihr Kind, digitale Kommunikation bewusst und selbstbestimmt zu nutzen.