Sexting: So schützen Eltern ihre Kinder

Sexting bezeichnet das einvernehmliche Versenden von sexuellen Inhalten. Jugendliche beginnen sich mit ihrer Sexualität auseinander zu setzen. Dazu gehört die Frage, ob man für andere interessant und begehrenswert ist. Über Sexting werden solche Dinge ausgetestet – ob im Rahmen einer Partnerschaft oder als Flirt. Dass das Risiko des Missbrauchs solcher Inhalte hoch ist, vergessen Jugendliche oft.

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Wie können Eltern ihr Kind schützen?

Interesse zeigen

Wichtig ist, dass Eltern an der Online-Kommunikation ihres Kindes Interesse zeigen, mit ihm immer mal wieder über Erlebnisse dabei sprechen und ihm signalisieren, dass es sich bei Problemen jederzeit an sie wenden kann ohne ein Handy- oder Internetverbot fürchten zu müssen. Das Institut für Ehe und Familie berichtet, dass Jugendliche sich sogar wünschen, mit ihren Eltern mehr über schwierige Fragen rund um Sexualität und Beziehung zu reden. Wenn Eltern diesem Wunsch nachkommen und mit ihren Kindern über Sexting sprechen, können sie ihnen sagen, dass sie nicht wollen, dass sie Nacktfotos teilen – auch nicht mit jemandem, dem sie wirklich vertrauen, da sie sich so in eine unvorhersehbare und machtlose Lage begeben.

Vorbild sein

Eltern sind Vorbilder, auch im Netz. Haben sie selbst ein Profil in einem Sozialen Netzwerk, können sie selbst sparsam mit persönlichen Informationen und Bildern umgehen.

Über Risiken sprechen

Mit älteren Kindern ab etwa zwölf Jahren und Jugendlichen sprechen Eltern am besten frühzeitig über den Schutz persönlicher Daten und Bilder, problematische Inhalte (Extremismus, Gewalt, Pornografie, Selbstgefährdung), Kontaktrisiken (Cybermobbing, sexuelle Belästigung) und (Selbst)Inszenierungen sowie generell über Sexualität, Liebe und Beziehungen. Dabei können sie ihr Kind dazu anregen, die Selbstdarstellung, etwa in Sozialen Netzwerken wie Instagram, kritisch zu betrachten und ihm erklären, dass es sich nicht zu etwas drängen lassen sollte. Schließlich ist Sexualität höchst persönlich und erfordert einen sensiblen, selbstbestimmten Umgang, auch bei digitalen Fotos und Videos.

Zudem ist zu beachten, dass Beziehungen sich ändern und Vertrauen enttäuscht werden kann. Wichtig ist auch, darauf aufmerksam zu machen, dass es sich bei der Weitergabe persönlichen Materials von anderen nicht um einen harmlosen Scherz handelt, sondern weitreichende Folgen haben kann. Wenn Jugendliche dennoch erotische Aufnahmen von sich erstellen und weiterleiten, sollten sie zumindest nicht eindeutig erkennbar sein, etwa indem man das Gesicht weglässt.

Auf Folgen hinweisen

Auf der anderen Seite ist es wichtig, seinen Kindern vorab deutlich zu machen, dass das „Unter Druck setzen“ einer anderen Person bereits ein grenzüberschreitendes Verhalten ist. Entscheidend ist der Verweis darauf, dass das Anfordern und Drängen auf Nacktaufnahmen eine andere Person immer in eine unangenehme Lage versetzt.

Sensibel reagieren

Ist der Fall eingetreten, dass explizite Inhalte verbreitet wurden und Betroffene erpresst werden, ist es wichtig, diese nicht dafür verantwortlich zu machen, sondern diejenigen, die das Foto verbreitet haben oder versuchen damit zu erpressen. Wichtig ist, dass Eltern sensibel mit dieser sehr persönlichen Situation umgehen, sich behutsam nach den Hintergründen erkundigen und ihr Kind dabei unterstützen, seinen Weg zu finden, in solchen Fällen darüber zu sprechen, bevor sie rechtliche Schritte einleiten. Falls sie sich überfordert fühlen, können sie sich auch an Beratungsstellen wenden:

Hilfe für Betroffene

Die Nummer gegen Kummer ist ein kostenfreies Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche sowie für Eltern. Hilfe bekommen Betroffene telefonisch und online.

Jugendschutz.net bietet Informationen und Hilfe zum Thema Sexuelle Ausbeutung an. Auf der Seite können außerdem jugendgefährdende Inhalte gemeldet werden.

Die Online Präsenz der Polizei Beratung informiert über verschiedene Formen von Cyber-Kriminalität, so auch über Sexting.

Sicherheitsregeln vereinbaren

Bereits vor den ersten Chaterfahrungen des Kindes ist es ratsam, gemeinsame Verhaltensregeln festzulegen. Wichtig sind dabei folgende Vereinbarungen:

  • Nachdenken vor dem Posten.
    Auf die Herausgabe persönlicher Bilder verzichten, mögliche Folgen beachten, sparsam mit eigenen Daten umgehen und Vertrauliches offline besprechen. Sicherheitseinstellungen nutzen und Inhalte nur Personen auf der Freundesliste zugänglich machen – hier dann aber auch nicht jeden hinzufügen.
  • Persönliches auch so behandeln.
    Keine privaten Aufnahmen oder Daten von Fremden verbreiten. Dies verletzt die Persönlichkeitsrechte des anderen und kann weitreichende Folgen haben.
  • Bei fremden Kontakten misstrauisch sein.
    Man kann nie wissen, wer sich auch hinter harmlosen Benutzernamen verbirgt. Auch bei scheinbar Bekannten kann man nie sicher sein, ob es sich um diese Person handelt oder jemand mitliest und Informationen weitergibt oder ob Inhalte z.B. über Screenshots gespeichert und weitergegeben werden.      
  • Störer*innen blockieren.
    Bei Störer*innen in Communitys und Messengern die Blockier-Funktion nutzen, um weitere Beiträge auszublenden. Bei Messengern wie WhatsApp, die die Mobilfunknummer als Kennung verwendet, sollte diese gesperrt werden, um Kontakt per SMS oder Anruf zu verhindern. Dauern die Belästigungen anonym oder mit anderer Nummer an, hilft oft nur die Nummer zu wechseln.
  • Beweise sichern und melden.
    Belästigungen umgehend per Screenshot sichern und dem Betreiber, Beschwerdestellen wie jugendschutz.net, internet-beschwerdestelle.de oder bei schwereren Fällen sowie bei Belästigungen per Telefon und SMS auch der Polizei melden.