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Germany’s Next Topmodel: Ist GNTM für Kinder geeignet?
Themen
Was ist Germany’s Next Topmodel (GNTM)?
„Germany’s Next Topmodel“, kurz „GNTM“, ist eine deutsche Model-Castingshow bei ProSieben. In inzwischen 21 Staffeln sucht Model und Moderatorin Heidi Klum mit Fotoshootings, Challenges und Laufsteg-Trainings nach Nachwuchsmodels. Der Gewinner bzw. die Gewinnerin wird dann „Germany’s Next Topmodel“ gekürt.
Während in früheren Staffeln nur weibliche Kandidatinnen teilnehmen durften, gibt es seit 2024 keine Einschränkungen mehr für die Bewerbung um den begehrten Titel. Die TeilnehmerInnen treten in unterschiedlichen Aufgaben gegeneinander an – zum Beispiel bei Fotoshootings, auf dem Laufsteg oder in Werbeproduktionen. Dabei müssen sie eine wechselnde Jury rund um Heidi Klum von sich überzeugen. Wem das nicht gelingt, muss die Show verlassen.
Die Sendung verbindet Modelwettbewerb und Reality-TV. Neben den eigentlichen Aufgaben zeigt sie auch persönliche Geschichten, das Zusammenleben der TeilnehmerInnen und emotionale Situationen. Neben dem Model-Können kommt es also auch darauf, wie die KandidatInnen vom Sender inszeniert werden. Dabei werden oft bestimmte Rollen zugeschrieben und daraus Medienfiguren erschaffen, die auch nach GNTM in weiteren TV-Formaten und auf Social Media auftreten. Viele ehemalige TeilnehmerInnen sind inzwischen als InfluencerInnen oder als Reality-TV-Persönlichkeiten bekannt.
Warum fasziniert GNTM Kinder und Jugendliche?
Für viele Kinder und Jugendliche haben Castingshows wie Germany’s Next Topmodel einen besonderen Reiz. Sie fiebern mit, wer weiterkommt oder wer diese Woche die Sendung verlassen muss. Außerdem bekommen sie scheinbare Einblicke in eine Welt, die für viele zwar erstrebenswert, aber weit entfernt wirkt: aufwendige Fotoshootings, ausgefallene Outfits und bekannte Persönlichkeiten, die sie aus Film und Fernsehen oder von Social Media kennen.
Auch die persönlichen Geschichten und Interaktionen zwischen den TeilnehmerInnen bei GNTM können für Heranwachsende interessant sein. Die KandidatInnen werden regelmäßig extremen Situationen ausgesetzt, die sie an ihre persönlichen Grenzen bringen. Dadurch können Konflikte oder emotionale Ausbrüche entstehen, die für ZuschauerInnen faszinierend sein können. Besonders beliebt sind jedes Jahr zum Beispiel die Umstyling-Folgen, in denen die KandidatInnen einen neuen Haarschnitt verpasst bekommen, was häufig zu vielen Tränen und dramatischen Szenen führt. Die Zurschaustellung der KandidatInnen in Ausnahmesituationen kann allerdings dazu führen, dass die Abwertung von Menschen zu Unterhaltungszwecken als normal angesehen wird.
Ein weiterer Faktor ist die Identifikation. Heranwachsende befinden sich in einer Lebensphase, in der sie sich intensiv mit der eigenen Identität, ihrem Aussehen und dessen Wahrnehmung und Bewertung durch andere auseinandersetzen. Medien und Reality-Shows wie Germany’s Next Topmodel können dabei als Orientierung dienen.
Nicht zuletzt spielt auch der soziale Faktor eine Rolle. Im Klassenzimmer und auf Social Media sind Shows wie GNTM beliebtes Gesprächsthema. Wer mitreden will und die Memes auf Instagram, TikTok und Co. verstehen möchte, muss einschalten.
GNTM: Welche Themen können Kinder und Jugendliche belasten?
Auch wenn sich die Model-Castingshow von Heidi Klum in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat, gibt es zahlreiche Themen, die für Kinder und Jugendliche problematisch sein können.
Die Zicke, der Chaot, die Heulsuse: Castingshows und Reality-TV wie Germany’s Next Topmodel leben von starken Charakteren. TeilnehmerInnen können dadurch schnell auf einzelne Charaktereigenschaften reduziert werden, die insbesondere der Unterhaltung und Spannung dienen. Kinder und Jugendliche nehmen solche Rollenbilder schnell auf und übertragen sie auf ihr eigenes Leben.
Germany’s Next Topmodel stellt Aussehen und Körper in den Mittelpunkt. Obwohl die Sendung in den letzten Jahren mehr Vielfalt und unterschiedliche Körperbilder zeigt, werden KandidatInnen weiterhin nach ihrem äußeren Erscheinungsbild beurteilt. Eine aktuelle Studie der Universität Osnabrück zeigt, dass das Schauen von GNTM das Körperbild messbar beeinflussen kann – besonders bei Personen, die Essstörungssymptome aufweisen. Die befragten Frauen gaben an, nach dem Anschauen einer Folge GNTM unzufriedener zu sein als zuvor. Laut einer Jugendstudie aus dem Jahr 2024 zum Thema „Schönheitsideale im Internet“ von Saferinternet.at ist der Vergleich auch für Kinder und Jugendliche ein Thema: 71 Prozent der Befragten zwischen elf und 17 Jahren gaben an, sich aufgrund von Bildern auf Social Media mit anderen zu vergleichen. Es liegt nahe, dass Sendungen wie Germany’s Next Topmodel, in denen primär sehr normschöne Menschen abgebildet werden, solche Vergleiche verstärken können.
Für Jüngere kann es schwierig sein, zwischen Inszenierung und Realität zu unterscheiden. Auch wenn es bei GNTM kein Drehbuch gibt, werden bestimmte Situationen besonders provoziert, überspitzt dargestellt oder durch Schnitt und Voice-over beeinflusst. Kinder können das noch nicht durchschauen und nehmen vieles, was sie auf dem Bildschirm sehen, als absolute Wahrheit hin.
GNTM ist eng mit kommerziellen Interessen verknüpft: Produkte, Marken und Kooperationen sind fester Bestandteil der Sendung. Hinzu kommen gesponserte Inhalte auf den Social-Media-Kanälen der KandidatInnen, die auch nach der Sendung weiterlaufen. Für Kinder und Jugendliche ist es oft schwer, zwischen Unterhaltung, echter Empfehlung und Werbung zu unterscheiden. Das gilt besonders für Produktplatzierungen, die nicht explizit als solche gekennzeichnet sind.
Bei Germany’s Next Topmodel stehen Leistung und Bewertung im Vordergrund. Dafür werden die KandidatInnen jede Woche bei Fotoshootings, auf dem Catwalk und bei Job-Castings auf die Probe gestellt. Dabei müssen sie teilweise auch über ihre Grenzen hinausgehen. Wer sich zum Beispiel bei Unterwäsche- oder Höhen-Shootings weigert, wird schnell aussortiert. Für junge ZuschauerInnen kann das Druck auslösen, da sie diese Bewertungs- und Schönheitsstandards auch auf sich selbst übertragen können. Ebenso kann ein Gefühl entstehen, ein „Nein“ hätte negative Konsequenzen.
Streit, Tränen, Zurückweisung und dramatische Konfrontationen gehören zum festen Repertoire von Castingshows wie GNTM. Was für Jugendliche spannende Unterhaltung sein kann, kann jüngere Kinder verunsichern oder belasten. Eltern sollten aufmerksam sein, ob ihr Kind nach dem Schauen gereizt, traurig oder unruhig wirkt, und die Inhalte gemeinsam besprechen.
Ist Germany’s Next Topmodel für Kinder geeignet?
Eine pauschale Antwort, ob Germany’s Next Topmodel für Kinder geeignet ist und ab welchem Alter Eltern die Sendung erlauben sollten, gibt es nicht. Entscheidend ist, wie Ihr Kind die Sendung wahrnimmt und was es daraus „lernt“. Schauen Sie die Sendung gemeinsam an und begleiten Sie Ihr Kind dabei. Sprechen Sie über die Inhalte und machen Sie klar: es ist bloß eine Show und die gezeigten Schönheitsideale sind nicht universell, sondern betreffen einen kleinen künstlichen Bereich. So lassen Sie es nicht mit dem Gesehenen allein und können problematische Inhalte einordnen.
Insbesondere für jüngere Kinder im Grundschulalter sind Reality-TV-Sendungen und Castingshows noch schwer zu verstehen. Was ist echt? Und was nur inszeniert? Hier sollten Sie als Eltern klar machen: Auch wenn die gezeigten Personen und Szenen scheinbar „echt“ sind, steckt immer noch eine Fernsehproduktion dahinter, die die Geschehnisse steuert und bewusst Situationen provoziert.
Auch bei älteren Kindern und Jugendlichen sollten Sie im Blick behalten, was in den jeweiligen GNTM-Episoden gezeigt wird und wie Ihr Kind darauf reagiert. Sprechen Sie gemeinsam über die Inhalte und Botschaften, die vermittelt werden, und bestärken Sie Ihr Kind darin, dass es zu sich und seinem Körper stehen darf – egal, wie die Models im TV aussehen.
Tipps für Eltern im Umgang mit Germany’s Next Topmodel
GEMEINSAM BESPRECHEN STATT VERBIETEN
Wenn Ihr Kind die Sendung unbedingt schauen möchte, sprechen Sie darüber, was dafür und dagegen spricht. Finden Sie gemeinsam eine Lösung, statt direkt ein Verbot auszusprechen.KLISCHEES UND SCHÖNHEITSIDEALE HINTERFRAGEN
Auch wenn inzwischen unterschiedliche Körperformen bei GNTM gezeigt werden: Hinterfragen Sie die Schönheitsideale kritisch und besprechen Sie gemeinsam, welche Auswirkungen die Sendung auf die Selbstwahrnehmung hat. Die gezeigten Ideale sollten nicht als gemeingültiger Fakt hingenommen werden – auch untypische Körper oder Erscheinungsweisen sind „schön“, selbst wenn sie in Shows wie GNTM nicht dargestellt werden. Es gibt individuell und auf der ganzen Welt unterschiedliche Schönheitsideale. Schönheit ist damit keine Schablone, die von TV-Shows auf alle übertragen werden kann, sondern etwas sehr Individuelles.PERSÖNLICHE TALENTE BESTÄRKEN
Machen Sie deutlich, dass der Wert Ihres Kindes nicht vom Aussehen abhängt. Was kann es gut? Und welche Eigenschaften an sich selbst mag es besonders? Suchen Sie gemeinsam nach Stärken, die nichts mit dem Aussehen zu tun haben.GRENZEN DEUTLICH MACHEN
Bestärken Sie Ihr Kind darin, dass es seine persönlichen Grenzen klar kommunizieren und einhalten darf. Es muss nichts machen, womit es sich nicht wohlfühlt, um „erfolgreich“ zu sein.ALTERNATIVEN ANBIETEN
Suchen Sie gemeinsam nach Alternativen, die zum Alter Ihres Kindes passen und positive Botschaften vermitteln, z. B. der Film „Little Miss Sunshine“ oder das KiKA-Format „Style Stars“. Weitere Inspiration finden Sie bei FLIMMO.