Bitkom-Studie: Digitale Erziehung verunsichert viele Eltern
Mit sieben Jahren nutzen die meisten Kinder zum ersten Mal ein Smartphone, mit neun Jahren besitzen sie dann ein eigenes Gerät. Doch nur wenige Eltern sprechen regelmäßig mit ihren Kindern darüber, was sie online erleben. Das zeigt eine Bitkom-Befragung, die im Juni 2025 durchgeführt wurde, und macht deutlich: Die Balance zwischen Freiheit und Kontrolle bleibt schwierig.
Smartphones und soziale Netzwerke gehören für Kinder und Jugendliche längst zum Alltag. Bis etwa zum 13. Lebensjahr begleiten Eltern diesen Weg, spätestens ab 16 Jahren fallen die Schranken. Mit sieben Jahren nutzen Kinder einen PC oder Notebook, mit acht ein Tablet, mit neun eine Spielkonsole und mit elf Jahren eine Smartwatch. 94 Prozent der Eltern geben Regeln für Sechs- bis Neunjährige vor, bei Zehn- bis Zwölfjährigen sind es 92 Prozent. Sie setzen Zeitlimits, aktivieren Jugendschutzfunktionen und behalten Inhalte im Blick.
Ab dem Teenageralter sinkt die Kontrolle
Ab etwa 13 Jahren dürfen viele Kinder das Smartphone uneingeschränkt nutzen. Nur noch 40 Prozent der Erziehenden von 13- bis 15-Jährigen beschränken die Smartphonenutzung. Bei 16- bis 18-Jährigen sind es nur noch zehn Prozent.
Auch bei sozialen Netzwerken öffnen sich die Türen schrittweise: 77 Prozent der Eltern verbieten Sechs- bis Neunjährigen jede Nutzung sozialer Netzwerke. Bei den 13- bis 15-Jährigen sind bereits 92 Prozent der Kinder in sozialen Netzwerken aktiv.
Sorgen trotz Freigabe
Trotz der Offenheit bleibt das Thema Social Media für viele Eltern ein sensibles Feld. 80 Prozent haben Angst, ihr Kind könnte gemobbt werden. 54 Prozent sagen, ihr Kind habe schon einmal verstörende Inhalte gesehen. 22 Prozent befürchten eine politische Radikalisierung. Trotzdem sprechen nur 38 Prozent regelmäßig mit ihrem Kind darüber, was es online erlebt.
Dabei könnten Privatsphäre-Einstellungen einfach Schutz bieten. Allerdings nehmen 45 Prozent der Eltern diese Möglichkeit nicht wahr, obwohl sie von ihrer Existenz wissen. Nur 22 Prozent haben die Einstellungen gemeinsam mit dem Kind angepasst.
Zwischen Vorbild und Überforderung
Eltern zwischen Anspruch und Realität: Knapp die Hälfte achtet darauf, selbst ein gutes Vorbild bei der Smartphonenutzung zu sein. Doch die Realität sieht oft anders aus – 52 Prozent geben zu, ihre Kinder manchmal bewusst digitale Medien nutzen zu lassen, um selbst Zeit für andere Aufgaben zu haben.
Trotzdem fühlen sich viele Eltern kompetent – 74 Prozent trauen sich zu, ihren Kindern Digitalkompetenzen zu vermitteln. Allerdings gesteht gleichzeitig fast die Hälfte (41 Prozent) ein, dass sie bei neuen Geräten und Anwendungen kaum noch mithalten können.
Deshalb sehen viele die Lösung in der Bildung: 79 Prozent der Eltern wünschen sich, Medien- und Digitalkompetenzen in den Lehrplänen zu verankern. Das zeigt: Digitale Erziehung muss eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe werden.
Die Verantwortung liegt bei den Eltern und Erziehenden
Um Kinder sicher durch die digitale Welt zu begleiten, sollten Eltern regelmäßig nachfragen: Was erlebst du online? Offenes Zuhören ohne Vorwürfe schafft Vertrauen – und sorgt dafür, dass Kinder sich melden, wenn etwas schiefläuft.
Es ist hilfreich, wenn Eltern sich aktiv mit den digitalen Lebenswelten ihrer Kinder auseinandersetzen. Dazu gehört auch, sich über Privatsphäre-Einstellungen auf dem Laufenden zu halten und diese gezielt anzupassen. Denn sie bieten einen wichtigen Schutz vor unerwünschten Kontakten oder unangemessenen Inhalten. Empfehlenswert ist, diese Einstellungen gemeinsam mit dem Kind vorzunehmen – so lernt es, was Datenschutz bedeutet und wie es sich selbst schützen kann.
Über die Studie
Bitkom engagiert sich seit seiner Gründung 1999 als Branchenverband der digitalen Wirtschaft in Deutschland für die Modernisierung des Bildungssystems sowie eine zukunftsorientierte Netzpolitik und führt regelmäßig Umfragen rund um das Thema Mediennutzung durch. Die aktuelle Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1.004 Eltern mit Kindern im Alter zwischen sechs und 18 Jahren und wurde im Zeitraum Mai bis Juli 2025 durchgeführt.