Diskriminierende Sprache auf TikTok, Twitch & Co.

Sprache ist ständig im Wandel, auch in der digitalen Welt. Dadurch kommen auf TikTok, Instagram oder Twitch Begriffe hervor, die harmlos wirken können, aber in Wahrheit diskriminierend oder beleidigend sind. Manche Jugendliche greifen diese Begriffe auf, ohne zu wissen, was sie bedeuten oder in anderen auslösen können. SCHAU HIN! gibt einen Überblick zum Thema und zeigt Tipps, wie diskriminierungssensible Sprache gelingen kann.

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Manche Begriffe, Redewendungen, Witze oder Sprüche sind nicht offen diskriminierend. Manchmal ist es der Kontext, in dem sie verwendet werden, der ihnen eine abwertende Konnotation verleiht. Plattformen wie sprachkick.de und Organisationen wie die Aktion Mensch zeigen auf ihrer Website – etwa im Artikel „Bist du behindert, oder was?!“ – auf, wie man Worte bewusster einsetzen kann. Dort finden Eltern und Jugendliche alltagstaugliche Erklärungen zum Thema „diskriminierungssensible Sprache“ und konkrete Alternativen zu problematischen Begriffen. 

Bestimmte Begriffe verletzen unbewusst

Oft ist Kindern und Jugendlichen nicht bewusst, dass die Worte, die sie benutzen, andere verletzen können. Zum Beispiel Begriffe und Formulierungen, die Menschen aufgrund ihrer Behinderung, Migrationsgeschichte, sexuellen Orientierung oder Religion abwerten, klischeehaft darstellen oder sich lustig über sie machen. 

Ein typisches Beispiel ist, wenn das Wort „behindert“ als Schimpfwort genutzt wird – etwa in Situationen, in denen jemand einen kleinen Fehler macht und dann spöttisch gefragt wird: „Bist du behindert oder was?“

Solche Ausdrücke werden häufig unbedacht verwendet und sind oft nicht bewusst verletzend gemeint. Dennoch können sie Menschen ausgrenzen und verletzen. Wer solche Begriffe nutzt, trägt – auch unbeabsichtigt – dazu bei, dass Vorurteile und gesellschaftliche Abwertungen weiterbestehen. Denn: Benutzen wir Begriffe wie „behindert“ in einem negativen Zusammenhang, werden Behinderungen mit etwas Schlechtem assoziiert. Auch wenn diese Verbindung nicht bewusst hergestellt wird, bleibt die Botschaft hängen. 

Darum nutzen Jugendliche diskriminierende Sprache

Für Heranwachsende ist es wichtig dazuzugehören. Sie greifen deshalb Wörter auf, die im Freundeskreis, in Memes oder in TikTok-Videos auftauchen. Viele dieser Begriffe sind online etabliert – oft ironisch oder spaßhaft gemeint. Doch solche Worte als Synonym für Beleidigungen zu verwenden, entwertet echte Lebensrealitäten – zum Beispiel von Menschen mit Behinderung.

Plattformen wie TikTok oder Instagram fördern diesen Trend: Durch lustige Schnitte, Sounds oder Challenges werden problematische Begriffe schnell zum Teil eines viralen Trends. 

Auch unbeabsichtigte Mikroaggressionen können belasten

Doch nicht nur Worte, auch bestimmte Gesten oder Fragen können diskriminieren – selbst wenn sie freundlich gemeint sind. Solche Mikroaggressionen sind subtile Herabsetzungen, die Menschen das Gefühl geben können, nicht dazuzugehören.

Ein Beispiel: Wenn eine Schwarze Person gefragt wird, ob man ihre Haare anfassen darf, klingt das für manche neugierig – vermittelt aber gleichzeitig das Gefühl, „anders“, „exotisch“ und ein Objekt zu sein. Oder wenn eine Person mit Behinderung ständig Hilfe bekommt, ohne dass sie darum gebeten hat. Das kann auf Dauer belasten, sowie das Selbstwertgefühl und die psychische Gesundheit negativ beeinflussen. Dennoch wird diese Form von Alltagsdiskriminierung oft übersehen.

Deshalb ist es umso wichtiger, mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen – offen, ehrlich und ohne Vorwürfe. Schon kleine Veränderungen im Sprachgebrauch können viel bewirken: Oft genügt es, Begriffe bewusst zu hinterfragen und durch respektvollere Alternativen zu ersetzen. Diskriminierungssensible Sprache muss nicht kompliziert oder schwierig sein.

Trigger-Warnung: In diesem Text werden diskriminierende Begriffe beispielhaft genannt. Wir distanzieren uns ausdrücklich von deren Verwendung. Die Nennung erfolgt ausschließlich zu Analyse- und Aufklärungszwecken, um auf diskriminierende Sprachmuster aufmerksam zu machen und Alternativen aufzuzeigen.

Worauf man bei diskriminierungssensibler Sprache achten sollte

Diskriminierungssensible Sprache bedeutet, respektvoll und inklusiv zu kommunizieren. Hier sind einige Aspekte, die dabei unterstützen können:

  • Bewusstsein über Begriffe: Einige Wörter haben eine problematische Geschichte oder verletzen Betroffene. Der Begriff „Zigeuner“, der Sinti:ze und Rom:nja diskriminiert, ist beispielsweise eine rassistische Fremdbezeichnung aus dem Dritten Reich und hat wesentlich zur Verfolgung dieser Gruppen beigetragen. Auch wenn viele Menschen das lange Zeit nicht hinterfragt haben, kann die weitere Verwendung solcher Begriffe die dahinterliegende Diskriminierung aufrechterhalten. Es gibt leider nach wie vor Restaurants, die ein sogenanntes „Z-Schnitzel“ im Angebot haben, ohne sich bewusst zu sein, dass sie dadurch rassistische Stereotypen reproduzieren. 
  • Personenzentrierte Formulierungen: Statt „behinderte Menschen“ zu sagen, kann „Menschen mit Behinderung“ verwendet werden. Dies stellt die Person in den Vordergrund und nicht die Behinderung. Mittlerweile nutzen einige Aktivist*innen jedoch bewusst wieder das Adjektiv „behindert“, um es im Sinne der Selbstbestimmung zu verwenden. Um respektvoll zu kommunizieren, empfiehlt es sich, im direkten Kontakt nach der bevorzugten Bezeichnung zu fragen.
  • Vermeidung von Klischees und Stereotypen: Formulierungen wie „an den Rollstuhl gefesselt“ dramatisieren eine Lebensrealität, die für viele Menschen mit Behinderung Alltag ist. Für sie ist ein Rollstuhl kein Symbol für Leid oder Abhängigkeit, sondern ein Hilfsmittel für Selbstbestimmung und Mobilität. Neutralere Formulierungen wie „nutzt einen Rollstuhl“ beschreiben das ohne Mitleid oder Überhöhung – und begegnen der Person auf Augenhöhe. 
  • Aktualität und Sensibilität: Sprache entwickelt sich ständig weiter. Es ist hilfreich, sich regelmäßig über aktuelle Begriffe und deren Bedeutungen zu informieren, um unbeabsichtigte Diskriminierung zu vermeiden.

Was Eltern tun können

  • Gespräche anbieten: Für viele Jugendliche sind soziale Medien ein wichtiger Ort, um sich zu orientieren – doch es ist oft schwer, das Gesehene immer richtig zu interpretieren und sich von Trends abzugrenzen. Fragen Sie nach, wenn ein Begriff fällt, den Sie problematisch finden: „Wie meinst du das eigentlich?“ oder „Wo hast du das her?“ Wenn Eltern Interesse zeigen und ohne Vorurteile zuhören, schaffen sie Vertrauen – eine wichtige Grundlage dafür, dass Kinder sich öffnen.
  • Online-Inhalte gemeinsam anschauen: Es kann hilfreich sein, sich gemeinsam im Internet und auf sozialen Medien zum Thema Diskriminierung und Aufklärung zu informieren. Mittlerweile gibt es viele Influencer*innen wie @tupoka.o @notjustdown, @reschkefernsehen oder @gina.ruhl, die über Sprache, Rassismus, Ausgrenzung oder Behinderung aufklären.
  • Begriffe gemeinsam hinterfragen: Nutzen Sie Plattformen wie sprachkick.de, um gemeinsam mit Ihren Kindern über Sprache ins Gespräch zu kommen. Was bedeutet eigentlich „Ableismus“? Warum ist die Verwendung von Begriffen wie „spastisch“ problematisch? Und welche Alternativen gibt es? Weitere Informationen und alltagstaugliche Beispiele finden Sie auch auf NRWision oder bei Aktion Mensch.