Tipps für Fernsehanfänger

Ab wann dürfen Kinder fernsehen? Wie lange dürfen Kinder fernsehen? Welche Sendungen sind für Kinder geeignet? SCHAU HIN! gibt Tipps worauf Eltern beim Fernsehkonsum ihrer Kinder achten sollten.

© Kidstock Blend Images / Alamy Stock
© Kidstock Blend Images / Alamy Stock

Gemeinsam schauen und abschalten

Fernsehen will gelernt sein! Deshalb ist es wichtig, dass Eltern gemeinsam mit ihrem Kind fernsehen. Nur so können sie herausfinden, wie ihr Kind auf bestimmte Sendungen reagiert. Das ist eine wichtige Grundlage für die weitere Medienerziehung. Kinder unter drei Jahren sind vor allem damit beschäftigt, die reale Welt zu begreifen, und können mediale Eindrücke oft noch gar nicht verarbeiten. Fernsehen ist für sie also noch nicht geeignet. Hör- und Bilderbücher sind eine altersgerechte Alternative. Vor allem Vorschul- und Grundschulkinder benötigen beim Fernsehen elterliche Aufmerksamkeit und Begleitung. Aber auch ältere Kinder lieben es gemeinsam fernzusehen und über bestimmte Sendungen zu sprechen, gerade wenn sie etwas nicht verstehen. Deshalb ist zu empfehlen, dass Kinder bis zwölf Jahren nur im Familienzimmer fernsehen und noch keinen eigenen Fernseher haben.

Regeln vereinbaren

Hilfreich sind klare Absprachen über die Fernsehzeiten, an die sich Eltern und Kinder orientieren können und dann auch halten. SCHAU HIN! empfiehlt für Kinder bis fünf Jahren maximal eine halbe Stunde, bis neun Jahren eine Stunde vor dem Bildschirm. Ab zehn Jahren können sie sich eine Wochenzeit von etwa neun Stunden zunehmend selbst einteilen. Gerade Fernsehanfänger sollten nur kurze Sendungen anschauen und nicht täglich fernsehen.Mit dem gemeinsamen Erstellen eines Fernsehstundenplans lernen Kinder ihre wöchentliche Medienzeit selbst einzuteilen.

Alternativen anbieten

Wichtig ist, dass Kinder von Anfang erfahren, dass es neben Medien auch andere Dinge gibt, die Spaß machen und für die genügend Zeit bleiben sollte: gemeinsames Spielen, Vorlesen und Freunde besuchen. Eltern können ihren Kindern so helfen, mit dem nötigen Abstand das Filmgeschehen zu verarbeiten. Gerade wenn Kinder etwas sehr beschäftigt oder aufwühlt, ist es für sie wichtig, draußen zu spielen und dann mit Mama oder Papa darüber zu sprechen. Wenn Kinder unmittelbar vor dem Schlafengehen fernsehen, fehlt dafür oft die Zeit. Deshalb ist das nicht ratsam. Lassen Sie den Tag lieber mit einer vorgelesenen Gute-Nacht-Geschichte oder einer Erzählrunde ausklingen.

Selbst Vorbild sein

Eltern sind die wichtigsten Vorbilder für ihre Kinder, auch bei der Mediennutzung. Kleine Kinder orientieren sich an den Fernsehgewohnheiten in der Familie und übernehmen diese. Daher sollten Eltern auch einmal ihr eigenes Fernsehverhalten überdenken: Läuft der Fernseher, auch wenn kleine Kinder im Raum sind? Ist der Fernseher an, wenn die Familie gemeinsam isst oder spielt? Dient das Fernsehen nur als Geräuschkulisse im Hintergrund oder schauen Eltern bewusst Sendungen an? Wichtig ist, dass sich Familien den Tagesablauf nicht vom Fernsehen vorschreiben lassen und Sendungen lieber aufzeichnen oder online anschauen. So lernen Kinder einen bewussten und selbstbestimmten Umgang. Kindgerechte Mediatheken bieten ARD Checkeins und ZDF tivi.

Kindgerechte Formate wählen

Es ist nicht immer leicht aus der Fülle an Sendungen und Filmen, das richtige Angebot zu wählen, dass dem Alter und den Interessen des Kindes entspricht. Eine erste Orientierung bieten die Altersfreigaben der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) für Filme im Kino und auf DVD/Blueray, bei Fernsehsendungen die Altersfreigaben der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), aber auch Empfehlungen wie www.flimmo.tv und die Kinderseiten von Programmzeitschriften wie www.tvpsielfilm.de/kids-tv.

Ein klares „Nein“ ist wichtig, wenn bestimmte Fernsehbeiträge für Kinder ungeeignet sind. Wichtig dabei ist, dass Eltern ihrem Kind erklären, warum sie die Sendung verbieten. Eine Fernbedienung gehört nicht in Kinderhände, denn beim Zappen können sie schnell auf ungeeignete Programme stoßen. Am besten suchen sie gemeinsam nach altersgerechten Sendungen, schauen diese gemeinsam und achten auf die Reaktion ihres Kindes.

Das geht gut

Für Kinder im Vorschulalter ist wichtig, dass die Sendungen nicht zu lang und die Schnitte nicht zu schnell sind sowie sich spannende und entspannende Momente abwechseln. Gradlinige Geschichten mit einer überschaubaren Anzahl von Figuren, einfacher Erzählweise und verständlicher Sprache eignen sich besonders gut. Eine positive Botschaft oder ein Happy End lassen leichter mit der Geschichte abschließen. Wie Dinge funktionieren, mit denen wir im Alltag zu tun haben, „Großwerden“ und Probleme meistern, Freunde finden und mit ihnen auskommen - all das, was sie in ihrem Alltag beschäftigt ist auch für Fernsehanfänger interessant. Bieten Sendungen außerdem Rätsel, Reime oder Lieder und laden zum Mitmachen ein, gewinnen sie für diese Zielgruppe besonders an Attraktivität.

Starten können Eltern etwa mit einer kurzen Kindersendung wie  „Sandmännchen“, „KIKANINCHEN“, „Sendung mit dem Elefanten“ oder „Jonalu“. Für TV-Einsteiger eignen sich ebenfalls DVDs, die speziell für die Altersgruppe der 3- bis 6-Jährigen kurze Filme oder Kinderserien anbieten. DVDs haben viele Vorteile: Eltern können sich die Inhalte vorher anschauen sowie beurteilen und sind zeitlich flexibel. Wenn der Film zu Ende ist, ist eben Schluss.

Das weniger

Bedrohliche oder verstörende Inhalte wie Gewalt, Erotik oder Gruselfilme sind noch nichts für Kinder. Sie sind schnell verängstigt, verstehen das Gezeigte nicht und können es nicht verarbeiten. Sie müssen erst lernen, Bilder einzuordnen, Handlungen zu folgen und zwischen Wirklichkeit und Fernsehwelt zu unterscheiden.

Gewalt: Realistisch dargestellte Gewalt macht vielen Kindern Angst. So sind Actionfilme und Nachrichtensendungen für Erwachsene völlig ungeeignet für TV-Einsteiger. Bekommen Kinder Bilder von Krieg und Katastrophen mit, hilft ein Gespräch in der Familie. Erklären Sie Ihrem Kind, dass diese Ereignisse meist weit weg sind und sie zu Hause sicher.

Fantasyfilme: Spannende Filme mit gruseligen Figuren oder Szenen mögen Kinder erst, wenn sie älter sind. Hexen und Zauberer können nicht nur durch Schminke und Kostüme erschrecken. Manch böser Fluch oder ein realistisch dargestellter Ritterkampf kann für jüngere Kinder grausamer sein, als vermutet.

Werbung
: Sie reizt Kinder vor allem durch stimmungsvolle Bilder, eingängige Slogans und Musik, gepaart mit Witz und Humor sowie der Mitwirkung bekannter Fernsehhelden. Doch Fernsehanfänger kennen den Unterschied zwischen Fernsehprogramm und Werbung noch nicht. Verzichten Sie deshalb auf Kinderprogramme mit Werbeunterbrechungen.

TV- und DVD-Tipps im Überblick

Aktuelle TV-Tipps finden Eltern in den Programmtipps, beim Ratgeber FLIMMO und auf den Kinderseiten geeigneter Programmzeitschriften, zum Beispiel bei Kids TV der TV Spielfilm. Eine Übersicht aktueller, geeigneter Kinder-DVDs finden Eltern z.B. bei Kinderfilmwelt.

Spezielle, werbefreie Sendungen für Vorschulkinder bietet beispielsweise der KI.KA. – der Kinderkanal von ARD und ZDF. Speziell für Vorschulkinder gibt es im KI.KA immer montags bis freitags von 6.50 Uhr bis 10.25 Uhr das KIKANINCHEN – ein Programmfenster mit Sendungen speziell für Fernsehanfänger. Auch die Kinder-Onlineangebote von ARD Checkeins, ZDFtivi und KiKA, die Mediathek des KI.KA sind empfehlenswert. Dort stehen viele Filme und Serien für Kinder zum Abruf bereit.

Alle Tipps im Überblick

  • Kein Fernsehen unter drei Jahren!
  • Gemeinsam Sendungen schauen um herauszufinden, wie ihr Kind auf bestimmte Sendungen reagiert.
  • Klare Absprachen über die Nutzungszeiten treffen.
  • Nach dem TV abschalten, über das Gesehene reden und Draußen spielen.
  • Vorbild sein beim Fernsehverhalten.
  • Kindgerechte Sendungen auswählen, auf Werbung, Gewalt, Katastrophen und gruselige Filme und Serien erst einmal verzichten.