Drogenvideos im TikTok-Feed - Was Eltern wissen sollten
– NewsUnter Begriffen wie „PingTok“ oder „SniffTok“ finden sich auf TikTok zahlreiche Videos rund um Drogen – von aufklärenden Inhalten und Erfahrungsberichten bis hin zu offenen Konsumdarstellungen. Manche Clips sprechen ehrlich über Risiken und zeigen die Schattenseiten. Viele andere hingegen inszenieren Drogenkonsum als etwas Faszinierendes, Aufregendes oder sogar Befreiendes.
Oft wirken diese Clips harmlos – sie zeigen Partyszenen, Musik, bunte Lichter und lachende Gesichter. Doch dahinter kann die Verharmlosung oder Romantisierung von Substanzen wie MDMA, Kokain oder Speed stecken. Viele junge Nutzerinnen und Nutzer schauen sich an, wie Ältere feiern, und orientieren sich an deren Verhalten. Doch in manchen dieser Clips werden Drogenkonsum und riskantes Feiern unkritisch gezeigt oder sogar verherrlicht. Viele der Clips sind mit Musik unterlegt und greifen aktuelle Trends oder Challenges auf. Manche CreatorInnen erzählen offen von ihrem „ersten Trip“ oder filmen sich beim Konsum. Andere zeigen körperliche Reaktionen wie große Pupillen, Zittern oder Erbrechen – oft verpackt in eine vermeintlich coole Ästhetik. Häufig wird der Drogenrausch als Ausdruck von Freiheit, Gemeinschaft oder Selbstfindung inszeniert.
Weil TikTok Begriffe wie MDMA oder Kokain sperrt, nutzen CreatorInnen den sogenannten „Algospeak“, also Tarnsprache. Statt von MDMA ist etwa von „Tante Emma“ oder von „Ping“ die Rede, statt „drauf sein“ steht #drff. Diese Codes umgehen Filter, sodass die Videos online bleiben und für Außenstehende unauffällig wirken. Wer danach sucht, findet eine Mischung aus Erfahrungsberichten, scheinbarer Aufklärung und Clips, die den Konsum verharmlosen. In Kommentarspalten wird teilweise sogar nach Kontakten für Drogendealer gefragt oder auf Messenger-Dienste verwiesen – ein möglicher Einstieg in reale Drogenszenen.
Aktuelle Studie ordnet den Trend ein
Die Studie „From #Dr00gtiktok to #harmreduction: Exploring Substance Use Hashtags on TikTok“ aus dem Jahr 2025 hat über 38.000 TikTok-Videos mit Drogenbezug untersucht. Das Ergebnis zeigt, wie vielfältig der Umgang mit dem Thema ist: Rund ein Viertel der Videos zeigt oder beschreibt den Konsum von Drogen direkt – also offen sichtbar oder in detaillierten Schilderungen. Viele weitere Clips greifen das Thema auf humorvolle, ironische oder ästhetisch überhöhte Weise auf.
Ein großer Teil der Inhalte fällt hingegen in den Bereich „Recovery Advocacy“ – also Videos, die sich mit Aufklärung, Prävention oder persönlicher Reflexion beschäftigen. Dazu zählen Erfahrungsberichte über Abstinenz oder Rückfälle ebenso wie sachliche Erklärungen zu Wirkstoffen und deren Wirkung im Körper. Doch auch solche Inhalte bergen Risiken: Selbst wenn sie warnen oder informieren, können sie bei Jugendlichen Neugier wecken und den Wunsch auslösen, eigene Erfahrungen zu machen. Problematisch ist, dass ästhetische oder humorvolle Clips den Konsum romantisieren oder verharmlosen. Werden solche Inhalte von Jugendlichen gesehen, ohne dass sie die Botschaften kritisch hinterfragen, kann leicht der Eindruck entstehen, Drogen seien harmloser, als sie tatsächlich sind.
Warum Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind
Kinder und Jugendliche sind in einer Phase, in der sie sich ausprobieren, dazugehören und Vorbilder finden wollen. Wenn TikTok-Videos Rausch, Kontrollverlust und Drogenkonsum als spannend oder befreiend zeigen, kann das schnell faszinierend wirken. Schon ein einziger Like oder ein längeres Anschauen solcher Videos reicht, damit der Algorithmus ähnliche Clips immer wieder einspielt. Es entsteht der Eindruck, dass solches Verhalten normal oder sogar bewundernswert ist.
Besonders für junge Menschen kann das gefährlich werden. Sie vergleichen sich mit anderen, wollen mithalten oder dazugehören. Was als Neugier beginnt, kann sich zu echtem Druck entwickeln – und dem Wunsch, Erfahrungen zu machen, die in Wahrheit riskant oder gesundheitsschädlich sind.
Was Eltern tun können können
- Interesse zeigen
Fragen Sie regelmäßig Ihre Kinder, was sie online sehen, liken und teilen. Soziale Medien sind für viele junge Menschen eine wichtige Informationsquelle, aber dort mischen sich Meinungen und Fakten oft unbemerkt. Wenn Eltern zuhören und ohne Vorurteile ins Gespräch gehen, entsteht Vertrauen – und Kinder trauen sich eher, sich zu melden, wenn ihnen etwas auffällt oder Sorgen bereitet. - Offen über Risiken sprechen
Erklären Sie, welche Wirkungen und Gefahren Drogen haben und warum viele Videos auf Social Media einen falschen Eindruck vermitteln. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass TikTok-Videos selten die Realität zeigen – weder die gesundheitlichen Folgen noch die Abhängigkeit, die dahinterstehen kann. Unterstützen Sie Ihr Kind darin, solche Videos kritisch zu hinterfragen. Es ist wichtig, dass Sie ihr Kind darin bestärken, eigene Grenzen wahrzunehmen und Entscheidungen bewusst zu treffen. - Inhalte gemeinsam prüfen
Bei jüngeren Kindern ist es ratsam, gemeinsam zu schauen, welchen Accounts gefolgt wird und welche Inhalte es sieht. So lassen sich problematische Inhalte oder Hashtags (z. B. #pingtok, #drff) erkennen und blockieren. - Bildschirmzeit regulieren
Zudem ist es sinnvoll, die Bildschirmzeiten und Mediennutzung altersgerecht zu beschränken. TikTok bietet mit dem Begleiteten Modus eine erweiterte Funktion, mit der Erziehende die Bildschirmzeit ihrer Kinder begrenzen, Pausen einrichten und Inhalte besser steuern können. Um den Modus zu aktivieren, müssen Eltern die App auf ihrem eigenen Smartphone installieren und gemeinsam mit dem Kind koppeln. - Hilfe holen
Bei Anzeichen von illegalem Drogenkonsum sollten Eltern oder Angehörige nicht zögern, sich Unterstützung zu holen. Erste Anlaufstellen sind die Nummer gegen Kummer sowie die bke-Elternberatung, die vertrauliche Onlineberatung anbietet. Auch die Plattform Drugcom.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet Informationen zu Substanzen, Online-Selbsttests und E-Mail-Beratung. Darüber hinaus gibt es Suchtberatungsstellen vor Ort, beispielsweise bei der Caritas oder Diakonie.