Cybermobbing - Terror im Netz

Beleidigungen und Ausgrenzungen unter Jugendlichen im Netz stellen ein großes Problem dar. Cybermobbing ist weder räumlich noch zeitlich begrenzt, Inhalte verbreiten sich extrem schnell und sind nicht kontrollierbar, da sie von Nutzern gespeichert, verändert und an anderer Stelle erneut hochgeladen oder weiterversendet werden können. Die Hemmschwelle beim Cybermobbing ist niedrig, weil die Täter nicht mit der unmittelbaren Reaktion des Opfers konfrontiert werden und oft versteckt im vermeintlichen Schutz der Anonymität handeln.

© Fotolia/highwaystarz
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Veröffentlicht am 08.02.2017

Was ist Cybermobbing?

Beim Cybermobbing werden andere dauerhaft und gezielt durch elektronische Medien beleidigt, bloßgestellt und bedroht. Über soziale Netzwerke, Websites und Videoportale oder per Handy werden beispielsweise peinliches Bildmaterial und Gerüchte verbreitet oder Fake-Profile angelegt. Beiträge werden beleidigend kommentiert, über private Kommunikationswege erhalten Opfer Beleidigungen und Bedrohungen. Auch das bewusste Ausschließen z.B. aus WhatsApp-Gruppen einer Schulklasse kann hierunter gefasst werden.

Eine Studie der TU Berlin unterscheidet nach einer Studienübersicht  folgende Formen:
•    Gegenseitiges Provozieren, Beschimpfung (Flaming)
•    Wiederholte Beleidigungen (Harassment)
•    Verleumdung, Gerüchte verbreiten (Denigration)
•    Bloßstellen und Betrügerei (Outing and Trickery)
•    Sozialer Ausschluss (Exclusion)
•    Auftreten unter falschem Namen, Identitätsdiebstahl (Impersonation)
•    Online Veröffentlichung entwürdigender Fotos / Videos (Happy Slapping)
•    fortwährende Belästigung und Verfolgung (Cyberstalking)
•    Androhung von körperlicher Gewalt (Cyberthreat)

Wie häufig ist Cybermobbing?

Laut JIM-Studie 2016 kennt jeder Dritte (34 %) der Zwölf- bis 19-Jährigen jemanden, der im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde, Mädchen (37 %) häufiger als Jungen (31 %). Acht Prozent waren selbst schon einmal von Mobbing betroffen. 59 Prozent würden sich in einem solchen Fall an ihre Eltern wenden würden, zwei Fünftel eher Freunden anvertrauen und elf Prozent würden ihre Geschwister um Hilfe bitten. Je sechs Prozent würden sich Unterstützung von ihren Lehrern oder der Polizei holen. Vier Prozent würden versuchen damit alleine klar zu kommen. Beratungsstellen, weitere Angehörige sowie der Provider oder der Verursacher werden von je einem Prozent genannt.

Laut einer Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing waren 17% der Schüler bereits Opfer von Cybermobbing. Die Täter stammen dabei mehrheitlich (55%) aus dem sozialen Umfeld der Schule. Oft sind die Grenzen zwischen Betroffenen und Beteiligten fließend: Mehr als ein Drittel der Schüler, die andere mobben, auch selbst schon gemobbt wurden. „Langeweile“ oder „Spaß“ sind häufige Motive der Cybermobber. Soziale  Netzwerke  sind  der  zentrale  Tatort  für  Cybermobbing.  Als  Medien  werden immer häufiger Smartphones genutzt. Beschimpfungen und Beleidigungen, gefolgt von  Gerüchten und Verleumdungen sind die häufigsten Formen von Cybermobbing. Ein Fünftel der Cybermobbingopfer fühlt sich dauerhaft belastet. Nur jeder Fünfte meldet die Vorfälle den Betreibern der betroffenen Plattformen. Freunde und Eltern werden als wichtigste und wünschenswerteste Hilfe bei Attacken genannt.  50% der Mobbingopfer wünscht sich mehr Unterstützung der Schulen.

Woran merke ich, dass mein Kind betroffen ist?

Kinder, die betroffen von Cybermobbing sind, können ganz unterschiedlich reagieren: Einige sind eingeschüchtert und ziehen sich zurück, um keine Angriffsfläche mehr zu bieten. Sie nutzen Computer und Internet weniger oder machen das Gerät sofort aus, wenn Eltern und Freunde in die Nähe kommen. Andere reagieren aggressiv oder werden krank.

Viele Betroffene von Cyber-Mobbing …

  • … ziehen sich sozial zurück, werden zurückhaltender und verschlossener, erzählen weniger von Schule und Arbeit, die Fröhlichkeit verschwindet.
  • … leiden unter Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder anderen körperlichen Beschwerden.
  • … zeigen psychische Reaktionen (Niedergeschlagenheit, fehlendes Selbstvertrauen, fehlende Lebensfreude, Vertrauensverlust, Minderwertigkeitsgefühle, Angst, Depressionen), die auch längerfristig anhalten können.
  • … gehen nur noch extrem ungern oder mit Bauchschmerzen in die Schule oder zur Arbeit, schulische oder berufliche Leistungen fallen ab, die Konzentrationsfähigkeit lässt nach oder Interessen verändern sich.
  • … sind nicht mehr gerne im Internet, schließen Anwendungen wie Soziale Netzwerke, wenn jemand hinzu kommt oder wirken verstört, nachdem sie aufs Handy geschaut haben.
  • … und gleichzeitigem herkömmlichen Mobbing kommen mit leichten Blessuren oder beschädigten Gegenständen und Kleidungsstücken nach Hause. In einigen Fällen nehmen Täterinnen und Täter dem Opfer auch Gegenstände oder Geld ab (das sogenannte „Abziehen“).
  • … blocken Gespräche über Verhaltensänderungen oder sonstige Auffälligkeiten konsequent ab, spielen sie herunter, reagieren mit Scham oder weichen den Fragen aus.

Kriterien aus dem Ratgeber von klicksafe zu Cybermobbing

Wie sind "klassisches" Mobbing und Cybermobbing miteinander verbunden?

Die Analysen der TU Berlin zeigen, dass Online- und Offline-Verhalten eng miteinander verbunden sind: Die sozialen Erfahrungen im Schulalltag und die Aktivitäten der Jugendlichen im Internet sind häufig nicht voneinander zu trennen, sondern wirken sich aufeinander aus (z.B. die ganze Klasse lacht über einen Schüler, der auf einem peinlichen Video im Internet zu sehen ist). Cyber-Mobbing und Schulhof-Mobbing ergänzen sich also wechselseitig.

Wie können sich Jugendliche unterstützen?

Jugendliche, haben mehrere Handlungsmöglichkeiten, um Betroffene zu unterstützen. Hier ist es wichtig, dass Eltern vereinbaren, dass Jugendliche sich gerade in schweren Fällen vorher mit ihnen absprechen, um sich nicht unnötig selbst zu gefährden:

  • Absichtliches Ignorieren der Vorfälle , wenn die oder der Betroffene die Vorfälle nicht als gravierend empfindet und es offensichtlich erscheint, dass es den Verursachern in erster Linie darum geht, Reaktionen zu provozieren;

  • Kontakt zum Opfer aufnehmen und Mitgefühl zeigen;

  • online gegen die Schikane reagieren (z.B. Kommentare auf Pinnwand im Sozialen Netzwerk löschen, beleidigende Bilder oder Hassgruppen melden), offline den Täter oder die Täterin ansprechen, mit dem Cyber-Mobben aufzuhören;

  • Insgesamt kann es helfen online als auch offline Position zu beziehen und sich gegen Cybermobbing auszusprechen. Auch größere Aktionen wie ein Aktionstag an der Schule oder im Sportverein gegen Cybermobbing hilft und sensibilisiert für das Thema.

  • Gespräche mit Lehrern bzw. Eltern suchen, Betroffene auf Beratungs- oder Meldestellen aufmerksam machen, ggf. einen Anwalt einbeziehen und Anzeige bei der Polizei erstatten.

Was können Eltern und Erziehende tun?

Konflikte zwischen Heranwachsenden sind normal. Schwierig wird es, wenn sie online über Beleidigungen und Abwertungen ausgetragen werden. Bei Cybermobbing handelt es sich um ernstzunehmende Attacken, die bei dem Opfer oft seelische Verletzungen verursachen und strafbar sind. Es ist wichtig, dass Eltern sich darüber informieren, aufmerksam sind und Verhaltensregeln im Netz mit ihrem Kind besprechen. Es geht darum deutlich zu machen, welche Folgen Cybermobbing haben kann und dass Kinder und Jugendliche sensibilisiert werden, sich für andere einsetzen. Dabei hilft eine gemeinsame Haltung gegen Mobbing.

  • Respekt vermitteln: Wichtig sind Chatregeln zu vereinbaren, die Netiquette zu achten und respektvoll zu sein. Hinter jedem Nutzer stehen echte Menschen - ein höflicher Umgang gilt auch in Chats. Aber auch Persönliches schützen. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche nichts zu Persönliches von sich oder anderen preisgeben, auch um keine Angriffsfläche zu bieten.
  • Courage zeigen: Werden andere online gemobbt, können Kinder auch selbst Courage zeigen und sich gegen Hetze aussprechen und für andere einzusetzen. Behutsam vorgehen, um sich nicht selbst zu gefährden. Hier gibt es Memes, um Hate Speech zu kontern.

  • Vertrauensbasis schaffen: Eltern sollten gemeinsam mit ihrem Kind das Internet entdecken und über mögliche Gefahren wie Belästigungen bereits im Vorfeld sprechen.

  • Unterstützung anbieten: Das Kind sollte das Gefühl haben, zu jeder Zeit mit seinen Eltern über alle Erfahrungen im Internet reden zu können und Unterstützung zu erhalten, damit die Hürde für das Kind nicht zu groß ist, sich anzuvertrauen.'

  • Verständnis zeigen: Sensibel und verständnisvoll auf mögliche Veränderungen des Kindes reagieren

  • Ernst nehmen: Kinder müssen wissen, dass sie mit ihren Anliegen ernst genommen werden und Hilfe erfahren. Falls Eltern konkrete Schritte unternehmen wollen, ist es sinnvoll, diese mit dem Kind zu besprechen und es in ihre Lösungsversuche einzubeziehen.

  • Gemeinsam nach Lösungen suchen: Falls Eltern konkrete Schritte unternehmen wollen, ist es sinnvoll, diese mit dem Kind zu besprechen und es in ihre Lösungssuche einzubeziehen.

  • Nicht bestrafen: Ein Handy- und Internetverbot ist nicht sinnvoll. Cybermobbing ist in der Regel nicht einem Fehlverhalten des Kindes geschuldet, auch unabhängig von der eigenen Internet- und Handynutzung können Inhalte über die betroffene Person veröffentlicht werden.

  • Schule kontaktieren: Hilfreich kann es auch sein, die Schule des Kindes anzusprechen, damit Cybermobbing im Unterricht zum Thema gemacht wird. Hier ein Unterrichtspaket von klicksafe.

Kind betroffen

  • Belege über Screenshots (Bildschirmaufnahme) sammeln sowie alle verfügbaren personenbezogenen Informationen und solche, die den Vorfall beschreiben, also etwa Namen oder Nicknames (Spitznamen) der verantwortlichen Nutzer notieren. Außerdem Links zu dem Täter-Profil und den Fundstellen speichern, sofern der jeweilige Dienst das ermöglicht.

  • Sind die Beteiligten bekannt, diese auffordern, die Inhalte zu entfernen. Manchmal ist den Beteiligten nicht klar, dass sie andere verletzen.

  • Löschen die Täter die Inhalte nicht freiwillig, können Eltern dies vom Betreiber fordern, dessen Kontaktdaten über den Hilfebereich oder das Impressum bzw. die Nutzungsbedingungen zu finden sind. Bei Plattformen können Nutzer auch häufig Inhalte über einen Button melden.

  • Bei schweren Verstößen können Eltern rechtliche Schritte einleiten, ggf. anwaltliche Beratung einholen und die verantwortlichen Nutzer bei der Polizei zur Anzeige bringen.

Kind beteiligt

  • Eltern sollten mit ihrem Kind reden und versuchen die Gründe zu ermitteln, warum es andere bloßstellt, ausgrenzt oder beschimpft. Ursachen können Unzufriedenheit oder die Suche nach Anerkennung sein. Informationen dazu finden Sie z.B. hier.

  • Lage des Opfers verdeutlichen und aufzeigen, wie unangenehm diese Rolle ist sowie Alternativen nennen, wie man mit Streitsituationen umgeht.

  • In vielen Fällen ist es ratsam, Kontakt zu Eltern der anderen Täter aus der Gruppe aufzunehmen und zu besprechen, wie das Mobbing beendet werden kann.

  • Stellt das Kind auch nach Aufforderung der Eltern das Mobbing nicht ein, können Eltern Sanktionen aussprechen, wie etwa eine Surf- oder Chatpause.