Apps, Emojis, Memes: Wie Islamisten Kinder in sozialen Medien rekrutieren

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Dschihadisten als Helden in Video-Clips, Aufrufe zu Terrorattacken in Memes, Kinder als Zielgruppe von Apps des „Islamischen Staats“: Islamisten sprechen über das Netz immer jüngere User an. Wie der aktuelle Lagebericht zu Islamismus im Netz von jugendschutz.net zeigt, verbreiten sie ihre Botschaften in Diensten wie YouTube und Instagram, die in der Medienwelt von Kindern und Jugendlichen eine zentrale Rolle spielen. Auch Emojis, die beim Chatten beliebt sind, werden gezielt eingesetzt.

Ein Junge sitzt alleine auf einer Treppe und guckt traurig auf sein Smartphone
Gaelle Marcel/unsplash

„Islamistische Propaganda setzt an Jugendkulturen an und holt Kids dort ab, wo sie sich täglich bewegen: in den sozialen Medien", so Stefan Glaser, stellvertretender Leiter von jugendschutz.net. "Nicht immer springen einem Hass und Gewalt unmittelbar entgegen. Viele Angebote schüren unterschwellig menschenverachtende und demokratiefeindliche Haltungen." Glaser fordert, die Betreiber reichweitenstarker Plattformen seien in die Pflicht zu nehmen, nicht nur terroristische Inhalte zu löschen, sondern Kinder und Jugendliche auch proaktiv zu schützen.

„Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf eine unbeschwerte Teilhabe am digital-vernetzten Leben. Alle Kinder und Jugendlichen sollten demokratiefeindliche Inhalte im Netz erkennen können und lernen, wie sie damit umgehen können", betont Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey. "Das Bundesfamilienministerium unterstützt deshalb Akteure, die Kindern und Jugendlichen mit Rat und Tat beim Umgang mit Online-Inhalten zur Seite stehen und die Demokratie und Vielfalt im Netz stärken", so Frau Dr. Giffey weiter.

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf eine unbeschwerte Teilhabe am digital-vernetzten Leben.

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, sieht einen großen Bedarf an innovativen Konzepten für die politische Bildung. "Pädagogische Fachkräfte brauchen Informationen und zeitgemäße Praxismodule, damit sie Jugendliche bei der kritischen Einordnung islamistischer Propaganda unterstützen können." Aber auch die Netzgemeinde müsse Akzente setzen. "Userinnen und User, die sich engagieren und online permanent Flagge gegen Hass und Gewalt zeigen, sind ein ganz wesentliches Signal für eine freiheitliche und selbstbestimmte Gesellschaft – auch im Internet."

Untersuchung zu Islamismus im Netz

2017 dokumentierte jugendschutz.net im Themenfeld Islamismus 786 Fälle (2016: 651) mit über 1.547 Verstößen (2016: 1.497). Meist wurden Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, zum Beispiel vom "Islamischen Staat", unzulässige Darstellungen von Gewalt und menschenwürdeverletzenden Szenen, z. B. Hinrichtungsvideos oder die Vorführung von getöteten Menschen als Trophäen, verbreitet.

Der Lagebericht 2017 zu Islamismus im Internet von jugendschutz.net kann hier heruntergeladen werden.

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