Studie: Eltern oft hilflos gegenüber Risiken der Mediennutzung

Eine Studie der Universität zu Köln in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk zeigt: Eltern sind oft hilflos gegenüber den Risiken digitaler Mediennutzung. Außerdem beachten sie bei der Nutzung Sozialer Netzwerke nur selten die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder.

Ein Baby und der Vater schauen sich ein Bilderbuch an
freestocks.org/Pexels

In der Studie zeigt sich, dass Eltern die erzieherische Begleitung der Mediennutzung ihrer Kinder wichtig finden und sich damit auseinandersetzen. Damit, bei medialen Entwicklungen nicht den Anschluss zu verlieren, fühlen sie sich jedoch oft überfordert. Vor allem bei der Nutzung Sozialer Netzwerke wie WhatsApp, Facebook, Instagram, Snapchat und YouTube wissen Eltern oft nicht, wie sie mit den Gefahren für ihre Kinder umgehen sollen.

Sharenting

Englischer Begriff, der sich zusammensetzt aus den Worten „Parenting“ (Kindererziehung) und „to share“ (teilen). Er beschreibt die Verbreitung von Kinderbildern durch Eltern in sozialen Medien.

Die qualitative Studie beschäftigt sich mit digitaler Mediennutzung in Familien. Auch sogenanntes „Sharenting“ und die Berücksichtigung der Beteiligungsrechte und Persönlichkeitsrechte von Kindern wurden untersucht.

 

Die Herausforderung: Freiräume und gleichzeitig Schutz bieten

Der Spagat, Kindern sowohl Freiräume als auch Schutz zu bieten, ist für Eltern die größte Herausforderung. „Einerseits wollen Eltern ihre Kinder auch im digitalen Alltag schützen, andererseits wollen sie den Kindern zunehmend Freiräume und Autonomie ermöglichen“, so Prof. Dr. Nadia Kutscher, Professorin für Erziehungshilfe und Soziale Arbeit an der Universität zu Köln. Das führt oftmals dazu, dass die Eltern zu Strategien wie zum Beispiel der Chat- oder Browserkontrolle greifen, die die Privatsphäre der Kinder massiv verletzen.

Soziale Medien als Teil der Kommunikation im Familienalltag

Digitale Medien sind ein fester Bestandteil des Familienalltags. Alle in der Studie befragten Eltern besitzen Smartphones und haben darauf in der Regel die einschlägigen Apps (u.a. WhatsApp, Facebook, YouTube, Instagram) installiert. Meist unterscheiden sie Facebook als „öffentlich“ und WhatsApp als „privat“. Das führt dazu, dass Eltern sich genau überlegen, was sie bei Facebook posten, aber nicht welche Daten sie über WhatsApp teilen.

„Sharenting“ verletzt die Persönlichkeitsrechte der Kinder

Prinzipiell ist Eltern Datenschutz wichtig, sie fühlen sich jedoch meistens nicht ausreichend kompetent in der Nutzung verschiedener Dienste. Ein Zusammenspiel aus unzureichender Informiertheit, Unsicherheit, Hilf- und Machtlosigkeit, aber auch Nutzungsroutinen ist die Basis unzureichender Datenschutzstrategien der Eltern.

In der Studie wird deutlich, dass Kinder oft klare Vorstellungen haben, wann und mit wem Bilder von ihnen geteilt werden sollten. Ihre Eltern beteiligen sie allerdings in der Regel nicht an Entscheidungen, wenn diese Bilder von ihnen verbreiten.

"Die Rechte von Kindern sind auch im digitalen Raum nicht verhandelbar“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Er spricht sich dafür aus, Familien nicht mit der Medienerziehung alleine zu lassen. „Zudem bedarf es verständlicher und umsetzbarer gesetzlicher Vorgaben für die Erhebung, Verbreitung und Verarbeitung digitaler Daten“, so Krüger. „Das Deutsche Kinderhilfswerk plädiert aus diesem Grund für einen modernen, ganzheitlichen und ausdrücklich an der UN-Kinderrechtskonvention ausgerichteten Jugendmedienschutz, der gleichermaßen Schutz, Teilhabe und Kompetenzförderung von Kindern in den Medien absichert

Die Studie "Kinder. Bilder. Rechte. - Persönlichkeitsrechte von Kindern im Kontext der digitalen Mediennutzung in der Familie" wurde von der Universität zu Köln in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk erstellt. In insgesamt fünf Städten und Gemeinden in vier verschiedenen Bundesländern wurden 37 Interviews mit Eltern und Kindern zwischen sechs bis 15 Jahren geführt.

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Das Deutsche Kinderhilfswerk betreute auch zusammen mit anderen ReferentInnen den Digitalen Elternabend von SCHAU HIN! zum Thema „Kinderfotos im Netz“.

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