Mama, leg mal das Handy weg!

Eltern sind die wichtigsten Vorbilder für ihre Kinder – auch bei der Mediennutzung. Kinder übernehmen gern gewisse Verhaltensmuster und Nutzungsweisen ihrer Eltern. So können diese ihrem Nachwuchs einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medien vermitteln.

© Andrey Popov / Fotolia
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Zuletzt aktualisiert am 16.04.2015

Kinder lernen Umgang mit Medien zuerst in der Familie

Ihre ersten Erfahrungen mit Medien machen Kinder in der Regel in der Familie. Je jünger sie sind, desto mehr hängt ihr Medienkonsum noch von den Eltern ab. Zudem wirkt sich die Digitalisierung der Gesellschaft auch auf den Familienalltag aus und ist dort ein Thema, wie diverse Studien belegen.

Eigenes Handeln wichtiger als Worte und Regeln

Medienkompetenz von Kindern wird nicht nur durch Worte und Regeln, sondern durch eigenes Verhalten und eigene Haltungen beeinflusst. Wichtig ist, dass Eltern sich ihrer Vorbildrolle und ihrem Einfluss auch in der Medienerziehung bewusst sind, ihre Mediennutzung reflektieren und mit gutem Beispiel vorangehen, sich über aktuelle Entwicklungen informieren, um ihr Kind kompetent begleiten zu können. Gemeinsame Regeln sollten nicht nur gut begründet, sondern bestenfalls gemeinsam gelebt werden, damit Kinder diese nachvollziehen können und sich auch daran halten.

Tipps

Medienverhalten reflektieren

Reflektieren Eltern ihr eigenes Medienverhalten, empfiehlt es sich auf folgende Punkte zu achten. Unser Online-Test für Eltern hilft dabei:

Nutzungsdauer und Nutzungshäufigkeit

Am besten beobachten sich Eltern selbst, wie oft sie welche Medien wozu nutzen. Gehen sie beim Essen oder bei Gesprächen ans Handy? Läuft der Fernseher bei anderen Freizeitaktivitäten? Sind Computer oder mobile Geräte ständig auf Empfang? Eine Möglichkeit sich selbst auf die Schliche zu kommen, ist ein gemeinsames Medienfasten, um mit dem Kind Verhaltensweisen zu überprüfen.

Datenschutz

Wenn Eltern ihren Kindern einen sparsamen Umgang mit persönlichen Daten vorleben, hilft diesen das bei der Achtsamkeit. Haben Eltern selbst ein Profil in sozialen Netzwerken ist es hilfreich, die Einstellungen zu überprüfen und genau darauf zu achten, welche Inhalte mit wem geteilt werden. Ratsam ist es überhaupt keine Bilder von Kindern in sozialen Netzwerken zu teilen – zumindest keine auf denen sie erkennbar sind.

Umfeld

Wichtig für Kinder ist auch das Medienverhalten von anderen Geschwistern oder anderen Verwandten, Bekannten und Freunden. Eltern sollten hierauf achten und dieses mit ihrem Kind reflektieren bzw. bei Geschwistern darauf Einfluss üben.

Im Gespräch bleiben

Eltern können mit ihrem Kind regelmäßig über Medienthemen und Medienerlebnisse sprechen. Diese Gespräche können Eltern für verschiedene Perspektiven der Medienerziehung nutzen:

Erfahrungsaustausch

Kinder können im Gespräch über Medien von ihrem Alltag, ihren Kontakten und Themen erzählen. Eltern können die Entwicklung und Sozialisation ihrer Kinder reflektieren, und deren Perspektive nachvollziehen. Sie können ebenso über ihre Sichtweise und eigenen Erfahrungen  sprechen, dies miteinander abgleichen und dabei ihre eigenen Standpunkte vertreten und begründen sowie Kinder dafür sensibilisieren. Damit geben sie Kindern eine Orientierung bezüglich der Themen, aber auch bezüglich der Medien.

Vertrauensbasis

Diese Gespräche stärken das gegenseitige Vertrauen, so dass Kinder sich eher bei Problemen an ihre Eltern wenden. 

Regeln vereinbaren

Im regelmäßigen Austausch können Eltern auf Augenhöhe mit ihrem Kind Regeln zur Mediennutzung vereinbaren und diese auf ihre Alltagstauglichkeit überprüfen.

Regelmäßig informieren  

Medien entwickeln sich rasant weiter. Hier gilt es, sich häufig darüber zu informieren, um auf dem Laufenden zu bleiben. Hierzu empfehlen sich folgende Anlaufstellen und Angebote:

  • Ratgeber zur Medienkompetenz von Kindern wie SCHAU HIN! oder Klicksafe und weiteren medienpädagogischen Initiativen 
  • Allgemeine Beratungsstellen zur Erziehung 
  • Kurse zur Medienkompetenz von Eltern etwa Elternmedientrainings von Landesmedienanstalten, Volkshochschulen, Kommunen oder anderen Trägern der Elternarbeit

KIM-Studie 2014

Bei den Themeninteressen der Haupterzieher sind neben „Schule“ (67 %), „Erziehung“ (62 %), „Liebe/Partnerschaft“ (60 %) das Thema „Internet“ für 50 Prozent bedeutsam, „Kinder und Medien“ für 41 Prozent, „Handy“ für 35 Prozent, „Games“ für zwölf Prozent. Das wichtigste Medium ist für die Hälfte das Fernsehen, für 27 Prozent Computer und Internet. Eltern betrachten Medien für den Alltag der Kinder ambivalent: Computer und Internet sind einerseits wichtig für die Schule und die Integration bei Freunden, binden aber zu viel freie Zeit. Dem Internet schreiben die Eltern außerdem ungeeignete Inhalte zu. Handy/Smartphone bergen aus ihrer Sicht das höchste Konfliktpotential, bei Mädchen noch stärker als bei Jungen. Ähnlich problematisch werden Computerspiele, Fernsehen und Internet bewertet.

In Familien gibt es verschiedene Regeln für den Medienumgang bezüglich der Inhalte und der Nutzungsdauer. Bei den Inhalten wird das Internet am stärksten reglementiert, aber es gibt auch bei drei Vierteln der jeweiligen Nutzer Absprachen darüber, welche Computerspiele gespielt werden oder welche Sendungen im Fernsehen angeschaut werden. Etwas weniger wird diskutiert, wo die Kinder chatten oder was genau sie am Handy/Smartphone machen. Wie lange Internet, Games, der PC oder der Fernseher genutzt werden dürfen, haben jeweils drei Viertel abgesprochen.

Deutsches Jugendinstitut

Laut einer Befragung im Rahmen des Projekts „Digitale Medien: Beratungs-, Handlungs- und Regulierungsbedarf aus Elternperspektive“ von Eltern von 1- bis 15-jährigen Kindern und Jugendlichen haben diese durchaus Informationsbedarf zur Internetnutzung ihrer Kinder. In Fragen der Interneterziehung ihres Kindes schätzen sich ein gutes Drittel der Mütter und mehr als die Hälfte der Väter als „sehr kompetent“ oder „kompetent“ ein. Die wichtigsten Informationsthemen für Eltern sind Aufklärung über mögliche Risiken und Informationen zum Schutz der Kinder im Netz. Erst danach folgen Hinweise zur altersgerechten Nutzung und zum Verstehen und Erleben des Internets durch Kinder.

AOK-Familienstudie

Die Frage ob elektronische Medien von den Kindern alleine oder zusammen mit den Eltern genutzt werden, hängt in erster Linie vom Alter der Kinder ab: Jüngere Kinder zwischen 4 und 6 Jahren haben nur vereinzelt Zugriff auf elektronische Medien. Ein Drittel der Kinder unter 7 Jahren nutzt den Computer bereits zusammen mit den Eltern, ein Viertel geht mit den Eltern auch online. Die Nutzung des Fernsehgeräts und des DVD- bzw. Blue-Ray-Players findet in allen Altersgruppen vor allem mit den Eltern statt, wohin gegen die Spielkonsole ab einem Alter von 7 bis 9 Jahren bereits wesentlich häufiger von den Kindern allein bedient wird. Ab einem Alter von etwa 10 Jahren beschäftigen sich die Kinder eher allein mit dem Computer, ab 13 bis 14 Jahren sind sie auch im Internet mehrheitlich allein.

Wie viel Kinder fernsehen, ist alters- und bildungsabhängig: So schauen nur 11% der 4- bis 6-Jährigen am Wochenende mehr als drei Stunden fern, aber 25% der 7- bis 9-Jährigen, 39% der 10- bis 12-Jährigen und 59% der 13- bis 14-Jährigen. Während jedes fünfte Kind aus bildungsfernen Familien mehr als drei Stunden pro Wochentag fernsieht, ist es bei bildungsnahen Familien jedes 25. Kind. 86% setzen ein Zeitlimit beim Fernsehen. 65% begrenzen die Computernutzung des Kindes. Deutlich weniger wird der Gebrauch von Videokonsolen (41%) und Smartphones (27%) eingeschränkt. Knapp zwei Drittel der Eltern geben an, über die Mediennutzung ihres Kindes voll im Bilde zu sein. Die Eltern haben mehrheitlich (57%) feste Regeln zur Mediennutzung des Kindes festgelegt. Knapp die Hälfte der Väter und Mütter informiert sich darüber, welche Medieninhalte für ihr Kind geeignet sind, und fast ein Drittel spricht regelmäßig mit dem Kind über die genutzten Medieninhalte.

Ratgeber und Studien

Deutsches Jugendinstitut: Digitale Medien: Beratungs-, Handlungs- und Regulierungsbedarf aus Elternperspektive, www.dji.de/index.php?id=1602

Bernward Hoffmann: „Medienkompetenz von Eltern im System Familie“, in: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche - Eine Bestandsaufnahme, 2013

Wagner, Ulrike; Gebel, Christa; Lampert, Claudia: Medienerziehung in der Familie, LfM, 2013

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: FIM-Studie 2011