Deepnudes: Wie Eltern ihre Kinder schützen können
Mit Künstlicher Intelligenz lassen sich heute täuschend echte Bilder erzeugen oder verändern – auch sogenannte „Deepnudes“, also sexualisierte Fälschungen von Personen. Besonders kritisch: Dafür werden oft frei zugängliche Fotos von Social Media genutzt, auch von Kindern und Jugendlichen. Diese Entwicklung ist eine Form digitaler Gewalt. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, wie es sich schützen, reagieren und verhindern kann, dass es selbst andere mit solchen Bildern verletzt.
Definition: Was sind Deepnudes und sexualisierte Deepfakes?
Deepnudes sind eine spezielle Form von Deepfakes. Dabei werden Personen in sexualisierten Darstellungen gezeigt, obwohl die Situation so nicht stattgefunden hat. Sexualisierte Deepfakes gehen darüber hinaus und können Personen beispielsweise in sexualisierten Situationen oder mit verändertem Körper darstellen.
Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass es sich dabei nicht um „bearbeitete Fotos“ im klassischen Sinn handelt. Es geht nicht um Filter oder harmlose Effekte, sondern um gezielte digitale Konstruktionen, die echte Menschen in verletzenden Kontexten darstellen.
Besonders wichtig: Die abgebildete Person hat der Erstellung oder Verbreitung des Bildes in der Regel nicht zugestimmt und hat meist keine Kontrolle darüber, was mit ihrem Bild passiert.
Deepnudes und sexualisierte Deepfakes können eine Form digitaler sexualisierter Gewalt sein. Organisationen wie UNICEF betonen, dass solche Technologien weltweit zunehmend für Missbrauch eingesetzt werden. Auch Fachstellen wie jugendschutz.net warnen davor, dass der Zugang zu entsprechenden KI-Tools niedrigschwellig geworden ist und oft kein technisches Vorwissen nötig ist, um solche Bilder zu erstellen.
Wie funktionieren Deepfakes und Deepnude-Generatoren?
Deepnudes können mithilfe von KI-Bildgeneratoren erstellt werden. Diese Systeme basieren auf Künstlicher Intelligenz (KI), die mit sehr großen Mengen an Bildmaterial trainiert wurde. Diese Systeme basieren auf Künstlicher Intelligenz (KI), die mit sehr großen Mengen an Bildmaterial trainiert wurde.
Dabei lernt die KI typische Muster menschlicher Gesichter und Körper kennen, ebenso wie grundlegende visuelle Zusammenhänge wie Licht, Schatten und Perspektiven. Spezielle Deepnude-Generatoren können aus einem vorhandenen Foto einer Person eine sexualisierte Darstellung erzeugen.
Deepfakes können auf unterschiedliche Weise entstehen: Bestehende Bilder können miteinander kombiniert oder verändert werden. Bei generativer KI können zudem einzelne Bereiche eines Bildes neu erzeugt werden. Welche Möglichkeiten bestehen, hängt vom jeweiligen Bildgenerator und seinen Sicherheitsvorkehrungen ab.
Für Deepnudes gibt es spezielle KI-Anwendungen, die auf die Erzeugung sexualisierter Darstellungen ausgerichtet sind. Sie können beispielsweise zu einem bestehenden Foto einer Person einen künstlich erzeugten Körper ergänzen.
Im Ergebnis kann diese Technologie nicht nur bestehende Bilder verändern, sondern auch vollständig neue, täuschend echt wirkende Bilder erzeugen. Dabei kann eine reale Person dargestellt werden, obwohl die abgebildete Situation nie stattgefunden hat. Welche Bilder erzeugt oder verändert werden können, hängt vom jeweiligen KI-System und dem vorhandenen Bildmaterial ab.
KI-Systeme werden mit großen Bilddatenmengen trainiert und erlernen so, die Darstellung von Menschen zu reproduzieren.
Bei vorhandenen Fotos werden Gesicht und Körper einer Person erkannt, um diese anschließend gezielt zu verändern.
Darauf basierend entstehen neue, künstlich erzeugte Bilder, auch sexualisierte Darstellungen.
Die Ergebnisse wirken oft realistisch und sind für Laien schwer als Fälschung zu erkennen.
Solche Inhalte werden anschließend über Messenger, soziale Netzwerke oder Online-Plattformen verbreitet.
Bei generativer KI können einzelne Bereiche eines bestehenden Bildes neu erzeugt oder verändert werden.
Klären Sie Ihr Kind darüber auf, dass öffentlich zugängliche Fotos für Bildmanipulationen missbraucht werden können. Welche Veränderungen oder neuen Darstellungen möglich sind, hängt vom verwendeten KI-System und dem verfügbaren Bildmaterial ab.
Bereits ein einzelnes, gut sichtbares Bild kann ausreichen, wenn es online verfügbar ist oder beispielsweise in einer Messenger-Gruppe wie einem Klassenchat geteilt wurde.
Wichtig ist außerdem: Viele dieser Anwendungen sind frei im Internet zugänglich oder werden auch außerhalb regulierter Plattformen genutzt. Die Erstellung kann anonym erfolgen und für Betroffene ist es meist schwer nachzuvollziehen, woher solche Inhalte ursprünglich stammen.
Deepnudes: Welche Risiken bestehen für Kinder und Jugendliche?
Deepnudes sind keine technische Spielerei, sondern können für Betroffene und diejenigen, die solche Inhalte erstellen oder verbreiten, erhebliche persönliche, soziale und strafrechtliche Folgen haben. Besonders problematisch ist, dass Betroffene oft erst spät, zufällig oder gar nicht davon erfahren.
- DIGITALE SEXUALISIERTE GEWALT UND GRENZVERLETZUNG
Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass Bilder einer Person ohne deren Zustimmung für sexualisierte Darstellungen verwendet werden. Das ist eine massive Verletzung der persönlichen Würde. - PSYCHISCHE BELASTUNG UND VERTRAUENSVERLUST
Betroffene Kinder und Jugendliche können Scham, Angst, Kontrollverlust oder starke Verunsicherung erleben. Besonders belastend ist oft die Unklarheit, wer die Bilder gesehen hat und wie weit sie verbreitet wurden. - MOBBING UND SOZIALE DYNAMIKEN
Deepnudes können in Klassenchats, Freundesgruppen oder auf Social Media geteilt werden. Dadurch entstehen schnell Dynamiken von Bloßstellung, Ausgrenzung oder sozialem Druck. - ERPRESSUNG UND MANIPULATION (SEXTORTION)
In manchen Fällen werden Deepnudes gezielt genutzt, um Kinder oder Jugendliche zu erpressen. Täter drohen etwa mit der Veröffentlichung oder Weiterleitung der Inhalte, um Druck auszuüben und die betroffene Person zur Übersendung echter intimer Bilder, weiterer persönlicher Inhalte oder zur Zahlung von Geld zu zwingen. - LANGFRISTIGE VERBREITUNG UND KAUM KONTROLLE
Einmal veröffentlichte Inhalte lassen sich kaum vollständig entfernen. Selbst wenn Plattformen reagieren, können sie kopiert, gespeichert oder erneut hochgeladen werden. Für Betroffene bedeutet das oft eine dauerhafte Unsicherheit. Je nach Darstellung und Alter der abgebildeten Person können solche KI-generierten Bilder zudem strafrechtlich relevant sein und unter §§ 184b oder 184c StGB fallen. Auch der Kontext der Verbreitung kann dabei eine Rolle spielen.
Rechtliche Einordnung von Deepnudes
Deepnudes können rechtliche Folgen haben. Ob die Erstellung, Weitergabe oder Verbreitung eines solchen Bildes strafbar ist, hängt vom konkreten Einzelfall ab. Dabei spielen unter anderem das Alter der abgebildeten Person, der Inhalt des Bildes und die Art der Weitergabe eine Rolle.
Eine aktuelle juristische Einordnung findet sich im Kapitel „Geltendes Recht“ der Veröffentlichung des Instituts für Rechtspolitik der Universität Trier. Dort wird erläutert, welche rechtlichen Regelungen bereits heute auf sexualisierte Deepfakes angewendet werden können.
Gleichzeitig soll der rechtliche Schutz vor Deepfakes weiter ausgebaut werden. Ein aktueller Gesetzentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz sieht dafür neue Regelungen vor. Unter anderem soll die Strafbarkeit von sexualisierten Deepfakes erweitert werden. Ob und in welcher Form die geplanten Änderungen in Kraft treten, steht noch nicht fest.
Wenn Ihr Kind von einem Deepnude betroffen ist, sollten Sie sich deshalb nicht davon abhalten lassen, den Vorfall zu melden oder sich beraten zu lassen, nur weil die genaue rechtliche Einordnung zunächst unklar ist. Beratungsstellen können dabei unterstützen, die nächsten Schritte zu klären.
Was können Sie konkret gegen Deepnudes tun?
Der Umgang mit Deepnudes wirft für Eltern viele Fragen auf, vor allem, weil sich die technischen Möglichkeiten schnell weiterentwickeln und kaum vollständig kontrollieren lassen. Gleichzeitig können Sie im Alltag viel dazu beitragen, dass Kinder besser geschützt sind und Risiken frühzeitig erkennen.
- KI UND BILDMANIPULATION IM ALLTAG VERSTEHEN
Erklären Sie Ihrem Kind, dass Bilder im Internet nicht automatisch echt sind. Künstliche Intelligenz kann Fotos verändern oder völlig neue Bilder erzeugen, die täuschend echt wirken. Sprechen Sie auch darüber, dass dafür oft schon einzelne öffentlich sichtbare Fotos ausreichen und dass jede Person Opfer von Deepnudes werden kann, deren Bilder online geteilt werden. - BEWUSSTER UMGANG MIT FOTOS IM INTERNET
Sprechen Sie in der Familie darüber, welche Fotos wirklich veröffentlicht werden müssen. Überlegen Sie gemeinsam, ob Ihr Kind darauf klar erkennbar ist und wer Zugriff darauf haben könnte. Machen Sie deutlich, dass einmal hochgeladene Bilder kopiert, gespeichert oder weiterverbreitet werden können. Auch das aktive Teilen, etwa in einem Klassenchat, ist kein Spaß und kann für die betroffene Person schwerwiegende Folgen haben. - PRIVATSPHÄRE-EINSTELLUNGEN VERSTEHEN UND REGELMÄSSIG PRÜFEN
Gehen Sie gemeinsam die Einstellungen auf Social Media und in Apps durch. Klären Sie, wer Inhalte sehen, kommentieren oder weiterleiten kann, und wer Ihrem Kind Nachrichten senden darf. Sprechen Sie auch darüber, welche Apps Zugriff auf Fotos, Kontakte oder Standortdaten haben. Machen Sie deutlich: „Privat“ bedeutet nicht automatisch, dass Inhalte unsichtbar sind. - SICHERHEIT IM DIGITALEN ALLTAG STÄRKEN
Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann – auch bei Unsicherheit oder unangenehmen Situationen. Machen Sie deutlich, dass es keine Schuld trägt, wenn andere seine Bilder missbrauchen, manipulieren oder es online unter Druck setzen. Erklären Sie, dass Screenshots, Weiterleitungen oder gespeicherte Inhalte reale und auch strafrechtliche Konsequenzen haben können und dass frühes Hilfeholen wichtig ist, bevor sich Situationen verschärfen. - IM ERNSTFALL RICHTIG UND SCHNELL HANDELN
Wenn Deepnudes auftauchen, sollten Beweise möglichst gesichert werden, zum Beispiel durch Links oder Informationen zum Fundort. Bei Deepnudes von Kindern und Jugendlichen ist besondere Vorsicht geboten: Das Speichern oder Weiterleiten entsprechender Inhalte kann selbst strafbar sein. In solchen Fällen sollten Sie sich zunächst fachkundig beraten lassen. Die Inhalte sollten nicht weiterverbreitet werden. Bei Unsicherheiten helfen Polizei oder Beratungsstellen weiter. Anschließend sollten Plattformen und gegebenenfalls Schule oder Vertrauenspersonen informiert werden. Inhalte können über Meldefunktionen der Plattformen sowie über Beschwerdestellen wie jugendschutz.net oder die Internet-Beschwerdestelle gemeldet werden. Bei Erpressung, Drohungen oder strafbarem Verdacht sollte die Polizei eingeschaltet werden. Je nach konkretem Fall kann der Umgang mit Deepnudes auch strafrechtlich relevant sein, etwa wenn Inhalte verbreitet, zur Erpressung genutzt oder Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Wichtig ist, nicht abzuwarten, sondern früh Unterstützung einzubeziehen.
Unterstützung und Hilfe bei Deepnudes
Wenn Ihr Kind von Deepnudes oder anderen Formen der Bildmanipulation betroffen ist, ist es wichtig, frühzeitig Unterstützung einzubeziehen. Betroffene sollten nicht allein mit der Situation bleiben. Es gibt spezialisierte Anlaufstellen, die vertraulich beraten, bei der Einschätzung der Lage helfen oder konkrete nächste Schritte erklären.
Anlaufstellen und Unterstützung:
Nummer gegen Kummer: Kostenlose und anonyme Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern
JUUUPORT: Online-Beratung durch geschulte junge Ehrenamtliche bei Cybermobbing und digitalen Konflikten
klicksafe: Informations- und Aufklärungsangebot zu digitalen Risiken und sicherem Umgang im Netz
jugendschutz.net: Meldestelle für problematische und jugendgefährdende Inhalte im Internet
Weisser Ring: Unterstützung für Opfer von Kriminalität, auch bei digitaler Erpressung oder Missbrauch
Internet Beschwerdestelle: Beschwerdestelle für problematische oder illegale Inhalte im Netz für Kinder und Jugendliche
Wichtig ist: Hilfe zu holen ist kein Überreagieren, sondern ein sinnvoller und oft entscheidender Schritt, um Schäden zu begrenzen.