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"Spionin Cayla": Auf Datenschutz bei digitalem Spielzeug achten

Digitale Spielsachen können Gespräche aufnehmen und Daten weitergeben. Die Bundesnetzagentur spricht sich nun für ein Verbot der Puppe "Cayla" aus und fordert sogar Besitzer auf, die Spionin in Puppenform zu vernichten.

Genesis Industries
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Mit dem Internet vernetzte Spielwaren, wie Puppen, Miniroboter oder Computer machen Kindern Spaß, weil sie mit ihnen sprechen, Fragen stellen und spielen können. Doch wegen Datenschutz und Privatsphäre sollten Eltern beim Kauf vorsichtig sein.

"Ernsthaftes Risiko" und "verbotene Sendeanlage"

Der Europäische Verbraucherverband BEUC stellt ein „ernsthaftes Risiko“ bei der digitalen Puppe „My Friend Cayla“ sowie Miniroboter „i-Que“ fest. Es seien nur wenige Schritte nötig, um mittels eines Smartphones Zugriff auf das Spielzeug zu bekommen und die Gespräche der Kinder aufzuzeichnen sowie die Daten weiter zu geben, so der Verband.

Stefan Hessel von der Universität des Saarlandes hat die smarte Puppe auf ihre Vereinbarkeit mit dem § 90 Telekommunikationsgesetz (TKG) geprüft und diese aufgrund des ungesicherten Zugriffs auf das Mikrofon via Bluetooth in einem Rechtsgutachten als verbotene Sendeanlage eingeordnet. „Es sprechen entscheidende Gründe dafür, dass die Puppe eine verbotene Sendeanlage im Sinne des § 90 Telekommunikationsgesetz ist. Jedes bluetoothfähige Gerät in Reichweite von etwa zehn Metern kann eine Verbindung zu ihr aufbauen und Lautsprecher und Mikrofon nutzen. In einem Versuch hatte ich auch über mehrere Wände hindurch auf die Puppe Zugriff. Es fehlt an eingebauten Sicherungen“, erklärt Stefan Hessel. Die Bundesnetzagentur teilt diese Auffassung und hat die Puppe ebenfalls als Spionagegerät eingestuft, wie Pressesprecher Olaf Peter Eul der Saarbrücker Zeitung bestätigt.

Jedes bluetoothfähige Gerät in Reichweite von etwa zehn Metern kann eine Verbindung zu ihr aufbauen und Lautsprecher und Mikrofon nutzen. In einem Versuch hatte ich auch über mehrere Wände hindurch auf die Puppe Zugriff. Es fehlt an eingebauten Sicherungen.

Vernetzte Geräte wie auch die digitale Barbie können Risiken für Jugend- und Datenschutz bergen und sind für jüngere Kinder ohne Surferfahrung nicht geeignet. Dies zeigen auch Datenlecks, wie etwa bei Spielzeugen der Firma vtech. Am besten überlegen Eltern, ob internetfähiges Spielzeug überhaupt sinnvoll ist. Internetfähige Geräte sind generell erst ab zehn Jahren zu empfehlen, wenn die meisten Kinder schon genug Online-Erfahrung damit haben, Risiken kennen und wissen, wie sie ihre Daten schützen können.

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Produkte vorher prüfen

Elektronische Spielzeuge sollten auf das Spielverhalten des Kindes und dessen Bedürfnisse abgestimmt und einstellbar sein. Sonst sind die Aktionsmöglichkeiten sehr begrenzt und die Irritation beim Spielen groß. Einen echten Spielkameraden oder die Begleitung durch die Eltern können sie allemal nicht ersetzen. Wichtig ist, dass Eltern nur Geräte kaufen, die Jugend- und Datenschutz achten.

Handhabung und Inhalte müssen zum Alter und der Medienerfahrung des Kindes passen. Vorgespeicherte Inhalte sollten sich entfernen und ergänzen lassen. Eine gute Orientierung bei der Auswahl passender Geräte und Software bieten Fachmagazine im Internet sowie Kindersoftwarepreise wie „Giga-Maus“ oder „Pädi“.

Über Datenschutz informieren

Wir empfehlen, Geräte schon vor dem Kauf genau zu prüfen und Kinder für den Schutz ihrer Privatsphäre zu sensibilisieren. Dabei helfen anschauliche Vergleiche, um die Dimensionen deutlich zu machen: Was hälst du davon, wenn die ganze Stadt und wildfremde Leute erfahren, was du mit deinen Freunden besprichst? Zudem ist etwa über die Datenschutzerklärung des Herstellers zu prüfen, ob und wo die Aufnahmen und andere Daten gespeichert und für Nutzerprofile weiterverwendet oder weitergegeben werden. Falls ja, ist vom Kauf abzuraten.

Gerade bei Ton- und Bildaufnahmen sind auch die Persönlichkeitsrechte anderer zu wahren. Nach § 201 StGB macht sich wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes strafbar, wer das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt, eine solche Aufnahme gebraucht oder anderen zugänglich macht. Weitere Informationen zum Umgang mit persönlichen Daten finden Eltern in unserem Extrathema Datenschutz.

Aktiv begleiten

Nach Kauf des Gerätes gibt die Reaktion des Kindes die besten Hinweise darauf, ob dieses wirklich geeignet ist. Deshalb ist auch zu empfehlen, dass Eltern die Spielzeuge selbst ausprobieren und die Funktionen testen. Sind Eltern unzufrieden, können sie ihr Rückgaberecht nutzen.

Geräte sicher einstellen

Wichtig ist auch, dass sich Eltern sich darüber informieren, welche Sicherheitseinstellungen die digitalen Spielgeräte bieten und welche Funktionen man deaktivieren kann. Hinweise zur Sicherung von Smartphones und Tablets finden Eltern auf unserer Übersichtsseite Sicherheit.

Auf Ausgewogenheit achten

Wichtig ist, dass Kinder ihre Freizeit nicht zu einseitig gestalten und über unterschiedliche Beschäftigungen verschiedene Impulse erhalten. Deshalb sollten das Spielen im Freien, das Treffen mit Freunden, Sport oder die Hausaufgaben nicht zu kurz kommen. Dabei helfen festgesetzte Bildschirmzeiten, zu denen auch die Nutzung digitalen Spielzeugs zählen sollte. Wir empfehlen zur Orientierung diese für Kinder bis 5 Jahren auf eine halbe Stunde sowie für Kinder von 6 bis 9 Jahren auf eine Stunde täglich zu begrenzen.

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