Klein, bunt, mobil - Antworten für Eltern zu Kinder-Apps

Kinder-Apps wie Spiele, Rätsel oder Bücher faszinieren schon viele Kleinkinder mit ihren bunten Anwendungen und ihrer leichten Bedienbarkeit. Hier sind Eltern gefragt, die Angebote bewusst auszuwählen und die Geräte kindgerecht einzustellen. Doch wann ist der Nachwuchs überhaupt schon reif dafür? Und wie erkennt man kindgerechte Inhalte?

© fotostorm / iStock
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Wo liegt die Faszination?

Viele Verlage bieten entsprechende Programme an mit Features wie Animationen, Geräuschen, Spielen, Rätsel und Puzzles. So üben Tablets oft schon auf die Jüngsten eine große Faszination aus, zumal sie mit intuitiven Handbewegungen leicht bedienbar sind. Wie die miniKIM-Studie 2014 und die KIM-Studie 2014 zeigen, steigt die Nutzung mobiler Geräte durch Kinder. Laut einer Erhebung des Hans-Bredow-Instituts unter Kindern im Vorschulalter (2 bis 6 Jahre) nutzen diese zunächst vor allem die Foto- und Videofunktion der Geräte sowie eher einfache Spieleapplikationen wie Puzzles und Zuordnungsspielen, ältere Vorschulkinder auch komplexere Spiele.

Welche Risiken gibt es?

Auch wenn Apps Spaß machen und die Kommunikation erleichtern, können sie mit Risiken für den Jugend- und Datenschutz verbunden sein. Beispiele sind nicht kindgerechte Inhalte, das Auslesen und die Weitergabe persönlicher Daten, ablenkende Werbung und Kosten durch Downloads und In-App-Käufe, die Kinder leicht tätigen können, wenn der Zugang zum App-Shop ungesichert ist. Auch nicht jede Kinder-App ist wirklich für Kinder geeignet.

Welches Alter ist okay?

SCHAU HIN! empfiehlt, dass Kinder nicht zu früh mobile Medien nutzen. Manche Kinder unter drei Jahren können die oft schnellen und lauten Anwendungen überfordern. In diesem Alter ist es wichtiger, erst einmal die reale Welt zu erkunden. Doch wichtiger als das "wann" ist vielmehr das "wie": Gerade anfangs brauchen Kinder nämlich die Begleitung durch die Eltern, enge Zeitfenster und gut ausgewählte Apps.

Welche Apps sind kindgerecht?

Für Kindergarten- und Schulkinder gibt es eine große Auswahl an Lern- und Spiele-Apps, die altersgerecht aufbereitet sind und spielerisch beim Lesen, Schreiben oder Rechnen unterstützen. Achten Sie stets auf die Altersangaben im App-Store. Die Einstufung sagt jedoch nichts über die inhaltliche Qualität aus, auch wenn die Apps bei Google Play nun auf Basis der Altersfreigaben der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) bewertet werden. Testen Sie die Anwendungen daher am besten selbst auf ihre Tauglichkeit. Nehmen Sie sich Zeit, um gemeinsam mit Ihren Kindern zu spielen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Gute Apps für Kinder sind einfach bedienbar, übersichtlich, überfordern nicht mit schnellen oder blinkenden Animationen, enthalten keine Gewalt oder andere ungeeigneten Inhalte, sind möglichst frei von Werbung, Verlinkungen zu Social Media oder In-App-Käufen. Positiv sind auch eine selbsterklärende Navigation und ein Elternbereich. Bei Kinderbuch-Apps sollten die spielerischen Elemente den Inhalt vertiefen und anschaulich vermitteln, aber nicht zu sehr ablenken und ständig aus der Geschichte herausführen. Sie verfügen am besten über eine an- und abschaltbare, leicht verständliche Erzählstimme und erlaubt auch die Aufnahme der eigenen Stimme zu machen. So können Kinder und Eltern auch einmal selbst zu den Bildern erzählen und ihr eigenes Vorlesebuch erstellen.

Wie mache ich mein Gerät kindersicher?

Wenn Ihr Kind Ihr eigenes Smartphone oder Tablet nutzt, sollten Sie Ihr Kind nicht für längere Zeit unbeaufsichtigt lassen, Sicherheitseinstellungen aktivieren und Jugednschutz-Apps nutzen. Grundsätzlich ist die Installation von Apps Aufgabe der Eltern. So können Sie vermeiden, dass Ihr Kind Apps und Internetseiten öffnet, die nicht für sie geeignet sind. App-Shops sind für Kinder ungeeignet, da sie mit Angeboten konfrontiert werden, deren Inhalte sie beeinträchtigen können.

Bei den technischen Einstellungen für iPhones können Eltern die Installation von Apps oder In-App-Käufe deaktivieren, mit einem Code sperren oder einen Filter nach Alter des Kindes aktivieren: unter Systemeinstellungen/Allgemein/Einschränkungen/Apps, dann die Altersgruppe des Kindes auswählen (4+, 9+, 12+ und 17+ Jahre) festlegen. Auch der sogenannte „geführte Zugriff“ kann bei den Geräten als Kindersicherung genutzt werden, beispielsweise, um das Verlassen einer App zu verhindern oder automatische Zeitbegrenzungen einzurichten. Neben den Einstellungen für Android-Smartphones und Einstellungen für Android-Tablets bietet Google im Appstore "Google Play" unter Einstellungen einen Filter für Apps an. Eine aktive Medienerziehung unterstützten auch Jugendschutz-Apps.

Wie schütze ich meine Daten?

Gerade viele kostenlose Apps sind „Datenfresser“. Hier gilt besondere Vorsicht seitens der Eltern, die ihr Kind für einen sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten sensibilisieren sollten. Vor dem Herunterladen einer App die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sorgfältig lesen. Apps nur bei vertrauenswürdigen Anbietern beziehen und unbekannte App-Stores meiden. Über Zugriffsrecht einer App vor Installation und bei jedem Update informieren. Bei zu vielen oder unnötigen Berechtigungen, die App lieber nicht installieren. Auch nach der Installation auf Auffälligkeiten beim Datentransfer achten. Mit Kindern vereinbaren, persönliche Daten nicht an Dritte weiterzugeben und sich nicht ungefragt auf Plattformen anzumelden. Mehr dazu unter Datenschutz.

Wie lange darf mein Kind?

Wie bei allen anderen digitalen Medien gilt folgende Faustregel: Kinder bis fünf Jahre sollten nicht länger als eine halbe Stunde, bis neun Jahre höchstens eine Stunde täglich vor dem Bildschirm verbringen – ob TV, Games oder Internet. Ältere Kinder ab zehn Jahren können auch mit den Eltern ein bestimmtes Wochenkontingent von etwa neun Stunden vereinbaren, dass sich diese dann zunehmend selbstständig einteilen. Am besten vereinbaren Eltern mit den Kindern feste Regeln und halten diese in einem „Vertrag“ fest (z.B. surfen-ohne-risiko.net/netzregeln oder mediennutzungsvertrag.de). Gerade jüngere Kinder mit der App nicht alleine lassen, sondern bei der Nutzung begleiten. Dann haben Eltern auch gleich die Mediennutzungszeit im Blick und können sinnvolle Pausen machen. Mehr dazu unter Medienzeiten.

Bei Apps gilt wie bei (Bilder-)Büchern: Kinder lieben es, über ihre Erlebnisse zu reden! Hierfür ist es wichtig, dass Eltern dafür Raum bieten und auch andere Aktivitäten ihren festen Platz im Familienalltag haben. Denn eine App kann das Spielen im Garten und auf dem Spielplatz, Treffen mit Freunden oder das gemeinsame (Vor-)Lesen eines Buches nicht ersetzen.

Wo finde ich gute Apps?

Gute Kinder-Apps finden Eltern bei app-tipps.net, bei der Kinder-App-Datenbank des Deutschen Jugendinstituts und bei einem Wiki für gute Kinder-Apps sowie bei der Stiftung Lesen.

SCHAU HIN!-Tipps im Überblick

Insgesamt scheinen Eltern die wichtigsten Aspekte bei Kinder-Apps im Blick zu haben – können aber bei der Fülle der Angebote nicht immer die richtige Auswahl zu treffen oder fühlen sich unsicher. Folgende Tipps helfen im Umgang mit Kids und Apps.

  • Gemeinsam entdecken: Lassen Sie Ihr Kind mit den Applikationen nicht alleine, insbesondere im jungen Alter.
  • Verhalten beobachten: Wie reagiert der Nachwuchs auf das interaktive Geschehen? Wirkt es überfordert? Verhält sich das Kind ungewohnt? Sprechen Sie es bei der Benutzung direkt an und reflektieren Sie gemeinsam.
  • Sicherheit checken: Überprüfen Sie, dass die Einstellungen auf den Geräten kindersicher sind. Dies gilt für datenschutzrechtliche wie inhaltliche Aspekte.
  • Werbung umgehen: Kinder können nicht immer zwischen Inhalt und Werbung unterscheiden. Laden Sie deshalb Apps, die frei von Werbung sind.
  • In-App-Käufe meiden: Achten Sie darauf, dass beim Benutzen der App nicht mehr Kosten beispielsweise durch den Kauf neuer Levels entstehen. Bevorzugen Sie Applikationen ohne In-App-Käufe.
  • Empfehlungen einholen: Neben Altersangaben in den App-Stores selbst, geben eine Reihe von Ratgebern Hinweise auf gute Kinder-Apps. Schauen Sie hierzu auf den Seiten von klick-Tipps, dem Deutschen Jugendinstitut und Handysektor (für Jugendliche).
  • Meinung bilden: Abseits fachlicher Empfehlungen – was denken Sie über die Kinder-App? Schauen Sie sich die Applikation eingangs an und prüfen Sie, welche Rollenbilder und Werte möglicherweise vermittelt werden. Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus.