So chattet Ihr Kind sicher

Chatten ist für viele Kinder eine spannende und unkomplizierte Möglichkeit, um Kontakte zu knüpfen und sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. Wenn Eltern ihre Kinder gerade anfangs begleiten und grundlegende Regeln vereinbaren, minimieren sie mögliche Risiken dabei.

Funktionen

Chatten ist die direkte Kommunikation via Internet in Echtzeit. Hierüber kann man Texte, Bilder und Filme mit anderen sowie in Gruppen austauschen. Chatten funktioniert unabhängig davon, wo die Gesprächspartner sich befinden, also auch von unterwegs.

Kanäle

Besonders beliebt sind mobile Messenger wie Whats App, Instagram, Snapchat, Tumblr oder der Facebook Messenger und Chatrooms von Mailprogrammen oder sozialen Netzwerken. Im Internet existieren auch viele spezialisierte Chatrooms, in denen man über bestimmte Themen plaudern kann. Fachleute treffen sich in Experten-Chats. Bei einigen Chats muss man sich registrieren, bevor man diese nutzen kann. Bei vielen kann man aber zunächst probehalber als Gast hineinschnuppern.

Sprache

Selbst für flinke Schreiber ist das Eintippen all dessen, was man sagen will, auf Dauer mühsam. Unter anderem deswegen hat sich bei Chattern eine eigene Sprache entwickelt, die etwa aus Abkürzungen (Akronymen) und Spezialzeichen (Smileys) besteht.

Moderatoren

Viele Chats werden von Operatoren oder Moderatoren betreut. Operatoren greifen ins Geschehen ein, wenn die Umgangsformen im Chat zu entgleisen drohen, wohingegen Moderatoren sich auch inhaltlich einschalten, die Gesprächsführung übernehmen und Chatbeiträge auswählen bzw. entfernen können. Beide haben die Möglichkeit, Chatbesucher, die nicht die Regeln beachten, aus dem Chat zu verbannen. Für moderierte Chats gibt es festgelegte Zeiten, da die Betreuer verständlicherweise nicht rund um die Uhr verfügbar sind. Gute Kinderchats sind immer moderiert.

Netiquette

Auch beim Chatten gibt es bestimmte Regeln und Umgangsformen. Diese Netiquette ist zwar kein geschriebenes Gesetz, sollte aber dennoch von allen Chatteilnehmern eingehalten werden. Ziel der Netiquette ist eine möglichst für alle Teilnehmer angenehme Art der Kommunikation.

Die erste und grundlegende Empfehlung ist: „Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt!“. Weitere Regeln umfassen meist Zwischenmenschliches, also der Verzicht auf unhöfliche und bleidigende Sprache, sowie Rechtliches, also die Beachtung von Urheber- und Persönlichkeitsrecht. Ebenfalls nicht gerne gesehen ist in Großbuchstaben oder auffällig vergrößerter Schrift zu schreiben, da dies als Schreien verstanden wird. Chatbetreiber achten meist auf diese Punkte und ahnden Verstöße auch, zum Beispiel mit der Sperrung des Teilnehmers. Im Chat wird Netiquette zu Chatiquette.

Risiken

Bei allen faszinierenden Möglichkeiten der Online-Kommunikation, gibt es auch einige Risiken für Kinder und Jugendliche, die es zu beachten gilt.

Beleidigungen

Cybermobbing mit verletzenden Inhalten sind in Chats und Messengern leider weit verbreitet. Dabei kann auch aus anfänglichem Spaß schnell Hass werden.

Problematische Inhalte

Die Möglichkeiten, beim Chatten mit problematischen Inhalten konfrontiert zu werden, sind vielfältig. Vom Nickname über Einträge im Benutzerprofil bis hin zu Links zu externen Webseiten mit problematischen oder jugendgefährdenden Inhalten. Diese Inhalte können etwa gewalthaltig, sexistisch, pornografisch oder rechtsextrem sein.

Belästigungen

Problematische, bisweilen sogar gefährliche Kontakte zu Menschen oder Inhalten kommen immer wieder vor. Da die Teilnehmer in den Chats anonym sind, kann sich ein Erwachsener mit pädokriminellen Neigungen als Gleichaltriger ausgeben und so versuchen, das Vertrauen zu erschleichen (siehe "Cybergrooming"). Von sexueller Belästigung sind in den meisten Fällen junge Mädchen betroffen- aber auch Jungen sind nicht vor solchen Übergriffen gefeit.

Sexuelle Belästigungen umfassen indiskrete Anfragen an Kinder und Jugendliche nach bisherigen sexuellen Erfahrungen, die Konfrontation mit Beschreibungen sexueller Vorlieben oder Fantasien, die Bitte um Zusendung von (Nackt-)Bildern sowie Aufforderungen zu sexuellen Handlungen.

In öffentlichen Chaträumen werden Kinder und Jugendliche häufig gefragt, ob sie einen Instant-Messenger auf ihrem Computer installiert haben, in private Chats wechseln oder zu Webcam-Chats sowie zu persönlichen Treffen bereit wären. Benutzer versuchen so, ihre Opfer in eine private Unterhaltung zu drängen, die nicht der Kontrolle von Moderatoren unterliegen.

Tipps für Eltern

Kinder begleiten

Genauso, wie Eltern in der realen Welt über die Freunde und Treffpunkte ihrer Kinder informiert sind, sollten sie auch deren Lieblingsorte im Internet kennen. Denn obwohl Kinder scheinbar geschützt zu Hause an ihrem Computer sitzen, sind sie dennoch beim Chatten bestimmten Risiken ausgesetzt. Kein Erwachsener kann seinem Schützling ständig über die Schulter schauen. Daher ist es ratsam, dass Eltern gemeinsam geeignete Angebote wählen, feste Chatzeiten vereinbaren, mit ihrem Kind über mögliche Gefahren sprechen und ihm erklären, wie es diese vermeiden oder sich zur Wehr setzen kann.

Angebote prüfen

Eltern sollten im Blick haben, welche Angebote ihr Kind nutzt und mit wem es sich austauscht. Die Anmeldung ist in jedem Fall Elternsache!Dabei sollten Eltern die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie die Daten- und Jugendschutzbestimmungen prüfen. Unsichere Angebote mit unzureichendem Daten- und Jugendschutz wie Facebook oder WhatsApp sind für Minderjährige nicht empfehlenswert. Hier ist es ratsam, gemeinsam mit dem Kind geeignete Alternativen auszuwählen.

Geeignete Kindercommunitys sind altersgerecht gestaltet, leicht handhabbar, werbefrei, veröffentlichen keine persönlichen Daten und werden pädagogisch begleitet. Moderatoren greifen dabei notfalls in Unterhaltungen ein und schließen Störer aus. An diese können sich Kinder jederzeit wenden, um Verstöße zu melden und um Hilfe zu bitten.

Sicherheitsregeln vermitteln

Interesse für die Faszination ihres Kindes am Chatten zeigen, aber auch darüber sprechen, dass gerade populäre kommerzielle Angebote mit problematischen Inhalten (Gewalt, Pornografie, Selbstgefährdung), Kontaktrisiken (Cybermobbing, sexuelle Belästigung), Kosten und Gefahren für Daten verknüpft sein können sowie gemeinsame Regeln dazu vereinbaren.

  • Respektvoll sein. Hinter jedem Nutzer stehen echte Menschen - ein höflicher Umgang gilt auch in Chats.
  • Persönliches schützen. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche nur unpersönliche Chatnamen verwenden. In Communitys ist auf die Herausgabe persönlicher Fotos zu verzichten.
  • Misstrauisch bei fremden Kontakten sein. Man kann nie wissen, wer sich auch hinter harmlos klingenden Benutzernamen verbirgt. Auch bei scheinbar bekannten Chatpartnern weiß man nie, ob es sich um diese Person handelt oder ob noch jemand mitliest und Informationen weitergibt.
  • Unangenehme Dialoge sofort beenden. Den Chat verlassen sowie keinesfalls den Chat in privaten Räumen oder über andere Anbieter fortzusetzen oder „reale“ Treffen vereinbaren.
  • Störer blockieren und melden. Viele Dienste bieten die Möglichkeit dazu, damit Nachrichten von bestimmten Nutzern automatisch blockiert werden. In schweren Fällen kann man diese auch dem Betreiber melden, damit sie gesperrt werden.
  • Beweise sichern. Belästigungen sollte man umgehend per Screenshot sichern und dem Betreiber, Beschwerde­stellen wie jugendschutz.net, internet-beschwerdestelle.de, dem Zentrum für Kinderschutz im Netz (www.i-kiz.de) oder bei schwereren Fällen auch der Polizei melden.